UBS: Neue Boni-Milliarde entdeckt

  • Aktualisiert am 19.01.2012
  • Von Werner Vontobel und Roman Seiler

Die UBS hat 2006 und 2007 ihren Kadern gut 1,3 Milliarden Franken mehr Boni ausbezahlt, als damals offiziell bekannt gegeben wurde.

Die UBS hat diese Woche ihre Jahresrechnung bereinigt. Unter dem Strich fällt der Verlust für 2008 um 405 Millionen Franken höher aus als ursprünglich gemeldet. Zudem wurde der Gewinn von 2006 um 730 Millionen nach unten und der Verlust von 2007 um 863 Millionen Franken nach oben korrigiert.

Diese Summen kommen im Wesentlichen dadurch zustande, dass die UBS ihre Salärkosten um 516 beziehungsweise 797 Millionen Franken zu tief ausgewiesen hatte. Damals war es noch erlaubt, gesperrte Lohnbestandteile erst bei der Auszahlung als Aufwand zu verbuchen und die entsprechenden Lohnguthaben der Mitarbeiter buchhalterisch zu vernachlässigen.

Diese Praxis war damals allgemein üblich. Sie war ein probates Mittel, um die Gewinne und die davon abhängigen Boni zu erhöhen. 2008 wurde die Rechnungslegung geändert – mit dem willkommenen Nebeneffekt, dass die «vergessenen» Boni nicht nachträglich dem scharf beobachteten aktuellen Verlustausweis belastet werden mussten. Stattdessen korrigierte man heimlich die Rechnungen von 2006 und 2007. Nicht korrigiert wurden aber die Bonuszahlungen von 2006 und 2007, die – wie man jetzt weiss – auf falschen Gewinnausweisen beruhten.

Stattdessen erfand man neue Regeln, um die laufende Rechnung zu verbessern. Dazu nur zwei Beispiele aus der revidierten Rechnung: Durch eine Umbuchung von faulen US-Papieren in weniger faule konnte der Verlust von 2008 um 3,6 Milliarden Franken gesenkt werden; und die «Entdeckung» von potenziellen Guthaben gegenüber der eigenen Pensionskasse brachte weitere 1,6 Milliarden Franken.

Professor Martin Janssen (60) von der Swiss Banking School meint dazu: «Die neuen Zahlen aus der UBS sind verwirrend. Sie tragen nicht zu einer besseren Beurteilung des früheren Managements bei. Man kann nur hoffen, dass die Buchhaltung unter dem neuen Management für den Steuerzahler auch in Sachen Entschädigungen transparenter und zuverlässiger wird.»

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