UBS in den USA: Unsaubere Geschäfte auch mit reichen Latinos?

  • Publiziert: 20.07.2009, Aktualisiert: 13.01.2012

MIAMI – UBS-Filialen in den USA haben auch Dollars von vermögenden Brasilianern oder Mexikanern auf Schweizer Konti verschoben – ein gutes Geschäft, das nun zum Problem wird.

Die UBS und die Schweiz haben letzte Woche im Prozess um die unterschlagenen Steuergelder von US-Bürgern zwar eine mehrwöchige Atempause erhalten (Blick.ch berichtete). Doch nun kommt eine Enthüllung zu einem ungünstigen Zeitpunkt: Wie «Le Temps» und die brasilianische Zeitung «O Estado de São Paulo» übereinstimmend berichten, hat die UBS in den USA nicht nur Nordamerikaner, sondern auch reiche Latinos zur Steuerhinterziehung angestiftet. Das stehe in einem internen Papier der Grossbank.

Ab 2003 habe die UBS ihre Filiale in Weekhaven, New Jersey, beauftragt, Kundenbetreuer auf vermögende Lateinamerikaner anzusetzen und ihnen ein Konto in der Schweiz anzudrehen. Dort sollten ihre Pesos und Reales vor der Hand des Fiskus geschützt sein – und die Banker haben für den Abschluss eines solchen Deals einen schönen Bonus kassiert.

120 Milliarden Franken

An einer internen Schulung wurde ein fiktiver Brasilianer mit einem Vermögen von 3,2 Millionen Dollar als Modellkunde angeführt. Die Berater sollten Personen wie ihn mit dem Argument überzeugen, dass er mit einem Konto in der Schweiz eine Dienstleistung erhielte, die so in den USA nicht möglich wäre – dem Bankgeheimnis sei Dank.

Über die UBS International (UBSI) sind so bis zum Jahr 2008 offenbar rund 120 Milliarden Franken auf Konti in die Schweiz geflossen – zum Teil zumindest wohl unversteuert.

Theoretisch hätte es sich dabei um Gelder handeln sollen, die ausschliesslich von in Lateinamerika ansässigen Personen stammten. Dadurch wären die Transaktionen nicht in die Zuständigkeit der US-Steuerbehörde IRS gefallen, die der UBS derzeit sowieso schon arg zusetzt.

Doch die Klagen einiger Klienten, die wegen riskanter Investitionen der UBSI viel Geld verloren haben, zeigten den wunden Punkt der Strategie auf: Einige der Kunden stammen zwar aus Lateinamerika, haben ihren Wohnsitz aber in den USA. Dementsprechend müssten sie ihr Geld auch dort versteuern.

Teil des Deals mit den USA?

Offenbar haben die Angestellten im UBS-Sitz von Weekhaven die Mails und Dokumente, welche die verfänglichen Geschäfte mit Latinos belegen, «nicht systematisch» aufbewahrt. Sprich: Sie wurden in die Schweiz in Sicherheit gebracht, ausserhalb der Reichweite der IRS.

Wie «Le Temps» spekuliert, könnten diese Daten eine Rolle spielen bei einer allfälligen aussergerichtlichen Einigung zwischen der UBS und den USA – und am Schluss somit doch noch in den Händen der IRS landen. Manch ein Latino-Millionär mit Villa in den USA dürfte ob dieser Nachricht ziemlich nervös werden. (hhs)

play Über ihre Filialen in den USA kam die UBS auch an reiche Lateinamerikaner heran. (AP)

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