Wer lügt? Verwirrung um angebliche Daten-CD

Deutsche Politiker werfen der UBS vor, Kunden noch immer beim Steuertricksen zu helfen. Ist das alles nur ein Bluff?

  • Publiziert: 12.08.2012
  • Von Peter Hossli und Matthias Pfander
play Bundespräsidentin Eveline Widmer-Schlumpf: "Deutsche ziehen kaum Geld ab" (Keystone)
play NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans: "Gab grünes Licht zum CD-Kauf" (WAZ)

Als «normalen Vorgang» bezeichnet der Finanzminister des deutschen Bundeslands Nordrhein-Westfalen den Kauf von entwendeten Bankdaten aus der Schweiz. Prompt wurde die Aussage Norbert Walter-Borjans’ als Bestätigung für den Erwerb weiterer Daten-CDs gedeutet.

Anders sieht es Bundes­präsidentin Eveline Widmer-Schlumpf: «Seit Unterzeich-nung des Steuerabkommens mit Deutschland vor einem Jahr wurde noch nie der Kauf einer CD offiziell bestätigt», sagte sie der «Aargauer Zeitung».

Beide können nicht recht haben. Einer lügt. «Es geht um psychologische Kriegsführung. Die deutsche Seite baut eine Droh­kulisse auf», sagt Peter V. Kunz, Professor für Wirtschaftsrecht an der Universität Bern. Meldungen über mögliche CDs mit neuen Daten schüren stets Ängste. Eine Strategie, die aufgeht. Seit 2010 haben sich 40 000 deutsche Steuersünder selbst angezeigt.

Weitere Fakten stützen Kunz. Vor eineinhalb Jahren empfahl die Schweizerische Bankiervereinigung den Banken, Kunden keine Beratung in Steuerfragen zu erteilen. Zudem sollen sie ­keine Vermögen an ausländische Zweigstellen transferieren. Alle Banken haben die Empfehlungen übernommen. Nun überwacht die Bankenaufsicht Finma, ob die Weisung eingehalten wird. Und ahndet Verstösse.

Gegen die neuerliche Behauptung aus Deutschland, Schweizer Banken würden Vermögen deutscher Kunden von Schweizer Filialen an jene in Singapur transferieren, spricht einiges:

 «Das ist eine reine Behauptung», sagt Kunz. «Weshalb legt die deutsche Seite denn keine Beweise vor?» So sagen die deutschen Steuerfahnder nicht einmal, wann die Anleitung erstellt worden sei. Vor sechs Jahren zirkulierten in Bankenkreisen solche Papiere – heute nicht mehr. «Die UBS hat seit 2008 die Rahmenbedingungen für das Geschäft mit gut 60 Ländern einer genauen Prüfung unterzogen und wo nötig angepasst oder erweitert», sagt UBS-Sprecher Yves Kaufmann. Dass Banken heute offizielle Anleitungen zur Steuerumgehung via Singapur anfertigen, schliesst Kunz aus: «So dumm kann keine Bank sein.»

 Der Schweizer Finanzplatz verzeichnet derzeit keine Vermögensabflüsse ins Ausland. Die UBS hat seit Ankündigung des Steuerabkommens keine Zunahme von Anfragen nach Vermögenstransfers ins Ausland festgestellt, wie sie ausrichtet.

Will ein Bankkunde sein Vermögen von Zürich nach Singapur verschieben, muss er das Schweizer Konto schliessen. Erst wenn er in Singapur bezeugt, sein Geld versteuert zu haben, wird ein neues Konto eröffnet, so die UBS.

 Um von der OECD nicht auf eine schwarze Liste gesetzt zu werden, verfolgt Singapur eine strikte Weissgeldstrategie.

 Letztlich würden Transfers nach Südostasien das Steuer­abkommen mit Deutschland gefährden. Dieses ist gut für das Geschäft der Banken. Fällt die vorgesehene Abgeltungssteuer weg, verliert die UBS weit mehr Geld, als wenn ein paar deutsche Steuersünder abspringen.

