Steuerdeal mit den USA bis Ende Jahr Uncle Sam macht die hohle Hand

WASHINGTON - Die USA rasseln im Steuerstreit mit dem Säbel und legen Forderungen auf den Tisch.

  • Publiziert: 04.11.2011, Aktualisiert: 13.01.2012
  • von Thomas Ungricht
Die UBS muss in den USA eine Busse von 12 Millionen Dollar zahlen. play Kauft sich die Schweiz frei? Im Raum stehen 10 Milliarden Dollar. (sda)

Aufregung heute Morgen im Finanzministerium in Bern. Die Nachrichtenagentur Reuters meldet, dass die Schweiz kurz vor einem Steuerdeal mit den USA stehe. Die Schweiz hätte den Amerikanern  ein

10 Milliarden Dollar als Ablasszahlung


Abkommen mit einer Ablasszahlung von bis zu 10 Milliarden Dollar (8,8 Mrd. Franken) offeriert. Mit diesem Abkommen, so Reuters, wäre der Steuerstreit ein für allemal geklärt. Der Vorschlag soll in einer Globallösung alle Banken abdecken, um den Finanzplatz vor weiteren Klagen zu schützen.

10 Milliarden für den Frieden mit den USA? Das zuständige Departement bestreitet diese Zahl heftig: «Es besteht keine solche Offerte der Schweiz», sagt Mario Tuor, Sprecher des Staatssekretariats für internationale Finanzfragen zu Blick am Abend. Die Offerte wird von verschiedenen Experten als massiv übertrieben eingeschätzt. Dies sei Wunschdenken der Amerikaner.

Banken müssen zahlen


Fest steht: Wie hoch der Betrag auch ausfallen mag, bezahlt wird er von den Schweizer Banken. Zur Erinnerung: Die UBS bezahlte eine Entschädigung über 780 Mio. Dollar wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung.

Die Verhandlungen mit den Amerikanern sind in eine heisse Phase eingetreten. Für die Schweiz verhandelt Staatssekretär Michael Ambühl in Washington mit den zuständigen Behörden. Seine Amtschefin, Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf, sagt heute in einem Interview mit der «Bilanz»: «Ich gehe davon aus, dass wir bis Ende Jahr eine Lösung finden.»

11 Banken im Visier


Sie bestätigt indirekt, dass sie eine Globallösung für alle Banken anstrebt. Derzeit haben die US-Behörden 11 Schweizer Banken im Visier, die US-Bürgern geholfen hätten, Steuern zu hinterziehen. Darunter auch die Credit Suisse. Laut Medienberichten sollen noch weitere Banken dazu kommen. Die Finanzministerin erwartet darum: «Ein Ergebnis, das sowohl die Frage der Altlasten als auch künftige Amtshilfeverfahren regelt und sich auf das heute geltende Recht, das Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) mit den Vereinigten Staaten, stützt.»

Interview mit Martin Naville, Chef schweizerisch-amerikanischer Handelskammer

blick.ch: 10 Milliarden Dollar Ablasszahlung – wie realistisch ist diese Summe?
Martin Navill: Diese Zahl entbehrt jeder Logik. Sie ist mindestens zehnmal zu hoch. Der
Artikel tischt zudem keine neuen Fakten auf.

Es wird vermutet, dass die Journalistin für diese Geschichte von den Amerikanern
instrumentalisiert wurde. Typisch für die Amerikaner?

Ja. Das ist eine Methode, die die Amerikaner gerne anwenden, um den Druck zu erhöhen. Das taten sie schon im Fall UBS. Damals regelmässig über die «New York Times».

Also alles reine Stimmungsmache?
Es macht ganz den Eindruck. Einige Fakten im Artikel sind eindeutig falsch. Wenn Amerikaner klagen, dann fodern sie gerne mal 200 Millionen, um am Ende 200 000 zu erhalten.

Im Artikel ist die Rede davon, mit der Zahlung keine Kundendaten liefern zu müssen.
Realistisch?

Nein. Den Amerikanern geht es nur in zweiter
Linie um Geld. Sie wollen die Daten ihrer Steuersünder. Das war schon im Fall UBS so

Top 3

1 156-Mio-Busse! Weil BMW die Schweizer Kunden benachteiligtebullet
2 Grösser, besser, billiger? Rabatt-Schlacht im TV-Geschäftbullet
3 Wegelin-Fall US-Richter nimmt Raiffeisen ins Visierbullet

Wirtschaft