Volg-Chef Ferdinand Hirsig zum Erfolg der Dorfläden: «Zu uns kommen alle, auch Paris Hilton und Polo Hofer»

Volg-Chef Ferdinand Hirsig kennt die Wünsche der ländlichen Schweiz. Das sieht man an seiner erfolgreichen, 15-jährigen Führung der Supermarktkette.

Der Humor bleibt nicht auf der Strecke: Ferdinand Hirsig (59) führt seit 15 Jahren die Dorfladen-Kette Volg. play

Der Humor bleibt nicht auf der Strecke: Ferdinand Hirsig (59) führt seit 15 Jahren die Dorfladen-Kette Volg.

Sabine Wunderlin

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BLICK: Kennen Sie Paris Hilton?
Ferdinand Hirsig: Ich weiss zwar, wer Frau Hilton ist. Persönlich habe ich sie aber noch nicht kennengelernt.

Wissen Sie auch, dass die Hotel-Erbin eine neue Stammkundin des Volg in Schindellegi SZ ist?
(Lacht) Zu uns kommen alle, auch Promis wie Paris Hilton und Mundart-Rocker Polo Hofer.

Was zeigt Ihnen das?
Alle Menschen haben das gemeinsame Bedürfnis, ihre Einkäufe zeitsparend und bequem zu erledigen.

Nichts gegen Ihre Verkäuferinnen, aber ein bisschen mehr Pep und Sex-Appeal in den Läden würde die Einkaufslust bei Volg erhöhen.
Ich finde durchaus, dass unsere Verkäuferinnen Pep und Sex-Appeal haben. Früher habe ich ein Modegeschäft geführt. Damals sagte ich immer: Es bringt nichts, wenn ich ein professionelles Model mit Grösse 32 über den Laufsteg gehen lasse und mein Publikum normale Masse hat. Sie bleiben auf Ihrer Ware sitzen, wenn sich beide nicht auf Augenhöhe begegnen. Ich möchte, dass sich die Kundinnen bei uns wohlfühlen.

Das Laden-Konzept ist 15 Jahre alt. Von ein wenig mehr Pep geht der ländliche Charme nicht verloren.
Darum haben wir auch kürzlich beschlossen, unsere Läden aufzufrischen. Das Konzept Volg2020 beinhaltet einen neuen Laden-Auftritt und auch eine französische Website.

Gehört E-Commerce auch dazu? Sie testen einen Heimlieferdienst.
Wir haben dieses Pilotprojekt mit der Post Ende November abgeschlossen. Kommerziell ist es auf tiefem Niveau erfolgreich. Wir machen weiter damit und prüfen nun den Ausbau des Heimlieferdienstes in der Deutschschweiz.

Volg wächst seit Jahren deutlich stärker als die Konkurrenz. Gilt das auch im laufenden Jahr?
Wir haben in die Westschweiz expandiert, sind aber auch mit den bestehenden Läden gewachsen. Wir erwarten einen Umsatzzuwachs von rund einem Prozent. Das ist zwar weniger als die 4,1 Prozent im Vorjahr, liegt aber über dem Marktwachstum.

Wie lautet Ihr Erfolgsgeheimnis?
Die Nische ist unser Erfolgsrezept. Wir sind nahe beim Kunden und beherrschen das Geschäft auf der kleinen Verkaufsfläche. Während sich die einen auf Facebook, Twitter oder Whatsapp austauschen, tun die anderen das bei uns im Laden.

Welchem Detailhändler haben Sie Marktanteile abgejagt?
Das ist mir eigentlich egal, ich führe keine Statistik (lacht).

Volg ist teurer als Coop, Ihren Mitarbeitern zahlen Sie mittelmässige Löhne. Auch so kann man die Gewinnmargen hochhalten!
Richtig ist, dass wir etwas über den Coop-Preisen liegen. Sie vergessen aber unsere Logistikkosten, die hoch sind. Weil wir bis ins hinterste Tal täglich 1000 Dörfer anfahren, sind wir wegen dieser Kosten etwas teurer.

Nach über acht Jahren müssen Sie die Preise in der Kantine am Winterthurer Hauptsitz erhöhen. Und Ihre Mitarbeiter setzen Sie 2016 auf Nulldiät?
Keineswegs. Wie im laufenden Jahr heben wir die Löhne bei Volg auch 2016 an: in der Administration um 0,5 Prozent und für die Mitarbeitenden im Laden sogar um ein Prozent.

