CS wittert Mordsgeschäft Stecken Sie Ihr Geld in den Knast!

  • Aktualisiert am 19.01.2012
  • Von Matthias Pfander

Jeder weiss es. In Krisenzeiten gibt es mehr Kriminalität. Jetzt hat es auch die CS gemerkt. Und empfiehlt, in die Aktien von privaten Gefängnissen zu investieren.

Mit Aktien Geld verdienen, weil andere im Gefängnis schmoren. Das geht. Denn in den USA und anderen Ländern betreibt nicht nur der Staat Gefängnisse. Über die letzten Jahre haben immer mehr Firmen diese Aufgabe übernommen. Das sei günstiger, heisst es. Die Firma Corrections Corp. gehört zu den Grossen in diesem Geschäft. Ihre Aktien werden auch an der Börse gehandelt.

Credit Suisse lobt Aktien solcher Knastfirmen als besonders vielversprechend: «Nach unserer Auffassung ist keine Branche rezessionsbeständiger als der Sektor des privaten Vollzugs», heisst es im Anlegermagazin «Trends» für «professionelle Investoren» (Ausriss oben).

Der momentane Zustand der Weltwirtschaft hilft da sogar noch mit, weil «ein schwächeres Wirtschaftsumfeld in der Regel höhere Verbrechensraten (...) nach sich zieht», schreibt der Autor des Artikels weiter. Eine Grafik zeigt, wie sich seit 1980 die Zahl der Häftlinge entwickelt hat. Sie ist Jahr für Jahr gestiegen.

Das beschert Knastfirmen höhere Umsätze. Auch Privatkunden können über die Credit Suisse vom fragwürdigen Geschäft profitieren. Die Bank bietet einen Fonds an, der solche Aktien enthält.

Daniel Graf von der Menschenrechtsorganisation Amnesty International ist empört: «Das ist zynisch. Credit Suisse ist selber an der Finanzkrise beteiligt. Jetzt versucht die Bank daraus Kapital zu schlagen mit dem Argument, dass die Kriminalitätsrate wegen der Rezession steigen wird.»

Zudem hat Graf grundsätzliche Bedenken, wenn der Knast von Firmen und nicht vom Staat betrieben wird: «Bei privaten Gefängnissen steht der Profit und sicher nicht das Wohl der Gefangenen im Vordergrund. Die Gefahr von Menschenrechtsverletzungen ist grösser.»

Obwohl Nachhaltigkeit und Ethik bei Fonds immer wieder heiss diskutiert werden, sieht man bei Credit Suisse in diesem Fall überhaupt kein Problem. «Das im Artikel herausgegriffene Thema ist eines von unzähligen Unterthemen im Bereich ‹Sicherheit›, das wir unseren Anlegern im Rahmen dieses Fonds bieten», heisst es lapidar.

Wirtschaftsethiker Ulrich Thielemann von der Uni St. Gallen kritisiert: «Man darf von der CS zumindest einen Hinweis erwarten, dass sie sich Überlegungen gemacht und das Angebot als ethisch vertretbar beurteilt hat.» Doch wissen die CS-Kunden, dass sie sich mit Fonds an einem Knast beteiligen? Wohl kaum. Denn in den Unterlagen heisst es nur, dass in Firmen investiert wird, die «Schutz vor Kriminalität» bieten. Da denkt man zuerst an einen Hersteller von Alarmanlagen. Sicher nicht an einen internationalen Knastbetreiber.

In diesen Frauen-Knast kann man investieren. Dieses Gefängnis in Las Vegas gehört der Firma Corrections Corporation. Für Credit Suisse sind die Aktien solcher Firmen krisensicher.- AP

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