BASEL - Die Schweizer Charterflug-gesellschaft Hello ist pleite. Vom Aus der Airline von Ex-Crossair-Chef Moritz Suter sind Tausende Reisewillige betroffen. 140 Mitarbeiter verlieren ihre Stelle – und der FC Basel «sein» Flugzeug.
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Hello war der offizielle Carrier des FC Basel. Dieses wie auch die anderen drei Hello-Maschinen bleiben nun am Boden.
Die Schweizer Charterfluggesellschaft Hello vom früheren Crossair-Chef Moritz Suter hat Insolvenz angemeldet. Der Flugbetrieb ab Basel und Zürich werde per sofort eingestellt, teilte Hello gestern Abend mit. Betroffen sind rund 140 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Für einen Sozialplan sei gesorgt.
Für das Grounding verantwortlich sind, wie Hello mitteilte, weggefallene Grossaufträge, der Konkurrenzdruck und hohe Treibstoffkosten. So habe der hohe Frankenkurs zur Kündigung eines Vertrages mit TUI Deutschland geführt und zwei französische Grosskunden seien zahlungsunfähig.
Von der Pleite betroffen ist unter anderem auch der FC Basel. Hello war ein Premium Partner. Frei, Streller und Co. flogen oft mit der Charter-Gesellschaft an Auswärtsspiele. Das Logo des Fussballclubs zierte gar die Hello-Flotte.
Am Mittwoch hätte Hello den FCB ans Europa-Legue-Spiel nach Ungarn fliegen sollen. Und jetzt? «In erster Linie gehört das Mitgefühl des FC Basel 1893 allen Mitarbeitenden, für die diese schlechte Neuigkeit ein Schock sein muss. Wir wir am Mittwoch nach Ungarn kommen, ist deshalb eine zweitrangige Frage. Wir werden ganz sicher eine Lösung finden», sagt Sprecher Josef Zindel am Montagmorgen.
Mittlerweile hat der FCB diese gefunden. Mit dem Hin- und Rückflug sind nun die «Hamburg Airways», mit denen der FCB schon bei früheren Gelegenheiten gereist ist, beauftragt worden, teilt der Klub mit.
Wie viele Passagiere genau gestrandet sind, ist noch offen. Bei Hotelplan Suisse sind insgesamt rund 2500 Kunden von der Pleite betroffen. Der Reisekonzern will die auf Hello gebuchten Passagiere auf andere Fluggesellschaften umbuchen. Allfällige Zusatzkosten für die Passagiere würden übernommen.
Vom Reiseunternehmen Kuoni sind entgegen ersten Angaben am Montag in Anatalya rund 20 Kundinnen und Kunden gestrandet. Für die Betroffenen konnte ein Ersatzflug organisiert werden, wie ein Mediensprecher erklärte. In der laufenden Woche sind insgesamt rund 100 Kuoni/Helvetic-Tours-Kunden betroffen. Für diese werden Ersatzlösungen geprüft.
Mit einer Ersatzmaschine statt in einem Flugzeug der gegroundeten Hello sind heute Kundinnen und Kunden des Reisekonzerns TUI Suisse in die Ferien nach Antalya geflogen. Für die nächsten Tage werde nach Lösungen gesucht. Lediglich 100 Gäste von TUI Suisse und fünf Destinationen seien bis Saisonende von der Stilllegung betroffen, erklärte TUI-Suisse-Sprecher Roland Schmid auf Anfrage. Gestrandet seien keine ihrer Kunden.
Gründe für die Pleite seien weggefallene Grossaufträge, der immer härter werdende Konkurrenzdruck im Tourismusgeschäft, hohe Treibstoffkosten, der hohe Frankenkurs, der zur Kündigung eines Vertrages mit TUI-Deutschland geführt habe und die Zahlungsunfähigkeit zweier französischer Grosskunden.
Laut Angaben von Hello legte der ehemalige Finanzchef gefälschte Geschäftszahlen vor. Geschäftsleitung und Verwaltungsrat seien deshalb überzeugt gewesen, dass Hello über genügend Liquidität verfüge. Der Finanzchef war Ende September entlassen worden. Alle Versuche, die Fluggesellschaft kurzfristig neu zu kapitalisieren, seien gescheitert.
Für Moritz Suter (69) ist es bereits das zweite Grounding, war er doch im Herbst 2001 in den Fall der Swissair verwickelt: als Crossair-Gründer und -Präsident sowie als Kurzzeit CEO der Swissair.
2004 hob der Basler erneut ab – wieder ab Basel, dieses Mal ganz im Charter- und Wet-Lease-Geschäft (Vermietung von ganzen Flugzeugen samt Personal). Im besten Jahr flog die Hello mit sechs MD-90-Flugzeugen. 2007 lag der Umsatz bei 100 Mio. Franken.
Neben Touristen transportierte Hello auch immer wieder abgewiesene Asylbewerber in ihre Heimat zurück.
2010 war ein katastrophales Jahr: Die Hello musste rekapitalisiert werden. Dem Aktionariat der Hello gehören prominente Wirtschaftsgrössen an – so Franke-Besitzer Michael Pieper (66), Medtech-Unternehmer Hugo Mathys (57), Ex-Bankchef Peter E. Merian (61) und in irgendeiner Form die Familie von Christoph Blocher (72). Sie alle haben mit Hello mindestens die 22,1 Millionen Franken Aktienkapital verloren.
Wer könnte von der Pleite profitieren? Etwa die Skywork von Rolex-Erbe Daniel Borer (46). Skywork-CEO Tomislav Lang: «Wir sind grundsätzlich an allen Destinationen von Hello interessiert. Unsere Homebase bleibt Bern. Aber für ein Engagement auf anderen Flughäfen sind wir offen.»
Hello betrieb zuletzt eine Flotte von vier Flugzeugen des Typs Airbus A320. Sämtliche Flugzeuge und Besatzungsmitglieder sind laut Hello derzeit in der Schweiz. Ein «unkontrollierter Betriebsabbruch» habe vermieden werden können. (SDA/snx/ent/sac/bao)
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