Stellen-Bilanz 2016 – Kahlschlag bei Staatsbetrieben – Frankenschock hallt nach Post und SBB sind die grössten Jobkiller

Der starke Franken hat 2016 Tausende von Jobs gekostet. Doch den grössten Abbau gab es bei den Staatsbetrieben.

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Wer ist der grösste Jobschaffer im Land? Der Staat. Im Gesundheits- und Sozialwesen entstanden im ausgehenden Jahr rund 18'000 neue Arbeitsplätze. Doch der Staat gibt nicht nur, er nimmt auch: Die grössten Abbauprogramme kündeten 2016 die staatseigenen Betriebe SBB und Post an (siehe Tabelle). Die SBB wollen 1400 Arbeitsplätze wegrationalisieren. Bei der Post sind es 1200.     

«Auch Staatsbetriebe müssen auf Veränderungen des Marktes reagieren», sagt Rudolf Minsch (49), Chefökonom des Wirtschaftsdachverbandes Economiesuisse. Strukturelle Anpassungen seien darum von Zeit zu Zeit unumgänglich. Trotzdem: «Die SBB müssen dafür sorgen, dass dies ohne Qualitätsabbau geschieht», sagt Minsch.

Im Vergleich zur Privatwirtschaft dürfte der Abbau für die Beschäftigten relativ glimpflich über die Bühne gehen. Die SBB dürfen gemäss Gesamtarbeitsvertrag niemanden entlassen. Der ganze Abbau soll über natürliche Abgänge und Pensionierungen erfolgen. Bei der Post ist der Arbeitnehmerschutz nicht ganz so strikt, aber ebenfalls gut ausgebaut. 

Aderlass in der Industrie geht weiter

Beschäftigte in der Industrie fallen härter, wenn sie die Stelle verlieren. 8000 Jobs verschwanden in der Industrie. Der Sektor leidet noch immer unter dem Frankenschock. Für den Abbau von 4230 Stellen machten die Firmen explizit den starken Franken verantwortlich. Dies geht aus einer Erhebung des Schweizerischen Gewerkschaftsbunds (SGB) hervor, die BLICK vorliegt. 

Zählt man Firmen dazu, die den Stellenabbau nicht mit dem starken Franken begründen, steigt die Zahl auf 11'136. Die erste Hiobsbotschaft kam Mitte Januar: General Electric, die frühere Alstom, kündigte den Abbau von 1300 Jobs an.

«Der starke Franken setzt die Maschinenindustrie unter Druck», sagt SGB-Chefökonom Daniel Lampart (48). Insgesamt gingen laut der SGB-Erhebung in der Maschinenindustrie dieses Jahr rund 2300 Stellen verloren. Lampart blickt wenig optimistisch in die Zukunft: «Wenn die Unternehmen nicht die nötigen Erträge haben, können sie auch nicht investieren.» 

Minsch (49) ist optimistischer: «Die Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie hat die Talsohle durchschritten», so der Economiesuisse-Chefökonom. Einige Betriebe stellten bereits jetzt Personal ein, andere müssten aber auch 2017 Kosten senken. 

Bilanz knapp positiv

Unter die Räder kam auch der Detailhandel. Der Schuhhändler Bata und die Kleiderkette Blackout machen ihre Türen für immer zu – 555 Jobs gingen so verloren. Zu den Verlierern zählen auch das Gastgewerbe (–4000 Jobs) und die Bauindustrie (–6000).

Unter dem Strich weist der Arbeitsmarkt Schweiz aber eine leicht positive Bilanz aus: Die Zahl der Beschäftigten stieg um 15'000 auf 4,918 Millionen. Die Arbeitslosenquote blieb konstant bei 3,3 Prozent.

Publiziert am 26.12.2016 | Aktualisiert am 27.12.2016
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26 Kommentare
  • Ernst  Baumann 27.12.2016
    Der starke Franken sollte es doch ermöglichen in den Teppichetagen die Gehälter auf ein vernünftiges Mass zurückzuschrauben.
    Als Land ohne Rohstoffe hört man zudem nie eine Bemerkung die gesunkenen Importpreise und die gesunkenen Löhne bei den in der Wertschöpfung tätigen Arbeitskräfte betreffend.
  • Daniel  Grünenfelder 27.12.2016
    Und immer wieder kommt sie wie das Amen in der Kirche, die Ausrede mit dem starken Schweizer Franken. Nie käme es einem Verwaltungsrat in den Sinn, mal die obersten Managementpositionen bei SBB oder Post in Frage zu stellen. Kann ja gar nicht sein, dass die keine Ahnung vom echten Business haben, unmöglich (vor allem bei der Post). Und dafür noch überrissene Gehälter beziehen. Es wäre schon längstens Zeit, nicht nur Post und SBB würden sich mal Gedanken über ihre obersten Führungen machen.
  • Michael  Meienhofer aus Ostermundigen
    27.12.2016
    Die Saat ist aufgegangen ! Diejenigen Politiker, mit den Sprüchen : Weniger Staat, mehr Privat... und Diejenigen, die das mit Vehemenz nachgepplappert haben - ist auf gutem Kurs ! Jeder der gemeint hat, Private machen das besser , wird wieder einmal eines Bessern belehrt - vielleicht denken einige Bürger wieder mal daran, solche Politiker,die auch nur mit Wasser waschen, bei den nächsten Wahlen aus der Politik zu katapultieren - bevor sie selber aus dem Erwerbsleben "entfernt " werden .....
  • Peter  Duck 27.12.2016
    Jemand bei der SBB ist eckt unkündbar?! Das heißt so bald die Probezeit abgelaufen ist macht man einfach nichts mehr und es braucht eine weitere stelle? Es kann doch nicht sein, dass wenn die Leistungen ungenügend sind oder der Job nicht passt einfach nicht gekündigt werden darf. Das gibt es in der Privatindustrie auch nirgends. wiso auch? Die firma hat ja einen anspruch auf leistung....
  • kurt  schlup aus Holziken
    27.12.2016
    Ich nehme an das aus siecht vieler Blick Leser dafür auch wieder die SVP verantwortlich ist. Aber sollte sich nicht viele Leute mal Fragen wie viele Leute im ganzen Jahr die Post benötigt für die Einzahlungen und wie viele Schreiben noch Briefe und kaufen im Ausland ein, und dan kommen Coop und Denner dazu. und es sind dan wieder andere Schuld.