Steueroase Schweiz juckt Steinbrück

  • Publiziert: 21.10.2008, Aktualisiert: 03.01.2012

PARIS – Die OECD will die weltweite Finanzkrise nutzen, um Steuerparadiese auszutrocknen. Dabei gerät auch die Schweiz unter Beschuss – vom deutschen Finanzminister.

Peer Steinbrück will die Schweiz auf die Schwarze Liste der OECD (siehe Kasten) setzen lassen. «Wir müssen nicht nur das Zuckerbrot benutzen, sondern auch die Peitsche», sagte der Finanzminister heute in Paris.

Steinbrück traf dort mit 17 Mitgliedstaaten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zusammen. Die Schweiz war zu dem Treffen eingeladen, verzichtete aber auf eine Teilnahme.

In neun Monaten soll es in Berlin eine Konferenz über den Kampf gegen Steuerparadiese geben. Auch ohne internationale Einigung werde er in Deutschland aktiv werden, kündigte Steinbrück an.

Problem für Wirtschaft und Gesellschaft

Steinbrück bedauerte, dass die Schweiz, Österreich und Luxemburg zu den Steueroasen zählen. Die Schweiz liefere nicht die Informationen, um Steuerflucht nachzuweisen, sagte er. Darin sieht er auch ein gesellschaftliches Problem. «Wenn wir nicht aufpassen, verliert unser Gesellschafts- und Wirtschaftssystem Legitimation», meinte der deutsche Finanzminister.

OECD-Chef Angel Gurrìa erklärte, der Kampf gegen Steuerparadiese und für Transparenz sei nun absolut wichtig. Mit der Schwarzen Liste soll der Druck auf Steueroasen erhöht werden, sich internationalen Standards für Finanzgeschäfte und einer stärkeren Kontrolle zu unterwerfen. (SDA/dip)

38 Paradiese im Visier

Laut OECD gibt es 38 Länder mit einem stark ausgeprägten Bankgeheimnis und niedrigen oder gar keinen Steuern. Aber nur drei stehen bisher auf der Schwarzen Liste der Organisation, weil sie jegliche Information über ihren Finanzsektor verweigern: Andorra, Liechtenstein und Monaco. Bis zum Sommer 2009 soll die Liste aktualisiert sein.

Schweiz ignoriert Forderungen der OECD-Konferenz

PARIS – Die Schweiz widersetzt sich der Forderung von 17 OECD-Ländern, sich auf die Schwarze Liste der Steuerparadiese setzen zu lassen. Bern akzeptiere nur Entscheide, die von der gesamten OECD getroffen würden. «Die Schweiz anerkennt nur die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) als Diskussionsinstanz in internationalen Steuerfragen», sagte Beat Furrer, Sprecher der Eidg. Steuerverwaltung heute. (SDA)
play Die Schweiz und andere Steuerparadiese jucken ihn: Deutschlands Finanzminister Peer Steinbrück. (Reuters)

Top 3

1 156-Mio-Busse! Weil BMW die Schweizer Kunden benachteiligtebullet
2 Grösser, besser, billiger? Rabatt-Schlacht im TV-Geschäftbullet
3 Wegelin-Fall US-Richter nimmt Raiffeisen ins Visierbullet

Wirtschaft