Unternehmenssteuer-Reform III Steuern senken für die Scheichs?

BERN - Die Schweiz will Steuern für Firmen senken. Gewerkschafts-Ökonom Daniel Lampart (48) warnt: Das Geld fliesst direkt in ausländische Taschen.

Aktuell auf Blick.ch

Top 3

1 Bundespräsidentin Doris Leuthard im grossen Interview «Trump kann der...
2 Banker-Legende Oswald Grübel (73) über Trump «Nehmen Sie nichts für...
3 6 Jahre Verspätung! Berliner Flughafen wird 2017 nicht eröffnet

Wirtschaft

Immer informiert - Abonnieren Sie den Blick-Newsletter!
Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein.
Schön, dass wir Ihnen unsere BLICK News des Tages senden dürfen. Möchten Sie zusätzlich den BLICK Sport Newsletter erhalten?
teilen
teilen
0 shares
14 Kommentare
Fehler
Melden

Jahrelang haben Politiker um die Unternehmenssteuerreform III gerungen. Das hochkomplexe Gesetz kommt am 12. Februar vors Volk. Und bereits fliegen die Fetzen. Daniel Lampart (48), Chefökonom des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes (SGB), wettert: «Wenn die Schweiz die Steuern so massiv senkt, wandert das Geld direkt in die Portemonnaies von reichen ausländischen Aktionären.» Sie seien die Hauptprofiteure der Reform, so der SGB.

Unternehmenssteuer-Reform III: Geld fliesst in fremde Taschen play
Der Emir von Katar, Sheikh Hamad bin Khalifa al-Thani. Sein Halbbruder Mohamed bin Saud al-Thani ist Chef des Staatsfonds von Katar. © Fadi Al-Assaad / Reuters

Der Grund: Viele grosse Schweizer Firmen gehören Ausländern. Zum Beispiel der Qatar Holding: Der Staatsfonds von Katar ist unter anderem Grossaktionär bei der Credit Suisse. «Gleichzeitig zeigen Medienberichte, dass die katarische Herrscherfamilie beispielsweise den Islamischen Zentralrat der Schweiz mitfinanziert», sagt Lampart.

Doch warum senkt die Schweiz die Steuern für Unternehmensgewinne überhaupt? Eine Schweizer Steuerpraxis macht dies nötig. Jahrelang konnten die Kantone Multis steuerlich bevorzugen. Im Ausland erzielte Gewinne besteuerten sie nur zu einem Minisatz. Doch das Vorgehen ist heute international geächtet. Die Schweiz muss die Praxis abschaffen, sonst landet sie auf einer schwarzen Liste. 

Die Linken laufen Sturm

Die Lösung der Politiker: Die Steuern in den Kantonen müssen runter – und zwar für alle. So werden alle Firmen gleich behandelt. Und die Multis, die bisher von Sonderkonditionen profitierten, wandern nicht ab. Internationale Organisationen wie EU oder OECD könnten nichts mehr mäkeln.

Doch die Linken laufen Sturm. Die SP ergriff das Referendum. «Vor allem die Kantone Basel-Stadt und Genf haben heute ein Problem. Das lässt sich aber mit massgeschneiderten Lösungen beheben», ist Lampart überzeugt. «Wenn nun aber in Baselland, Solothurn oder Zürich auch die Steuern gesenkt werden, profitieren davon Grossfirmen wie UBS, CS oder Zurich-Versicherung. Das ist unnötig.»

Die Gewerkschaften befürchten Steuerausfälle von über drei Milliarden Franken pro Jahr. «Das Geld wird fehlen. Beispielsweise in der Bildung oder bei der Polizei.» Stattdessen könnten sich Financiers aus der ganzen Welt die Hände reiben – etwa die Scheichs von Katar oder Staatsfonds aus China und Singapur. Ihnen winken höhere Dividenden. 

Über diese Argumentation kann Frank Marty (45) nur den Kopf schütteln. Der Steuerexperte des Verbandes Economiesuisse kontert: «Über Jahre haben die Linken moniert, dass Schweizer Unternehmen anders behandelt werden als international tätige Konzerne mit Sonderstatus. Nun wollen wir alle gleich behandeln. Und es ist auch wieder nicht recht.»

