Verbrechen lohnt sich doch!

  • Publiziert: 08.09.2007, Aktualisiert: 20.01.2012
  • Von Werner Vontobel

Drogen, Waffen und Prostitution verschlingen immer grössere Teile des Bruttosozialprodukts. Die Gewinne der kriminellen Organisationen belaufen sich mittlerweile auf 1600 Milliarden Dollar.

Im Vergleich dazu ist selbst Nestlé mit seinen weltweit 100 Milliarden Franken Umsatz ein Zwerg: Allein in Deutschland setzte die kriminelle Wirtschaft 2006 rund 438 Milliarden Euro um. Das sind 20 Prozent des Bruttoinlandprodukts, doppelt so viel wie noch vor zehn Jahren. In Frankreich stieg die Quote von 8,9 auf 14,8 Prozent, in Italien gar von 18,2 auf 25,2 Prozent.

Die Schweiz ist vor allem ein Durchgangsland. 2006 wurden hier rund 15 Milliarden Franken gewaschen. 40 Prozent der kriminellen Umsätze weltweit stammen aus Drogen, 20 Prozent aus dem illegalen Waffengeschäft und 10 Prozent aus der Prostitution.

Diese Zahlen hat der Schattenwirtschaftsexperte Professor Friedrich Schneider (58) von der Universität Linz in einer neuen Studie veröffentlicht. Er schätzt den weltweiten Erlös aus kriminellen Geschäften 2006 auf rund 1600 Milliarden Dollar. Das ist fast fünf Mal das Bruttosozialprodukt der Schweiz oder 20 Mal der Jahresgewinn aller Schweizer Firmen.

Doch anders als Novartis oder Nestlé können kriminelle Organisationen ihren Gewinn nicht einfach investieren. Sie müssen das Geld zuerst waschen, das heisst, seine illegale Herkunft kaschieren und die Spuren verwischen. Das ist ein aufwändiger Prozess, der rund ein Drittel des Gewinns, also rund 500 Milliarden Dollar, verschlingt: Man muss Scheinfirmen betreiben, komplexe Finanztransaktionen durchführen und nicht zuletzt muss man Banker und Beamte bestechen.

Dennoch blieb den Verbrecherorganisationen nach Abzug aller Wasch-Kosten 2006 ein Nettoerlös, den Schneider auf 1106 Milliarden Dollar schätzt. Das ist ziemlich genau gleich viel Geld, wie alle US-Firmen 2006 investiert haben. Die kriminellen Organisationen legen ihr Geld mit Vorliebe in Unternehmen an, die wiederum bei der Geldwäsche behilflich sein können, also beispielsweise in Spielbanken, Hotelketten, Supermärkte, Wertpapierhandel, Gaststätten und Ferienresorts. Damit wird auch die legale Wirtschaft zunehmend kriminell unterwandert.

play Lukratives Sexgeschäft: Mit Prostitution machen kriminelle Organisationen weltweit rund 10 Prozent ihrer Umsätze. (stock.xchng)

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