Airline Hello pleite Tausende Passagiere betroffen – FC Basel verliert Flugi

BASEL - Die Schweizer Charterflug-gesellschaft Hello ist pleite. Vom Aus der Airline von Ex-Crossair-Chef Moritz Suter sind Tausende Reisewillige betroffen. 140 Mitarbeiter verlieren ihre Stelle – und der FC Basel «sein» Flugzeug.

  • Publiziert: 22.10.2012
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Keystone play

Hello war der offizielle Carrier des FC Basel. Dieses wie auch die anderen drei Hello-Maschinen bleiben nun am Boden.

Die Schweizer Charterfluggesellschaft Hello vom früheren Crossair-Chef Moritz Suter hat Insolvenz angemeldet. Der Flugbetrieb ab Basel und Zürich werde per sofort eingestellt, teilte Hello gestern Abend mit. Betroffen sind rund 140 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Für einen Sozialplan sei gesorgt.

Für das Grounding verantwortlich sind, wie Hello mitteilte, weggefallene Grossaufträge, der Konkurrenzdruck und hohe Treibstoffkosten. So habe der hohe Frankenkurs zur Kündigung eines Vertrages mit TUI Deutschland geführt und zwei französische Grosskunden seien zahlungsunfähig.

FC Basel ohne Flugi – nun mit «Hamburg Airways»

Von der Pleite betroffen ist unter anderem auch der FC Basel. Hello war ein Premium Partner. Frei, Streller und Co. flogen oft mit der Charter-Gesellschaft an Auswärtsspiele. Das Logo des Fussballclubs zierte gar die Hello-Flotte.

Am Mittwoch hätte Hello den FCB ans Europa-Legue-Spiel nach Ungarn fliegen sollen. Und jetzt? «In erster Linie gehört das Mitgefühl des FC Basel 1893 allen Mitarbeitenden, für die diese schlechte Neuigkeit ein Schock sein muss. Wir wir am Mittwoch nach Ungarn kommen, ist deshalb eine zweitrangige Frage. Wir werden ganz sicher eine Lösung finden», sagt Sprecher Josef Zindel am Montagmorgen.

Mittlerweile hat der FCB diese gefunden. Mit dem Hin- und Rückflug sind nun die «Hamburg Airways», mit denen der FCB schon bei früheren Gelegenheiten gereist ist, beauftragt worden, teilt der Klub mit.

Tausende Reisewillige betroffen

Wie viele Passagiere genau gestrandet sind, ist noch offen. Bei Hotelplan Suisse sind insgesamt rund 2500 Kunden von der Pleite betroffen. Der Reisekonzern will die auf Hello gebuchten Passagiere auf andere Fluggesellschaften umbuchen. Allfällige Zusatzkosten für die Passagiere würden übernommen.

Vom Reiseunternehmen Kuoni sind entgegen ersten Angaben am Montag in Anatalya rund 20 Kundinnen und Kunden gestrandet. Für die Betroffenen konnte ein Ersatzflug organisiert werden, wie ein Mediensprecher erklärte. In der laufenden Woche sind insgesamt rund 100 Kuoni/Helvetic-Tours-Kunden betroffen. Für diese werden Ersatzlösungen geprüft.

Mit einer Ersatzmaschine statt in einem Flugzeug der gegroundeten Hello sind heute Kundinnen und Kunden des Reisekonzerns TUI Suisse in die Ferien nach Antalya geflogen. Für die nächsten Tage werde nach Lösungen gesucht. Lediglich 100 Gäste von TUI Suisse und fünf Destinationen seien bis Saisonende von der Stilllegung betroffen, erklärte TUI-Suisse-Sprecher Roland Schmid auf Anfrage. Gestrandet seien keine ihrer Kunden.

Konkurrenz zu gross, Bilanzen gefälscht

Gründe für die Pleite seien weggefallene Grossaufträge, der immer härter werdende Konkurrenzdruck im Tourismusgeschäft, hohe Treibstoffkosten, der hohe Frankenkurs, der zur Kündigung eines Vertrages mit TUI-Deutschland geführt habe und die Zahlungsunfähigkeit zweier französischer Grosskunden.

Laut Angaben von Hello legte der ehemalige Finanzchef gefälschte Geschäftszahlen vor. Geschäftsleitung und Verwaltungsrat seien deshalb überzeugt gewesen, dass Hello über genügend Liquidität verfüge. Der Finanzchef war Ende September entlassen worden. Alle Versuche, die Fluggesellschaft kurzfristig neu zu kapitalisieren, seien gescheitert.

Zweites Grounding für Suter

Für Moritz Suter (69) ist es bereits das zweite Grounding, war er doch im Herbst 2001 in den Fall der Swissair verwickelt: als Crossair-Gründer und -Präsident sowie als Kurzzeit CEO der Swissair.

2004 hob der Basler erneut ab – wieder ab Basel, dieses Mal ganz im Charter- und Wet-Lease-Geschäft (Vermietung von ganzen Flugzeugen samt Personal). Im besten Jahr flog die Hello mit sechs MD-90-Flugzeugen. 2007 lag der Umsatz bei 100 Mio. Franken.

