Lockere Geldpolitik Ex-SNB-Chef Philipp Hildebrand stärkt Draghi den Rücken

Der frühere Chef der Schweizerischen Nationalbank verteidigt die Politik der Europäischen Zentralbank. Für die Schweiz findet er klare Worte.

Hildebrands schwerste Stunde: Nach Vorwürfen unzulässiger Devisendeals tritt er 2012 als SNB-Präsident zurück. play

Hildebrands schwerste Stunde: Nach Vorwürfen unzulässiger Devisendeals tritt er 2012 als SNB-Präsident zurück.

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Philipp Hildebrand (52), früherer Chef der Schweizerischen Nationalbank (SNB), lebt heute in London. Das hindert ihn nicht daran, die Schweiz zu kritisieren.

«Die Schweiz wird den Wunsch nach einer Begrenzung von Einwanderung aus der EU und das aktuell gültige Verhältnis zur EU nicht unter einen Hut kriegen», sagt der Banker im Gespräch mit der «Frankfurter Allgemeine Zeitung‎». Das Volk werde sich ein weiteres Mal die Kernfrage stellen müssen: Mehr oder weniger offenes wirtschaftliches Verhältnis zur EU oder einseitige Begrenzung der Zuwanderung.

Auch mit dem Verlauf der Brexit-Debatte in seiner Wahlheimat England ist Hildebrand unglücklich: «Von Befürwortern in Grossbritannien wird gelegentlich die Schweiz als Vorbild genannt.» Das sei ein absurder Vergleich. «Die Schweizer Konstellation zur EU wäre für Grossbritannien vollkommen ungeeignet», glaubt der Vizepräsident des Vermögensverwalters Black Rock.

Hildebrand steht hinter der EZB

Für Gegner der lockeren Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) hat Hildebrand kein Verständnis. «Die Inflationsrate liegt in der Eurozone unter der Zielmarke, und die Arbeitslosigkeit ist sehr hoch», so der frühere SNB-Chef.

Doch dass es der Notenbank schwerfalle, ihre Ziele zu erreichen, sei kein Grund, die Arbeit einzustellen: «In einer solchen Situation kann eine Notenbank nicht einfach aufhören, eine expansive Geldpolitik zu betreiben, auch wenn die Wirksamkeit ihrer Instrumente nachlassen mag.»

Geldpolitik wird alleine gelassen

Auch unsere nördlichen Nachbarn stehen in der Kritik: «In Deutschland sollte man sich weniger mit der Frage befassen, warum die EZB ihre Geldpolitik so expansiv betreibt», so der Banker. «Man sollte sich eher fragen, warum die EZB alleingelassen wird. Denn je länger die Geldpolitik alleine gelassen wird, umso höher wird die Gefahr für Populismus». 

Hildebrand war vor Thomas Jordan Präsident der Schweizerischen Nationalbank. Unter seiner Führung wurde die Franken-Euro-Untergrenze 2011 eingeführt. (bam)

Publiziert am 09.03.2016 | Aktualisiert am 10.06.2016
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  • Ernst  Rietmann aus Weinfelden
    10.03.2016
    Hildebrand hat recht. Ach ja: während seiner Zeit als SNB-Präsident hat er z.B. auch mehrere fragwürdige Bankengeschäfte immer wieder massiv kritisiert und stärkere Kontrollen gefordert, die dann später zu grossen finanziellen Verlusten führten. Die Angegriffenen haben sich auf hinterhältigste Weise gewehrt, hat er doch Ebner & Co. kräftig ins Handwerk gepfuscht.
  • dag  van oranje 09.03.2016
    Herr Hildebrand ist mitverantwortlich mit Euro käufen.
    jetzt wäre es nett, wenn er keine Kommentare mehr abgibt.
    Alles andere grenzt an Volksverrat.
  • seb  cicero 09.03.2016
    Schon die Grundfrage zeigt mir, dass Hildebrand vielleicht etwas von Banking versteht, aber kaum von sozialer Marktwirtschaft und den Parametern. Entscheidend ist nicht wieviel EU, sondern möglichst viel Beschäftigung für Schweizer, gute Sozialwerke, tiefe Energiepreise und gutes Wohlstandsniveau für alle - und das heisst wohl eher weniger EU und Schweiz als selbständiger, neutraler Handelspartner. Die EU bringt ja sozio-ökonomisch gar nichts besser als CH zustande ausser sinkende Niveaus.
    • Ernst  Rietmann aus Weinfelden
      10.03.2016
      Herr Cicero, die EU ist eben nicht einheitlich sondern hat viele Mitgliedstaaten. Und jeder Mitgliedstaat hat seinen eigenen Stärken und Schwächen. Die EU stellt einheitliche Regeln auf, die Staaten haben aber Freiraum. Sozio-ökonomisch kann die EU gesamthaft nichts aufzeigen, weil jeder Staat seine eigene Wirtschaft und seine eigenen Berechnungen hat. Es dürfte zwar gesamthafte Berechnungen geben, jedoch sind diese kaum aussagekräftig.
  • Riccardo  Virga 09.03.2016
    Ist ja wie bei Jeopardy: Mit welchen Aussagen oute ich mich als Jünger des Bilderberg Clans?... Ja Herr Hildebrand, korrekt!
  • Werner  Roosen aus Luzern
    09.03.2016
    Wer so blamabel aus dem Direktorium der SNB ausgeschieden ist wie Ph.H., sollte besser die Klappe halten.