Staatshilfe, Milliarden-Verluste... …und Banker kassieren weiter Boni

  • Publiziert: 25.01.2009, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Roman Seiler und Guido Schätti

Der Entscheid ist gefallen. Die UBS zahlt trotz eines historisch einmaligen Verlusts im vergangenen Geschäftsjahr Boni in Milliardenhöhe an ihre Mitarbeiter aus.

UBS-Mitarbeiter zittern vor dem Bonusentscheid ihrer Chefs. Sie befürchten, dass sie für das vergangene Krisenjahr keinen Bonus erhalten.

Genau das wäre nach dem Geschmack eines hochrangigen Vertreters der Finanzverwaltung: «Schüttet die UBS mehr als eine Milliarde Franken aus, gibt es einen politischen Aufstand.»

Politisch brisant ist die Boni-Frage, weil der Bund US-Ramschhypotheken der Bank im Wert von 60 Milliarden Franken übernehmen musste. Damals wurde aber der UBS nicht verboten, Boni zu zahlen. Sie wurde nur verpflichtet, ihren Antrag der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (Finma) zur Genehmigung zu unterbreiten.

Jetzt bestätigt Finma-Präsident Eugen Haltiner (60): «Wir haben nach intensiven, wochenlangen Verhandlungen mit den zuständigen Gremien dem Antrag der Bank zugestimmt.» Und: «Global tätige Banken, die ihre Jahresabschlüsse bereits publiziert haben, reduzierten die Bonisummen im Schnitt um 50 bis 60 Prozent. Wir waren härter und verlangten einen höheren Abstrich.»

Die Finma habe auch berücksichtigt, dass die Bank «im Wettbewerb mit anderen Finanzinstituten um Talente steht», sagt Finma-Sprecher Alain Bichsel: «Sichergestellt werden muss, dass qualifizierte Mitarbeiter in profitablen Bereichen die Bank nicht verlassen.»

UBS-Sprecherin Eveline Müller sagt: «Die Gesamtentschädigung wird für alle deutlich geringer ausfallen.» Alles andere wäre ein Skandal: Für 2007 gab die UBS trotz eines Verlustes zehn Milliarden für Boni aus.

2008 soll sich das Minus auf über 17 Milliarden belaufen. Daher verlangt Aktionärsschützer Dominique Biedermann von der Stiftung Ethos: «Wann soll die UBS keine variablen Lohnbestandteile auszahlen, wenn nicht jetzt? Wenn gezahlt wird, kann man nicht mehr von variablen Lohnbestandteilen reden.»

Es wird der Fall sein. Auch wenn es weniger als drei Milliarden Franken sein dürften, schätzt SonntagsBlick. Eveline Müller sagt: «Die Auszahlung eines kleinen variablen Lohnanteils haben sich viele Mitarbeiter hart verdient, denn 2008 war ein sehr anstrengendes Jahr.»

Laut Bankeninsidern erhielten in erster Linie Mitarbeiter unterhalb der Direktionsstufe Boni. Je höher der Rang, desto tiefer sei der va-riable Anteil. Konzernleitungsmitglieder erhalten gar nichts.

Zweiter Vize für die UBS

Sergio Marchionne (56) kommt nicht aus den Schlagzeilen heraus: Erst kam heraus, dass der Fiat-Chef über eine 35-Prozent-Beteiligung am US-Autohersteller Chrysler verhandelt. Kurz darauf flammten erneut Gerüchte über eine italienisch-französische Allianz mit Peugeot Citroën auf.

Klar ist: Angesichts des dramatischen Absatzeinbruchs der Autoindustrie ist Marchionne rund um die Uhr beschäftigt. Da geht beinahe vergessen, dass der Italo-Kanadier noch einen anderen Krisenjob hat: Er ist Vizepräsident der UBS. Deshalb fordert Aktionärsschützer Dominique Biedermann (50): «Auch angesichts der Auseinandersetzungen der UBS mit den USA braucht es dringend einen zweiten Vizepräsidenten, der im Notfall Präsident Peter Kurer ersetzen kann.»

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