Streit um Profi-Shampoos Otto's und die Coiffeure geraten sich in die Haare

Der Warenposten-Verkäufer Otto's besorgt sich Profi-Shampoos aus dem Ausland. Und verkauft sie Kunden zum halben Preis. Coiffeur-Salon-Betreiber sehen rot. Jetzt eskaliert die Situation.

Otto's Warenposten und Coiffeur-Salons streiten sich um Profi-Shampoo play
Otto's-Chef Mark Ineichen in einer Warenposten-Filiale. Philippe Rossier

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Das Otto's-Erfolgsrezept ist simpel: Markenprodukte wie Barilla-Pasta, Boss-Parfums oder Nike-Kleidung über den Graumarkt in die Schweiz importieren. Das ist grundsätzlich erlaubt. Weil er so den Schweizer Generalimporteur ausschaltet, kann der Innerschweizer Waren-Discounter die Produkte bis zur Hälfte billiger in seinen Läden anbieten.

Dafür ist Otto’s-Chef Mark Ineichen (44) – Sohn des verstorbenen Warenposten-Gründers Otto Ineichen († 70) – bekannt. Damit bringt er regelmässig Marken-Importeure auf die Palme. Zuletzt eskalierte im Oktober 2015 ein Streit mit den Ski-Herstellern Fischer und Völkl – sogar die Wettbewerbsbehörde Weko schaltete sich ein, wie «Blick» berichtete.

Jetzt legt sich Otto's mit den Coiffeuren an. Der Zoff eskalierte dermassen, dass Ineichen die Justiz einschaltete!

Coiffeure zahlen bei Otto's weniger als beim Generalimporteur

Aber der Reihe nach: Seit letzter Woche finden sich Profi-Haarpflegeprodukte der Marke Joico, die zum japanischen Kosmetikriesen Shiseido gehört, in den Warenposten-Regalen von Otto's. Sie kosten zum Teil nur halb so viel, wie Kunden in den Coiffeur-Salons dafür berappen müssen.

Beispiel: Die 1-Liter-Behälter kosten bei Otto's 24.90 Franken. Beim Coiffeur – die Joico-Produkte gibts in der Regel nicht in Schweizer Supermärkten – bezahlen Kunden meist doppelt so viel dafür. «Selbst Coiffeursalons bezahlen im Einkauf beim Hauptimporteur rund 30 Franken für einen Liter», schreibt das «St. Galler Tagblatt» in seiner aktuellen Ausgabe.

Schweizer Generalimporteur für Joico-Produkte ist die Firma Blue Box Distribution AG in Kriens LU. Deren Chef Marcel Meyer wettert in der Regionalzeitung über die Preisoffensive des Waren-Discounters. «Ich habe ein gewisses Verständnis dafür, wenn Otto's beispielsweise Pasta billiger verkauft als bei Coop oder Migros. Aber ich verstehe nicht, warum Otto's in einem solch kleinen Markt als Preisbrecher agiert», sagt Meyer.

Der Joico-Generalimporteur spricht von einem «Angriff auf die Coiffeur-Branche». Meyer: «Coiffeure leben unter anderem davon, dass sie professionelle Produkte mit angemessener Marge verkaufen können.»

Meyer hat bei Ineichen interveniert. Offenbar wurde Meyer im Telefonat mit einem Otto's-Mitarbeiter schnell laut. Die Angriffe gingen mehr als nur unter die Gürtellinie, wie «Blick.ch» weiss. 

«Ich habe im Affekt Sachen gesagt, die ich heute bedaure», sagt Meyer dem «St. Galler Tagblatt».

Facebook-Post gegen Otto's nervt Ineichen

Für Ineichen ist die «verbale Entgleisung» nicht gegessen. Auch wehrt sich Ineichen gegen einen Facebook-Post eines Coiffeurs. Für alle zugänglich schreibt dieser, dass Otto's Joico-Importe alt seien und nicht für den europäischen Markt zugelassen. Es heisst dort zudem: «Auch ist noch nicht sicher, ob in den Flaschen auch wirklich Joico enthalten ist oder es sich um eine Fälschung handelt.»

