Hart gefragt Verzichten Sie auf einen Teil des Lohns?

  • Aktualisiert am 20.01.2012
  • Von Simon Spengler
Ulrich Gygi: Der Post-Chef wird Verwaltungsratspräsident der SBB.- Lukas Unseld

Von der Post zu den SBB: Ulrich Gygi (61) will die Bahn aufs rechte Gleis bringen. Dafür geübt hat er aber noch nicht.

Blick: Herr Gygi, Sie wechseln von der florierenden Post zu den kriselnden SBB. Warum tun Sie sich das an?
Ulrich Gygi: Na hören Sie mal, die SBB sind doch kein Krisen-Konzern! Der Personenverkehr wirft Gewinn ab. Die Nachfrage ist so gross, dass der Fahrplan immer enger gestaltet werden muss. Zugegeben, beim Güterverkehr gibts Probleme zu lösen. Aber ich will ja kein Schönwetter-Kapitän sein.

Warum gehen Sie denn überhaupt weg von der Post?
Ich hatte schon beim Stellenantritt gesagt, dass ich acht Jahre bleiben wolle. Der Zeitpunkt für einen Wechsel ist jetzt da. Weil ich nicht mehr Vollzeit arbeiten wollte, ist das SBB-Verwaltungsratspräsidium ideal für mich.

Zu wie viel Prozent werden Sie bei den SBB arbeiten?
Engagiert bin ich für zwei Tage die Woche, also rund 40 Prozent. Arbeiten werde ich aber, so viel es mich braucht. Ich habe ja ab nächstem Jahr 100 Prozent Zeit für die SBB.

Dann verzichten Sie also auf einen Grossteil Ihres jetzigen Lohns? Oder wurde die Entschädigung fürs neue Amt entsprechend aufgestockt?
Im Gegenteil, gesenkt.

Wie viel bleibt denn?
Nehmen Sie die Zahl vom letzten Geschäftsbericht minus zehn Prozent. Aber schreiben Sie bloss nicht gross darüber. (Red.: Vorgänger Thierry Lalive d’Epiney verdiente 250 000 Franken, als Postchef bekam Gygi letztes Jahr über 800 000 Franken.)

Gut, sprechen wir über Ihren Job. Wie lösen Sie die Probleme mit SBB-Cargo?
Es ist nicht Sache des VR-Präsidenten, sich ins konkrete Geschäft einzumischen. Dafür hat die Konzernleitung ihre Fachleute. Der VR ist da, um die grossen Linien festzulegen. Aber das kann ich sagen: Das Hauptproblem von SBB-Cargo liegt nicht in Bellinzona.

Wo dann?
Bei der internationalen Strategie. Es gilt, für die Zukunft den geeigneten Partner zu finden.

Haben Sie schon mit DB-Chef Hartmut Mehdorn zum Essen abgemacht?
Nein, noch nicht. Ich fange aber auch erst im Januar an. Mehr will ich dazu im Moment nicht sagen.

Sie müssen auch eine überschuldete Pensionskasse sanieren.
Das werden die SBB allein nicht leisten können. Dafür brauchen sie eine Anfangshilfe von der öffentlichen Hand. Aber beide Seiten müssen sicher ihren Beitrag leisten. Auch die SBB.

Die Gewerkschaften sorgen sich schon um die Sozialpartnerschaft.
Sozialpartnerschaft und soziale Verantwortung gehören zum Kern sowohl der Post als auch der SBB. Dafür stehe ich ein.

Haben Sie schon mal Bahnchef auf der Modelleisenbahn geübt?
Nein, auch als Bub leider nicht. Meine Eltern hatten dafür schlicht kein Geld.

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