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Freudensprünge machte gestern in den Wandelhallen im Bundeshaus keiner ob der Aussicht, dass alt FDP-Bundesrat Kaspar Villiger neuer UBS-Präsident werden soll. Noch halbwegs positiv sieht es FDP-Ständerat Dick Marty: «Die Wahl Villigers ist nicht so schlecht. Er kennt die internationale Szene, die grossen Konzerne, er ist nicht in Banken vorbelastet.»
Doch die kritischen Stimmen überwiegen. «Villiger steht für das alte System», sagt SVP-Nationalrat Thomas Hurter. «Die UBS holt den ehemaligen Zahlmeister des Bundes, damit sie nochmals um Bundesgeld anklopfen kann», befürchtet Parteikollege Alfred Heer.
SP-Nationalrätin Hilde Fässler, Präsidentin der Wirtschaftskommission, sagt: «Ich hoffte, das ganze System werde hinterfragt und neu aufgegleist. Villiger aber ist eher der Garant dafür, dass es wieder wird wie vorher.» So sieht es auch der Grüne Daniel Vischer: «Villiger bedeutet Ancien Régime.»
Das ist der entscheidende Punkt. FDP-Mann Villiger gehört für viele zum Finanzplatz-Filz, der die UBS an den Rand des Abgrunds oder, wer weiss, darüber hinaus führte: Er ist aus dem inneren Zirkel der vorwiegend freisinnigen Wirtschaftsexponenten, die seit Jahrzehnten die Verwaltungsräte von Schweizer Grossunternehmen bevölkern und auch das UBS-Desaster mitzuverantworten haben. Die Monsterbank mit Millionen-Boni für Topmanager.
«Es braucht an der Wahlversammlung der UBS eine echte Auswahl, auch im Interesse der Aktionärsdemokratie», fordert SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli (ZH). Für ihn ist klar: «Christoph Blocher sollte gegen Villiger antreten.»
Mörgeli steht in seiner Partei nicht allein. Auch Bruno Zuppiger meint: «Jetzt bräuchte es einen Mann mit neuen Ideen. Blocher hat ein Alternativkonzept für die UBS auf den Tisch gelegt.» Für SVP-Chef Toni Brunner hat Villiger noch nie gutes Krisenmanagement bewiesen. «Blocher könnte in dem Filz durchgreifen.» SVP-Unternehmer Jean-François Rime sagt: «Für mich wäre Blocher klar die bessere Wahl.»
Mörgeli wirft Villiger vor, er habe diverse Desaster angerichtet: die Armee 95, die Solidaritätsstiftung, das Zinsbesteuerungsabkommen, er habe in seiner Amtszeit als Bundesrat 50 Milliarden Schulden angehäuft. «Blocher dagegen versteht volkswirtschaftliche Zusammenhänge, hat erfolgreich ein Unternehmen geführt, er kennt das Land.» Und Blocher habe ein untrügliches Bauchgefühl, falle nicht auf modische Trends herein, wie die Internet-Blase. «Er könnte die Reduktion auf eine volkswirtschaftlich verantwortbare Grösse durchführen und wenn nötig auch den geordneten Rückzug aus den USA.»
Nimmt Blocher die Herausforderung an? Trotz unsicherer Wahlchancen? Gestern war er nicht erreichbar. Aber sein Intimus Mörgeli wird den Vorschlag kaum ohne Rücksprache lanciert haben.