Ineichen zu «Blick.ch»: «So etwas habe ich noch nie erlebt. Wir nutzen jetzt alle rechtlichen Mittel gegen Generalimporteur Blue Box und die Verfasserin des Facebook-Eintrags.»

Den von der Coiffeur-Branche geäusserten Vorwürfe widerspricht er vehement. Auch weist er die Behauptung zurück, die Ware sei veraltert oder gefälscht. «Die gegen Otto's erhobenen Vorwürfe sind haltlos», sagt Ineichen weiter.

Es dürfte nicht das letzte Mal sein, dass Otto's mit seinem Geschäftsmodell einen Streit provoziert. Eine Frage bleibt offen: Kann der Warenposten-Verkäufer im Geheimen nun auch bei den Coiffeuren mit seiner Joico-Preisoffensive punkten? So mancher Coiffeur dürfte sich die Profi-Shampoos künftig bei Otto's besorgen anstatt beim teureren Generalimporteur in der Schweiz.

Publiziert am 13.09.2016 | Aktualisiert am 01.11.2016
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65 Kommentare
  • Kritischer  Beobacher aus Glattbrugg
    14.09.2016
    Danke Blick, jetzt kaufen die Leute erst recht bei Ottos ein anstelle bei Coiffeuren.
  • Divico  Tigurin aus Neuchâtel-Hua-Hin
    13.09.2016
    Handelsfreiheit bringt es mit sich, dass die Exklusivität schnell dahinfällt. Wer ganz sicher gehen will muss sich ein Produkt, das so im Markt feilgeboten wird halt selbst erschaffen...Eine "Biolauge" zum Haarwaschen kann ein Coiffeur also auch selber herstellen. Die Zufriedenheit beim Kunden erfährt er, wenn der wieder kommt und dann sogar mit seinem Fläschchen den Salon verlässt.
    Oder mit Giovanni Tapattonis Worten erklärt; die Coiffeure haben Ideen null und Fasche leer;-)
  • Remo  Buchegger aus Freidorf
    13.09.2016
    Die Post hat auch Papeterie-Produkte verkauft. War auch unnötig und hat das Kleingewerbe kaputt gemacht !
    • Melissa  Baumann 13.09.2016
      Es geht nicht darum etwas zu verkaufen, sondern Markenprodukte zu verkaufen: Coiffeure wollen das man Markenartikel bei denen kauft und nicht im Ottos was billiger ist, als bei ihren Händler. Es geht um Geld und nicht Produkte!
  • Eugen  Inauen 13.09.2016
    Dieses Beispiel zeigt wieder ganz deutlich, dass wir in der
    Schweiz ein Verdraengungsmarkt haben. Marc Ineichen
    muss vorwaerts schauen und das tut er auch. Frueher
    hatte jede Stadt eine Stadtmauer, jetzt sind die
    Grenzen offen. Unsere Politiker loesen keine
    Probleme und man muss sich fragen wer
    steuert hier was? Ottos schaut weiter
    ueber die Kulissen und er sagt
    sich auch, warum muss ich
    was unterstuetzen was
    falsch ist? und es wird
    immer schwerer den
    Deckel auf dem
    Topf zu halten.
    • Fritz  Frigorr 14.09.2016
      Die von Ihnen genannte Mauer haben aber leider immer noch sehr viele Schweizer vor dem Kopf, seitlich auch noch je eine. So ist die Sicht- und Denkweise enorm eingeschränkt.
  • Marion  Jost aus Schönenwerd
    13.09.2016
    Die so genannten Coiffeur-Produkte sind nur künstlich aufgebauscht? Die Gestaltung etwas edler, der Inhalt aber fast das gleiche wie bei günstigen Supermarkt-Artikel!! Hier sahnt die Kosmetikindustrie massenhaft ab! Wenn man nämlich mal die Inhaltstoffe einiger Produkte vergleicht, sieht man, dass oft günstigere wesentlich besser sind. Hier macht man einfach mit dem Begriff Coiffeur-Produkte Kasse!!!! Die Branche hat sich das selbst zuzuschreiben, die sollen halt gegen die Preise protestieren!