UBS prüfte Fusion

  • Publiziert: 17.10.2008, Aktualisiert: 03.01.2012

ZÜRICH – Drei Szenarien hatte die UBS in Betracht gezogen, um sich aus dem Finanz-Schlamassel zu befreien. Neben der Betteltour in Bern, wurde auch ein Zusammenschluss diskutiert.

Die «Heirat» mit einem Konkurrenten sei aber verworfen worden, sagte Verwaltungsratspräsident Peter Kurer in einem Interview mit der «Neuen Zürcher Zeitung».

«Wir hatten drei Szenarien geprüft: Szenario 1 lautete: Nichts machen und die Sache aussitzen, dieses Risiko wollten wir vor allem unseren Kunden nicht zumuten», sagte Kurer. Szenario 2 sei das, was die UBS jetzt gemacht habe.

«Und Szenario 3 bedeutete, einen Zusammenschluss zu suchen. Dies wäre rein ordnungspolitisch betrachtet wohl richtig gewesen, aber in der heutigen Situation halten wir das Risiko, dass man so etwas gar nicht richtig durchziehen kann, für zu gross, als dass ein vernünftiger Verwaltungsrat es verantworten kann. Davor hatten wir grossen Respekt», sagte Kurer.

«Das Problem war nicht, dass es schlecht um die UBS stand. Das Problem war, dass wir in den Turbulenzen der letzten Wochen befürchten mussten, gewisse Entwicklungen könnten in Zukunft die Sicherheit der Bank bedrohen», sagte Kurer der «NZZ».

Kreditmärkte immer schlechter

In der Folge des Kollapses der US-Investmentbank Lehman seien zwei Sachen passiert, sagte der UBS-Präsident in einem Interview mit dem «Tages-Anzeiger»: Erstens habe sich die Situation auf den Finanz- und vor allem auf den Kreditmärkten verschlechtert.

Zweitens hätten viele ausländische Regierungen eingegriffen, teilweise mit weitreichenden Garantien für Kundengelder und sogar Interbankenschulden. «Das hat zu einer Verzerrung geführt, die wir zunehmend als eine potenzielle Bedrohung angesehen haben», sagte Kurer.

«In dieser Situation befürchteten wir, dass wir an den Rand gedrängt werden könnten. Deshalb führten wir mit den Behörden Gespräche mit dem Ziel, das Gesamtsystem stabilisieren zu können», so Kurer.

Privatkapital schwierig aufzutreiben

Für den Hilferuf nach Bern seien zwei Dinge wesentlich: «Erstens haben wir schon zweimal den Kapitalmarkt bemüht, um eine Kapitalerhöhung zu machen», sagte Kurer. Ein drittes Mal wäre dies schwierig geworden.

«Zweitens wollten wir jetzt die Sache rasch abschliessen. Ich glaube, dass wir durchaus auch Kapital auf dem Privatmarkt erhalten könnten, aber wir hätten mehr Zeit dafür gebraucht», sagte Kurer. (SDA)

play Ein Fusion wäre kein vernünftiger Entscheid gewesen., sagt Peter Kurer. (Keystone)

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