Verkäuferinnen im Detailhandel leiden unter miesen Löhnen, Mobbing und Dauer-Druck Wer sich wehrt, wird abserviert

An der Verkaufsfront im Detailhandel weht ein rauer Wind. Dutzende Angestellte von grossen Schweizer Detailhändlern klagen über schlechte Arbeitsbedingungen.

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Im Detailhandel wird mit harten Bandagen gekämpft. Ausbaden müssen das oft die Angestellten. Das zeigen die Beispiele der Swarovski-Verkäuferinnen Viktoria Harmath (39) und Selina Zheng (23), die trotz guter Zeugnisse verwarnt und dann entlassen wurden (BLICK berichtete). Und das zeigen Dutzende Mails von Betroffenen, die sich auf der Redaktion gemeldet haben. Sie haben eines gemein: Alle arbeiten sie bei grossen Schweizer Detailhändlern. Sie beklagen sich über Mobbing, schlechte Arbeitsbedingungen, tiefe Löhne oder ungerechtfertigte Kündigungen.

Ein bekanntes Problem

Natalie Imboden (46) von der Gewerkschaft Unia erfährt aus erster Hand von den Zuständen an der Verkaufsfront: «Der Detailhandel allgemein ist in Sachen Arbeitsbedingungen und Löhne eine problematische Branche. In der Schmuck- und Modebranche ist die Lage noch prekärer», sagt sie. Dass man vom Arbeitgeber im Verkaufsraum auf Figurprobleme angesprochen wird, wie dies Viktoria Harmath in der Swarovski-Boutique im Jelmoli an der Zürcher Bahnhofstrasse passiert ist («Dein Bauch ist so dick geworden!»), gehe gar nicht. «Das ist ein krasser Eingriff in die Persönlichkeitsrechte.»

Denn: «Äusserlichkeiten sind nicht Gegenstand eines Arbeitsvertrags», sagt die Gewerkschafterin. Die Masche ist immer die gleiche: Viele Läden stellen primär junge Berufseinsteigerinnen ein. «Sie haben keine Erfahrung und sind froh, einen Job zu haben. Und deshalb bereit, zu einem tiefen Lohn zu arbeiten», so Imboden. Es brauche sehr viel, bis sie sich gegen die schlechten Arbeitsbedingungen wehren. «Tun sie das, werden sie entlassen. Und durch neue, junge Angestellte ersetzt.»

Das Geschäft ist knallhart. Entsprechend hoch ist die Fluktuation. Viele Verkäuferinnen würden den Absprung aus der Branche nicht schaffen. «Sie geraten in eine Endlosspirale», sagt Gewerkschafterin Imboden. Betroffenen rät sie, sich zu wehren.

«Sie sollen sich Hilfe bei einer Gewerkschaft holen. Oder den Gang an die Öffentlichkeit wagen. Vor schlechter Presse haben die Label am meisten Respekt», erklärt Imboden.

Publiziert am 08.09.2016 | Aktualisiert am 03.11.2016
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60 Kommentare
  • René  Pfister aus Zürich
    24.09.2016
    Sobald die Preise In der Schweiz eingermassen am Europäischen Preisniveau angepasst sind "und damit meine ich alle = Mieten, KK Prämien, Versicherungs Prämien, einfach alle Preise" dann wird es Besser, erst dann Lohnt es sich wieder in der Schweiz zu Leben und zu Arbeiten.
  • Daniel  Roth 08.09.2016
    Es gibt noch andere Branchen, bei denen das Umfeld nicht mehr stimmt. zB die IT. Stress und Erreichbarkeit ohne Ende. Dazu ist das Lohnniveau regelrecht zusammengekracht, weil es zu viele IT Fachleute auf dem Arbeitsmarkt hat. In gewissen Sparten der IT ist die Gefahr des das Abrutschens in die Sozialhilfe sehr gross geworden. Es gibt IT Leute, die zwischen Sozialamt und Temporärjobs pendeln, weil sie in zwei Jahren nie genügend Tage für den Bezug von ALV hinbringen.
  • Gerry  Studer 08.09.2016
    Das erstaunt doch niemanden mehr. Seit der Durchschnitts-Schweizer immer weniger nachhaltig denkt und nur noch egoistisch handelt, gehts nicht nur im Verkauf abwärts. Geiz ist geil und jeder ist sich selbst der Nächste. Am Wochenende pilgert man ins Ausland zum einkaufen und um unser Land noch mehr zu schwächen. Lidl und Aldi, die gross geworden sind mit dem ausbeuten von Personal, sind nur zwei von vielen Beispielen.
  • Elis  Züst , via Facebook 08.09.2016
    Hauptsache die ach so guten Chefs verdienen jedes Jahr mehr und wir kleine Fische können schauen wo wir bleiben. Unglaublich sowas eine Frechheit desgleichen.
  • Divico  Tigurin aus Neuchâtel-Hua-Hin
    08.09.2016
    "Sie sollen sich Hilfe bei einer Gewerkschaft holen. Oder den Gang an die Öffentlichkeit wagen. Vor schlechter Presse haben die Label am meisten Respekt, erklärt Imboden."
    Das ist wieder einmal ein Rat...Imboden suggeriert zu drohen, was gerade in der Luxus-Labelbranche den Schuss nach hinten losgehen lässt. Die Auslese in dieser Branche ist selektiv, und wer dem Standing nich genügt hat sehr geringe Chancen überhaupt reinzukommen. So funktioniert Luxus/Personal...man darf/kann ihn sich leisten.