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«Der Euro ist der Sieg der Politik über die ökonomische Vernunft. Er ist der bisher grösste Feldversuch zur Frage, ob schlechte Ökonomie gute Politik sein kann. Das Experiment dürfte misslingen.»
Das schrieb ich vor etwas mehr als zehn Jahren im CASH. Jetzt ist der Euro immerhin zehn Jahre alt geworden. Hat jemand gratuliert? Es wäre mir entgangen.
Es war in der Tat sehr schlechte Ökonomie. Im Jahresmittel erreichten die Euro-Staaten gerade mal eine Wachstumsrate von 1,1 Prozent, nicht einmal halb soviel wie im Jahrzehnt vor dem Euro.
Noch viel schlechter sieht es beim Reallohn aus. Der stieg in den zehn Eurojahren nur noch um 0,4 Prozent. Im Durchschnitt.
Doch auch die Durchschnitte sind im Euroland nicht mehr das, was sie einmal waren. Das bisschen Lohnerhöhung fand ausschliesslich an der Spitze der Pyramide statt.
Die unten haben verloren – vor allem in Deutschland.
Das ist das Schlimmste: Die schlechte Ökonomie hat Europa gespalten. In oben und unten und in Nord und Süd.
Und die Sparprogramme, die den Euro retten sollen, machen die Sache nur noch schlimmer – der grösste Feldversuch, wie lange die Demokratie miese Ökonomie überlebt.
Wir werden es erfahren, bevor weitere zehn Jahre um sind.
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Werner Vontobel, Wirtschaftspublizist.