CS zieht harte Linie gegen Lehman-Opfer durch Über 2000 verlieren alles

  • Publiziert: 13.12.2008, Aktualisiert: 20.01.2012
  • Von Daniel Meier
play Böse Überraschung Die CS versprach 100% Kapitalschutz – jetzt sind die Papiere wertlos. (Illustration: Igor Kravarik)

Tausende CS-Kunden haben mit Lehman-Ramsch Geld verloren. Nur wenige werden von der Bank entschädigt.

Am 24. September gab die Credit Suisse endlich nach. Und willigte ein, die Verluste ihrer Kunden zu ersetzen – wenigstens zum Teil.Seither sind zweieinhalb Monate vergangen. Wie viele der Betroffenen haben ihr Geld bekommen?Nur eine kleine Minderheit. Insgesamt haben über 4000 CS-Kunden wegen der Pleite der US-Bank Lehman Brothers ihr Erspartes verloren. Die CS bestätigt die Zahl nicht, bestreitet sie aber auch nicht. Zu den Entschädigungen nennt sie nach wie vor keine Fakten. Ein Insider zu BLICK: «Deutlich weniger als die Hälfte der Betroffenen bekommt etwas von der CS.»Das heisst: Weit über 2000 Kleinanleger gehen leer aus!Viele haben auf Anraten ihres CS-Beraters grosse Teile des Vermögens in sogenannte strukturierte Anlage-Produkte von Lehman gesteckt. Sie haben sich überzeugen lassen, weil ihnen die CS einen 100-prozentigen Kapitalschutz versprach. Doch seit Lehman bankrott ist, sind die Papiere wertlos.Wer bis heute nichts von der CS gehört hat, bekommt wohl nichts. Die Bank verschickt in diesen Tagen die Absage-Briefe. Jene Opfer, die entschädigt werden, seien direkt kontaktiert worden, sagt CS-Sprecher Jan Vonder Mühll: «Wir haben ihnen eine kulante Lösung unterbreitet. Bislang hat die grosse Mehrheit unser Angebot angenommen.» Die Regeln der Bank lauten: Geld kriegt nur, wer weniger als 500 000 Franken bei der CS hat und wer mindestens die Hälfte seiner Guthaben in Lehman investierte.Allein im September haben sich auf der Redaktion 55 CS-Kunden gemeldet, die mit Lehman-Ramsch Geld verloren haben. Nun hat BLICK einige von ihnen erneut kontaktiert. Die Bilanz ist mager.Vor allem wegen dem zweiten Kriterium fallen ganz viele durch die Maschen des Auffangnetzes. So Kleinanlegerin P. B.*, die gut 120 000 Franken auf dem CS-Konto hatte. Sie steckte 34 000 Franken in Lehman-Papiere – und weil das «nur» 28 Prozent ihres Vermögens sind, geht sie leer aus. «Das ist doch ungerecht», schimpft P. B. «Meine ersparten 34 000 Franken sind weg – das tut weh.»Auch R. G.* wird im Regen stehen gelassen. 50 000 Franken sind futsch. «Ich bin von der CS masslos enttäuscht.» Paradox: Hätte er ein bisschen mehr in Lehman-Papiere investiert, würde er jetzt etwas bekommen – weil er dann die 50-Prozent-Regel der CS erfüllen würde. Bei J. R.* gehen sogar fast 300 000 Franken bachab. Sein Problem: Er hat der CS über 500 000 Franken anvertraut. Ärgerlich: Hätte er sein Vermögen auf mehrere Banken verteilt, wäre sein Kontostand bei der CS unter der Limite geblieben – und der Schaden wäre teilweise gedeckt. J. R. will das nicht verstehen. «Die CS zahlt Entschädigungen – das zeigt doch, dass etwas schiefgelaufen ist! Aber dann muss man alle entschädigen.»Kommt hinzu: Auch jene, die positiven Bescheid bekommen, verlieren viel Geld. Wie etwa J. L.*, der Lehman-Titel für 90 000 Franken hatte. Nun zahlt ihm die CS 60 Prozent davon zurück, also 54 000. Damit sind 36 000 Franken weg. «Für mich ist das immer noch ein riesiger Verlust», sagt J. L.Andere CS-Kunden haben zwar ein Angebot bekommen, sind damit aber derart unzufrieden, dass sie ablehnten. Sie kämpfen weiter.Auch bei den beiden Opfer-Verbänden ärgert man sich. Die Anleger-Selbsthilfe www.anleger-selbsthilfe.ch plant sogar eine Demo, am 24. Dezember vor dem CS-Hauptsitz am Paradeplatz.«Die CS geht willkürlich vor», kritisiert René Zeyer. Seine «Schutzgemeinschaft der Lehman-Anlageopfer» www.anlage-opfer.ch vertritt über 500 Betroffene, doch weiss er nur von 3 Einigungen: «Da hat die CS 90 oder 100 Prozent Schadensausgleich angeboten, das wurde akzeptiert.»Laut Zeyer sind das Ausnahmefälle. Ansonsten gelte aber: «Zu wenigen Leuten wird zu wenig Geld angeboten.»* Namen der Redaktion bekannt

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