Steueroasen-Liste: Graue Mäuse im Stress

  • Publiziert: 03.04.2009, Aktualisiert: 02.01.2012

PRAG – Die Leidensgenossen der Schweiz auf der «grauen Liste» reagieren: Luxemburg und Liechtenstein versprechen rasche Besserung, Österreich ist sauer.

Die Schweiz und auch andere Länder sind auf der grauen Liste einsichtiger Steueroasen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit OECD gelandet (siehe Kasten). Gefordert ist eine rasche Umsetzung der OECD-Standards zur Doppelbesteuerung. Eine sehr rasche. Denn wer Zeit vertändelt, riskiert die Versetzung auf die schwarze Liste der Steueroasen.

In Eile ist zum Beispiel Luxemburgs Ministerpräsident Jean-Claude Juncker. Er wolle sein Land bald von der grauen Liste herunterbringen, sagte Juncker am Treffen der EU-Finanzminister in Prag. Sein Land werde rasch über Doppelbesteuerungsabkommen verhandeln, aber: «Wir können nicht in drei Wochen 20 Abkommen mit einzelnen Ländern abgeschlossen haben.»

Auch das Ländle will rasch auf die weisse Liste. Ein Regierungssprecher in Vaduz wies darauf hin, dass mit Deutschland und Grossbritannien bereits Gespräche aufgenommen worden seien. Liechtenstein hat bislang einzig mit den USA ein solches Abkommen vereinbart.

Das fragen wir uns auch

Der österreichische Finanzminister Josef Pröll kritisierte – wie die Schweiz –, dass Österreich als OECD-Mitglied nicht konsultiert wurde, bevor es auf der grauen Liste landete. Es sei zudem überhaupt nicht klar, was diese bedeute.

Es handle sich nicht um eine «Watchlist», da es keine Konsequenzen gebe für jene, die zu den grauen Mäsuen gehörten. Darauf angesprochen, was die Liste für einen Sinn hat, sagte ein Sprecher Prölls: «Das fragen wir uns auch!» (SDA/bih)

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Die graue Liste der OECD

Die OECD hat auf Drängen der grossen Industrie- und Schwellenländer (G-20) eine Liste von Ländern veröffentlicht, die zwar versprochen haben, ihr Bankgeheimnis bei Steuerhinterziehung zu lockern, aber dieses Versprechen noch nicht umgesetzt haben.

Von der grauen auf die weisse Liste kommen Staaten, wenn sie mindestens zwölf Doppelbesteuerungsabkommen ausgehandelt haben, die Amts- und Rechthilfe in Steuerfragen erlauben.

Wie die Schweiz haben weder Luxemburg noch Österreich ein solches Abkommen unter Dach – sie hatten ebenfalls erst Mitte März dem internationalen Druck nachgegeben.

Zum Erstaunen vieler stehen auf der weissen Liste auch die der britischen Krone unterstellten Inseln Isle of Man, Guernsey und Jersey. Die drei haben den Ruf, wahre Steueroasen zu sein. Auch die US-Steueroasen in den Bundesstaaten Delaware, Wyoming und Nevada wurden von der OECD nicht mit Kritik bedacht.
play Bundesrat Merz, der luxemburgische Finanzminister Luc Frieden und ihr österreichische Kollege Josef Pröll (v.l.) haben alle Hände voll zu tun wegen der grauen Liste. (Keystone)

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