Trotz dieser Fakten lassen sich Verstösse nicht gänzlich ausschliessen. Zumal Banken gegen kriminelle Energie einzelner Banker meist machtlos sind.  l

Beliebteste Kommentare

  • Schmid  Edi , Hütten
    Wie wäre es, wenn man mal abwartet, bis die Deutschen Ihre
    Behauptungen bewiesen haben? Nein beim kleinsten Laut der Deutschen CD-Kauf, etc. wird gleich zurück "gehustet".
  • Herbert  Widmer , Sagogn
    Diese Leerlaufdiskussionen um das Steuerabkommen mit Deutschland werden langsam langweilig. Lasst die Deutschen doch das Abkommen abschiessen. Frau BR Widmer-Schlumpf muss dann eben durchsetzen, dass keine Amtshilfe bei geklauten Daten erteilt wird und die Banken könnten ja mit chiffrieren den Klau reduzieren. Die Deutschen Politiker sind aber schon Traumtänzer wenn sie glauben, mit ihrem jetzigen unwürdigen Verhalten nochmals verhandeln zu können. Diesmal glaube ich an die Worte des BR.

Alle Kommentare (16)

  • Roger  Garnier , Buchs ZH
    Kann man EWS überhaupt was glauben? Den NRW Politikern konnte man noch nie glauben, selbst deren Bevölkerung glaubt denen nicht!
  • Giuseppe  Zwyer
    Wie wichtig ist dieser Steuervertrag wirklich für die Schweiz? Deutschland entpuppt sich als ein absolut unseriöser und unglaubwürdiger Vertragspartner! Bei Erpressungen und Respektlosigkeiten wie sie jetzt bei bei Deutschlands Verhalten wiederholt passieren gibt es nur eins: Endlich Rückgrat beweisen und sofort Verhandlungen abbrechen!
  • Sepp  Schlau-Meier
    Was juckt es die Schweizer Eiche, wenn sich an ihr der Bär die krallen wetzt....!??? Die Deutschen sollten ganz einfach ihre Bürger 1. besser erziehen. Und 2. weniger hohe Abgaben und Steuern verlangen; denn dann gäbe es auch keine Steuerflüchtlinge. Trotz der hohe Steuern ist der deutsche Staat hoch verschuldet. Etwas machen sie also falsch. Und benehmen sich nun wie das hässliche Mädchen, das den Spiegel zerschlägt, in der Meinung der Spiegel sei SCHULD am Aussehen.
  • Paul  Giger , via Facebook
    Kein Wunder, dass das Bundesland Rheinland Westfalen bankrott ist, wenn man einen solchen drohenden Finanzminister hat. Diese Uebung muss schnellstens abgebrochen werden und diese mehr oder weniger bankrotte Bundesländer müssen sehen wie sie zu ihrem anscheinend rechtlichen Geld der CH kommen. Mit solchen Leuten darf und kann man keine fairen Beziehungen haben. Was für ein bedenkliches benehmen dieses Mannes..
    • ROBBIE  SCHMUTZ
      Es gibt kein Bundesland Rheinland Westfalen!!!
      • 13.08.2012
      • als Kommentar auf Paul  Giger
      • 4
      • 1
  • Steven  Reynard
    Wir dürfen hier nicht vergessen dass wir, die Schweiz, der Bösewicht sind. Wenn Deutschland CDs kauft um unsere Loyalität gegeüber dem Abkommen zu prüfen, dann ist das ihr Recht. Sind wir, die schweizer Banken, denn wirklich vertrauenswürdig? Sind wir sauber? Wenn nicht, will ich das auch wissen, auch von einer geklauten CD, wenns sein muss.
    • Steven  Reynard
      Ich entnehme den negativen Wertungen dass kaum ein Schweizer einsieht das wir die Bösen in dieser Steueraffäre sind. Das ist irgendwie einfach traurig und enttäuschend.
      • 12.08.2012
      • als Kommentar auf Steven  Reynard
      • 36
      • 133
    • Meier  Ernst , Erde
      Wird die Waffenlobby dafuer verantwortlich gemacht wenn durch ihre Waffen jemand stirbt? Ein moegliches Unrecht der Banken durch ein neuerliches Unrecht Datenklau, Hehlerei egalisieren wollen ist wie in einem Rechtsstaat das Faustrecht legalisieren wollen....
      • 12.08.2012
      • als Kommentar auf Steven  Reynard
      • 5
      • 3
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