Neben Touristen transportierte Hello auch immer wieder abgewiesene Asylbewerber in ihre Heimat zurück.

Auch Familie Blocher verliert Millionen

2010 war ein katastrophales Jahr: Die Hello musste rekapitalisiert werden. Dem Aktionariat der Hello gehören prominente Wirtschaftsgrössen an – so Franke-Besitzer Michael Pieper (66), Medtech-Unternehmer Hugo Mathys (57), Ex-Bankchef Peter E. Merian (61) und in irgendeiner Form die Familie von Christoph Blocher (72). Sie alle haben mit Hello mindestens die 22,1 Millionen Franken Aktienkapital verloren.

Wer könnte von der Pleite profitieren? Etwa die Skywork von Rolex-Erbe Daniel Borer (46). Skywork-CEO Tomislav Lang: «Wir sind grundsätzlich an allen Destinationen von Hello inte­ressiert. Unsere Homebase bleibt Bern. Aber für ein Engagement auf anderen Flughäfen sind wir offen.»

Hello betrieb zuletzt eine Flotte von vier Flugzeugen des Typs Airbus A320. Sämtliche Flugzeuge und Besatzungsmitglieder sind laut Hello derzeit in der Schweiz. Ein «unkontrollierter Betriebsabbruch» habe vermieden werden können. (SDA/snx/ent/sac/bao)

Beliebteste Kommentare

  • Fred  Bartlome
    Der Herr Alleskoenner, Besserwisser und Ospelkumpan Suter hat einmal mehr sein wahres "Koennen"unter Beweis gestellt. Die Angestellten tun mir aufrecht leid!
  • Alfred  Neumann
    Sehr schade, war eine kleine und sympatische Fluggesellschaft. Aber das Airline- Bussines ist leider gnadenlos hart! Den Betroffen viel Glück bei ihrer Jobsuche. Goodbye Hello...

Alle Kommentare (53)

  • Barb  Hauenstein , bülach
    schon wieder???? ein déjà vue für mich. es war nun lange ruhig in der reisebranche - aber ich erinnere mich ein paar dekaden jahre zurück - da brodelte es immer wieder. hab es am eigenen leib erlebt. ob das wohl mit der branche zu tun hat? alles selbsternannte stehaufmännchen die immer wieder auf die nase fallen und die kunden, mitarbeiter und zulieferer mit dem sog hinunterziehen.
    • 22.10.2012
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    • 3
  • Peter  Schütz , La Tour-de-Peilz
    An die Adresse der negativen Kommentar Verfasser ins Erinnerungsbuch geschrieben. Moritz Suter gründete 1977 die Crossair. Dies war die Initialzündung der zukünftigen Low-cost-Airlines Gesellschaften. Erst 7 Jahre später startete Ryan-Air und ab 1995, also erst 18 Jahre nach der Crossair Gründung, kam easy-Jet. Heute fliegen wir zu Billigpreisen in alle Welt. Für die Verwirklichung der Idee des kostengünstigen Fliegens, gebührt Herrn Moritz Suter Anerkennung.
  • Peter  Maffay , Thurgau
    Schade hello war meine lieblingsairline vorallem zwischen 2008-2009 danach nicht mehr anderes Personal usw.
  • Markus  Koch , Rupperswil , via Facebook
    Cool, jetzt kommt dann sicher "Grounding 2" in die Kinos. Und zeigt schonungslos die unfähigen Machenschaften des Moritz Suter auf!
  • Anna  Gwerder
    Und was viele vergessen: Suters Crossair wurde in den 90er Jahren von der damaligen Swissair übernommen und gerettet. Sonst wäre er schon damals mit seiner so tollen Airline abgestürzt. Danach hat er sich bei der Swissair als Besserwisser aufgespielt. Als er merkte, dass es dort eher schwierig und er zur Verantwortung gezogen werden könnte, hat er sich verabschiedet. Das Ergebnis kennen wir ja. Aber es sind ja immer andere schuld.
    • Yves  Ebneter , Winterthur
      1. Die dunkel roten Zahlen der Swissair haben absolut nichts mit Moritz Sutter zu tun.
      2. Das Sutter die Swissair nach kurzer Zeit wieder verlassen hat ist absolut menschlich. Die Gesellschaft verurteilt relativ schnell ohne zu denken. Das er am Schluss als Esel hinstehen soll für ein Swissair Debakel, wofür er nichts konnte, ist absolut verständlich!!!
      4. Mit einer Staatsgarantie gäbe es die Swissair noch heute. Zudem hat man sehr viele Steuergelder absolut unnötig in den Sand gesetzt für absolut nichts.
      5. Die Swissair wäre zu retten gewsen wenn CH Regierung mehr Füdli hätte und mehr Nationalstolz!!!
      6. Am Schluss hat CH Regierung trotzdem 4 Milliarden verbraten.
      Fazit: Wenn Wirtschaftselite und Politik versagen ist alles verloren.
      • 22.10.2012
      • als Kommentar auf Anna  Gwerder
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