Stellen-Schaffer Hier brummt der Job-Motor

Dieses Jahr haben Schweizer Firmen 37 Prozent mehr Stellen ausgeschrieben. Die Rekordzahl hat aber nicht unbedingt mit Optimismus der Firmen zu tun.

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Diese Nachricht passt so gar nicht ins Bild, das vom Jahr 2016 gezeichnet wird. Zwischen Januar und November haben Schweizer Firmen 37 Prozent mehr Jobs ausgeschrieben als in der gleichen Periode 2015. Das geht aus dem Michael Page Swiss Job Index hervor, der SonntagsBlick vorliegt. Die Personaldienstleistungsfirma analysiert, wie viele offene Stellen Schweizer Firmen auf ihren Webseiten publizieren. Hunderttausende Stellen werden erfasst. Seit Beginn der Studie 2012 wurde noch nie ein so starkes Wachstum verzeichnet. Und das, obwohl nach dem Brexit und der Wahl Donald Trumps (70) zum amerikanischen Präsidenten jeweils Schreckensszenarien für die Wirtschaft entworfen wurden.

Drei Gründe gibt es für die überraschend positiven Zahlen. Erstens: «Die wirtschaftlichen Aussichten für nächstes Jahr sind etwas besser. Die Firmen spüren das und fangen an zu rekrutieren», sagt Xavier Chauville (36), Exekutivdirektor bei Michael Page Schweiz. Auf der Suche sind vor allem: die Bau- (+91 Prozent) und die Immobilienbranche (+59 Prozent), sowie die Industrie (+54 Prozent).

Doch selbst die grössten Optimisten sind vorsichtig geworden. Grund Nummer zwei für den satten Jobanstieg ist deshalb nur logisch: «Die Arbeitgeber haben ihre Investitionen in Temporärstellen dramatisch erhöht», schreibt die Michael Page Group. Mit anderen Worten: Ein Grossteil der ausgeschriebenen Jobs sind befristet. In der Schweiz wurden dieses Jahr 37 Prozent der Stellen, die normalerweise unbefristet sind, mit Temporärangestellten besetzt – oft getarnt als sogenannte «Projektmitarbeit».

Denn auch wenn die Ökonomen eine leichte Erholung vo-raussagen: Planen ist in der heutigen Zeit schwierig geworden. «Deshalb schreiben die Firmen immer mehr Temporärjobs aus. Auch das trägt dazu bei, dass dieses Jahr so viele Jobs ausgeschrieben sind», so Personal-Experte Chauville.

Der Unterschied zu früher: «Die, die einen Job suchen, akzeptieren befristete Stellen heute viel eher.» Heute sei es normal, eine Firma nach zwei oder drei Jahren wieder zu verlassen. Xavier Chauville stellt deshalb fest: «Wenn man deshalb ein Projekt über zwei oder drei Jahre ausschreibt, haben die Firmen kein Problem, qualifizierte Leute zu finden.»

Und schliesslich Grund Nummer drei: «Die Schweizer Volkswirtschaft befindet sich in einer Transformation», analysiert Chauville. Seit 2009 müssen die Schweizer Firmen grundsätzlich umdenken. Die Eurokrise und die Digitalisierung zwingen sie dazu. «Die Firmen – vor allem die Industrie – müssen sich der neuen Welt anpassen. Dafür brauchen sie Spezia-listen.» Der starke Franken zwinge zu Effizienz und die neuen technischen Möglichkeiten ermöglichen diese.

Das gilt vor allem auch für Branchen, die nicht boomen. Beispielsweise die Finanzindustrie. Obwohl das traditionelle Geschäftsmodell brutal unter Druck gekommen ist, sind die Banken auf der Suche nach Spezialisten, insbesondere für Compliance und in der IT.

Die Aussichten für Stellensuchende sind also durchwegs positiv. Das haben diese bemerkt. Schon lange waren Schweizer Jobsuchende nicht mehr so zuversichtlich. Michael Page befragt regelmässig Stellensuchende, die bei der Firma registriert sind. Aktuell sind 53 Prozent (Stichprobe: 900 Personen) überzeugt, dass sie innerhalb von drei Monaten einen neuen Job finden. 

Publiziert am 18.12.2016 | Aktualisiert am 18.12.2016
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5 Kommentare
  • Martin  Matin 18.12.2016
    Laut Bilanz haben die reichsten 300 der Schweiz wieder mächtig zugelegt.
    Das zeigt doch, das die Arbeiter, Angestellte immer die Dummen sind.
    Unten werden Stellen gestrichen, Personal entlassen, damit man oden garnieren kann. Traurig aber wahr. Aber zum Glück kann niemand was mitnehmen,, wenn Sie von dieser Erde gehen.
  • Noldi  Schwarz 18.12.2016
    Seit 1995 baute der Bund seine Stellen um über 40 Prozent aus. Aktuell gibt es in Bern über 35000 Beamte. Sie verdienen im Schnitt über 100000 Franken im Jahr. Und sie erhalten im Schnitt die zweithöchsten Lohnerhöhungen ab 2017. Und das alles mit unseren hart erarbeiteten Steuergeldern. Warum berichten die Medien so zaghaft über diese Abzockerei?
  • Alex  Müller aus Thalwil
    18.12.2016
    Was für ein Witz. Viele Firmen entlassen ihr Personal und stellen dann zu tieferen Konditionen wieder ein. Vorher wird die Stelle noch leicht umbenannt und die Tätigkeit umformuliert. Die älteren Arbeitnehmet werden oft entlassen und finden schwer einen Job. In der Statistik werden die Ausgesteuerten nicht angezeigt. Desto älter der Arbeitnehmer ist, umso weniger verdient dieser - sofern er einen Job hat. Traurige Entwicklung.
  • Marco  N aus Reinach
    18.12.2016
    Was für ein Schwachsinn. Von den 37 Prozent kann man 3/4 sofort wieder vergessen, weil jede Stelle auf 10-15 Portalen mit unterschiedlichen Titeln publiziert wurden. Leute die eine Stelle suchen kennen dieses Ärgernis zur Genüge. Fazit: 2016 wurden ein paar mehr Stellen ausgeschrieben als 2015. Was den Anteil von befristeten Jobs angeht: ja das ist in der Tat Anlass zur Besorgnis.
    • Alex  Müller aus Thalwil
      18.12.2016
      Was für ein Witz. Viele Firmen entlassen ihr Personal und stellen dann zu tieferen Konditionen wieder ein. Vorher wird die Stelle noch leicht umbenannt und die Tätigkeit umformuliert. Die älteren Arbeitnehmet werden oft entlassen und finden schwer einen Job. In der Statistik werden die Ausgesteuerten nicht angezeigt. Desto älter der Arbeitnehmer ist, umso weniger verdient dieser - sofern er einen Job hat. Und die Kosten explodieren. Traurige Entwicklung.