Dass davon auch ausländische Investoren profitieren, stört Marty nicht. «Das muss man einfach akzeptieren. Viel wichtiger ist doch, dass die Arbeitsplätze in der Schweiz bleiben.»

Sicher ist: Die Abstimmung am 12. Februar wird für die Schweiz wichtig. Wenn die Tonlage jetzt schon so steigt, kann man sich auf eine gehässige Kampagne gefasst machen.

Publiziert am 20.11.2016 | Aktualisiert am 30.12.2016
teilen
teilen
0 shares
14 Kommentare
Fehler
Melden

TOP-VIDEOS

14 Kommentare
  • Melissa  Baumann 21.11.2016
    Für uns Normalo’s müssen in gewissen Kantonen Steuern erhöht werden, wegen die Asylbewerber. Egal, wie, warum und wieso, Scheichs haben Millionen wenn nicht Milliarden, nehmen keine Asylbewerber auf aber für die darf man eine Ausnahme machen und Steuern senken; hmmm, richtig, sonst geht es der Schweiz so schlecht, wenn die wegziehen würden, so dass wir dann nicht mehr das reichste Land sein würden, denn IMAGE ist das schlagende Herz der Schweiz!
  • Paul  Meier 21.11.2016
    Solange ich für mein Haus einen fiktiven Eigenmietwert bezahlen muss, werde ich niemals einem fiktiven Zinsabzug auf "überschüssigem" Eigenkapital zustimmen.
  • Domenico  Gravino 21.11.2016
    Die Linke hat auf der ganzen Bandbreite versagt bezüglich Sozialverträglichkeit und Geduld der Bürger, man glaubt wohl alles was von Norden kommt oder von da (EU) aufgezwungen wird sei die Lösung zur Konsolidierung, völlig daneben, das Referendum in Italien dass im Dezember zur Abstimmung kommt wird auch versenkt werden, weder die Schweizer noch andere EU-Bürger lassen je länger je weniger zu, dass die EU das Zepter über Europa übernimmt!
    • Thomas  Huber 21.11.2016
      Was genau hat das mit der Unternehmensteuerreform III und der Tatsache dass die Bürgerlichen gemeinsam mit den Rechtspopulisten einmal mehr in die Taschen der Reichen arbeiten und den Mittelstand alles bezahlen lassen. In diesem Fall sogar noch das ach so verhasste Ausland zu bevorzugen passt ja wunderbar in die Politik der Befürworter...
    • Marco  Weber 21.11.2016
      Herr Gravino was genau hat die USR mit den linken zu tun? Die ganze bevorzugung der Reichen liegt den Bürgerlichen am Herz! Aber wenn Sie meinen die Bürgerlichen schauen immer noch wie es dem "gemeinen" Volk geht glauben Sie wohl auch das Zitronenfalter Zitronen falten!
  • Andreas  Marty aus Einsiedeln
    21.11.2016
    Schon die Unternehmenssteuerreform II war ein Milliarden-Bschiss auf Kosten von uns Büezern. Anstatt diese Extrawürste abzuschaffen, werden neue Steuerschlupflöcher eingeführt und mit der Unternehmenssteuerreform III nochmals mindestens 2.7 Milliarden Franken Steuerausfälle geschaffen. Wir Angestellten werden dies mit höheren Steuern und Gebühren bezahlen müssen. Wenn ich nun lese, dass davon die reichen Saudis profitieren, ärgere ich mich noch mehr.
  • Thomas  Hager aus Luzern
    21.11.2016
    Nur keine Panik, der Schweizer wird wie in der Vergangenheit wieder schön für die Reichen und die Unternehmen abstimmen. Das Prinzip Angst funktioniert bestens, siehe 6 Wochen Ferien, Mindestlohn, bedingungsloses Grundeinkommen, AHV-Erhöhung. Wenn dann das Geld fehlt sind wieder die Ausländer Schuld, Richtig aber nicht die Flüchtlinge sondern die im Bericht erwähnten. Schuld sind wir natürlich selbst aber das wird negiert.