Starker Franken schockt Schweizer Industrie: Jede dritte Firma schreibt Verluste

BERN - Der Frankenschock hat die Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie hart getroffen. Auf dem Arbeitsmarkt wird die volle Wucht laut Branchenverband Swissmem erst 2017 spürbar.

Swissmem-Direktor Dietrich: Verfehlte Kritik an Schneider-Ammann. play
Swissmem-Direktor Dietrich: "Ein Drittel der Unternehmen in der Verlustzone" Keystone

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2015 war für die Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (MEM-Industrie) ein «schwarzes Jahr». Das zeigt sich in den roten Zahlen: Die Aufträge gingen branchenweit um 14 Prozent, die Umsätze um 7 Prozent zurück, wie der Branchenverband Swissmem auf seiner Jahreskonferenz heute mitteilt.

Zwar sei der Auftragseinbruch bei der ersten Frankenaufwertung 2011 mit 19 Prozent stärker gewesen. Der erneute Einbruch sei allerdings «wesentlich schmerzlicher», da er von einem niedrigeren Niveau erfolgt sei, sagt Swissmem-Direktor Peter Dietrich (49).

Nicht nur die Umsätze, sondern auch die Margen schmolzen dahin. Nach Selbsteinschätzungen der Branche sanken die Gewinne um etwa 6 Prozentpunkte auf der Stufe EBIT (Gewinn vor Zinsen und Steuern). Laut Dietrich mussten einige Firmen Gewinneinbrüche von bis zu 15 Prozent hinnehmen. «Rund ein Drittel der Unternehmen geriet deshalb im letzten Jahr in die Verlustzone», so Dietrich.

Die massive Aufwertung des Frankens habe Industrie-Unternehmen jeder Grösse zu schaffen gemacht. Grossfirmen und KMU sind laut Swissmem von dieser negativen Entwicklung in ähnlichem Ausmass betroffen.

Vor allem dem Export macht die starke Schweizer Währung zu schaffen. Fast alle Warengruppen der MEM-Industrie verzeichneten 2015 einen herben Exportrückgang. Mit einem Minus von 7,2 Prozent sanken die Güterausfuhren im Maschinenbau am stärksten.

«Die Exporte in die EU, dem mit Abstand wichtigsten Absatzmarkt, sanken um 5,8 Prozent», erklärt Direktor Dietrich. Dem steht ein Plus von 4,9 Prozent bei den Exporten in die USA gegenüber.

Jobabbau hält bis 2017 an

Für die Zukunft heisst dies nichts Gutes. Die Talsohle dürfte zwar Mitte des laufendes Jahres durchschritten werden, sagt Dietrich. Auf dem Arbeitsmarkt zeichnet sich aber keine Erholung ab: Das volle Ausmass des durch die Überbewertung des Frankens ausgelösten Jobabbaus werde wohl erst 2017 voll erkennbar. Derzeit beschäftigt die Branche in der Schweiz laut Swissmem rund 330'000 Menschen.

Sollten sich die wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen für die Schweizer Industrie weiter verschlechtern, könnte es zu einer Deindustrialisierung kommen, erklärt Hans Hess (60). Der Präsident des Verbands Swissmem glaubt, dass Unternehmen «teilweise nicht um drastische Massnahmen herumkommen werden und der gegenwärtig beschleunigte Strukturwandel auch in 2016 weitere Arbeitsplätze kosten wird.» 

Publiziert am 29.02.2016 | Aktualisiert am 22.03.2016
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21 Kommentare
  • Lucio Silva  Safnanno aus San Vito Lo Capo
    29.02.2016
    Der Gewinneinbruch ist bis zu 15 Prozent. Heisst das, dass der Gewinn normalerweise bei 20 Prozent liegt? Mehr als man hat kann nicht einbrechen.
    • Claudio  Hammer aus Zürich
      29.02.2016
      Logisch kann man auch einen höheren Gewinneinbruch haben als man zuvor Gewinn hatte dann landet man nämlich wie ein Drittel der Swissmem Unternehmen in der Verlustzone!!
  • Monte  Reto 29.02.2016
    Jede Firma die Verluste schreibt macht etwas falsch. Man kann doch nicht immer der den starken Franken jammern und die Schuld bei den anderen Suchen.
  • Markus  Berchier aus Soulce
    29.02.2016
    Elendes gejammer gewissen Firmenbosse verstehe ich langsam nicht mehr; Rohmaterial aus dem EU und anderen Räumen ( USA, China, Afrika) sind im Einkauf billiger geworden, somit sollten die Firmen auch mehr verdient haben unter den Strich. Es ist langsam auch anmassend die Löhne der Patron der Firmen, wenn es einer Firma wirklich schlecht geht sollte er gerade er seinen Lohn kürzen ( siehe Implenia).
  • Fritz  Frigorr 29.02.2016
    Immer dieser angeblich starke Franken, der ist nicht mehr wert, als das Papier, auf dem er gedruckt wurde. Er ist massiv überbewertet. Und viele Unternehmer haben jahrelang satte Gewinne für sich - weniger für die Belegschaft - erwirtschaftet, anstatt sich auf Währungsänderungen einzustellen.
  • Ernst  Schaffhauser aus Bodensee
    29.02.2016
    Das grosse jammern, man könnte auch sagen das grosse fressen, denn, Blüten müssen nur die Arbeiter, dich Chefs, die Teppichetagen würden mit Ihren Salär keinen Franken hergeben, sie fressen die Arbeitsplätze weg, wenn man die Gewinne lesen kann die damgemacht werden sollte man meinen dass keine Arbeitsplätze in Gefahr sind, nur um die Topverdiener zu stützen werden Stellen abgebaut, und Bonis sollte sowieso abgeschafft werden, die oberen verdienen so schön genug, nein, Zuviel