Einen 13. Monatslohn gibt es immer noch nicht überall?
Doch, wir zahlen jetzt auch flächendeckend einen 13. Monatslohn. Aufs Jahr gerechnet beträgt unser Mindestlohn 4000 Franken pro Monat, und es gibt keine regionalen Unterschiede.

Was erwarten Ihre Kunden von Volg im kommenden Jahr?
Das Gleiche, was ich von meinen Mitarbeitenden erwarte: frisch und freundlich sein, sich die Zeit nehmen für einen Schwatz mit der Kundschaft und beweisen, dass auf Volg Verlass ist. 

Zum Beispiel?
Auf dem Dorf schwingt immer die Angst mit, dass alle Geschäfte schliessen oder abwandern. Wir spüren das, wenn wieder mal eine Poststelle zumacht. Oft finden wir mit der Post eine Lösung. Im Volg im thurgauischen Pfyn und Wigoltingen kommt bald eine Postagentur in den Laden.

Sie sind jetzt im 15. Jahr Chef von Volg. Sind Sie immer noch nicht amtsmüde?
Ich sehe hoffentlich noch nicht so aus. Ausserdem bin ich nicht nur Volg-Chef, sondern für die Landi Schweiz und den Energie-Bereich der Fenaco mitverantwortlich. Die Arbeit geht mir also nicht aus.

Was machen Sie über Neujahr?
Wir verbringen den Jahreswechsel in Grächen im Wallis. Dort haben wir eine kleine Ferienwohnung. Es hat zwar kaum Schnee, aber ich werde die Zeit mit der Familie dort oben trotzdem sehr geniessen.

Publiziert am 31.12.2015 | Aktualisiert am 31.12.2015
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18 Kommentare
  • Markus  Meier aus Zürich
    31.12.2015
    Nett, eine kleine Ferienwohnung...Dieses Konzept ist doch ein Selbstläufer, wo sollen die Leute denn sonst einkaufen...Viele machen mit den Autos einen Sammeltransport, sonst gäbe es die ganze Woche nichts frisches...Ein Lohn für 4,000. pro Monat, super...diese Angestellten müssen ja auch abens noch nach Hause fahren...Aussagen wie diese eines Chefs bringen mich zum schmunzeln, die Angestellten werden doch einfach nur über den Tisch gezogen...Keine Weiterbildung, keine zusätzlichen Anreize!!!
  • Paul  Strassmann 31.12.2015
    Komischerweise sind die Preise ind der - vergleichbaren - Landi viel tiefer. Das Angebot ist dort wohl nicht ganz vergleichbar. Es zeigt aber, dass Volg bei klugem Einkauf noch ganz andere Preise haben könnte.
  • Peter  Brunner 31.12.2015
    Hier bei uns im Dorf ist der Service im Volg manchmal miserabel. Man diskutiert lieber mit anderen, als die Kunden an der Kasse zu bedienen. Die können ja warten. Mein behindertes Patenkind wird immer und immer wieder stehen gelassen. Leider geht es trotzdem immer wieder zu diesem Volg.
    • Christian  Müller aus Genf
      31.12.2015
      Ist das nicht überall so? Zumindest meistens... :-] Es soll aber Ausnahmefälle geben! Da können Mitarbeiter ihre üblichen Privatgespräche führen und gleichzeitig die Einkäufe der Kunden über den Scanner schieben. :-]
    • Doris   Limacher 31.12.2015
      Dann reklamiert bitte mal beim Volg Konsumwaren AG / Hauptsitz in Winterthur.
      Am besten mit Namen usw
  • Christian  Müller aus Genf
    31.12.2015
    Höhere Preise und gleichzeitig tiefere Löhne für die Mitarbeiter... Ein echtes Vorbild! Realitätsverlust kann nie schaden. :-]
  • Oliver  Hardy 31.12.2015
    Man kann Volg mit dem Edelweisshemd vergleichen ein Stück Heimat.In der heutigen Zeit immer wichtiger.Die Kunden akzeptierten, dass Volg etwas teurer ist.
    • Markus  Meier aus Zürich
      31.12.2015
      Tja, Oliver, die schmale AHV muss ja irgendwo auch ausgegeben werden. Auf dem Land haben viele einfach keine andere Wahl...Ich kenne viele Leute welche lieber billiger einkaufen würden, aber eben, der Coop oder die Migros sind zu weit entfernt, aber eben, Mann/Frau möchte in seinem Weiler bleiben, nicht wegziehen...Das wahre leben eben!!!! Nur immer den Fünfer und das Gipfeli geht halt nicht!!!