SBB kaufen für 1,3 Milliarden Franken neue Züge Spuhlers Doppelflirt

  • Publiziert: 05.12.2007, Aktualisiert: 20.01.2012
  • Von Daniel Meier
play So könnte er aussehen: Peter Spuhlers Flirt-Doppelstockzug in einer Designstudie von BLICK-Illustrator Urs Maltry.

BERN – Noch ist alles geheim. Doch BLICK zeigt schon jetzt, wie Peter Spuhlers nagelneuer Doppelstöcker aussehen könnte. Ob er je gebaut wird, entscheiden die SBB.

382 Mal. So oft hat die Thurgauer Firma Stadler ihren S-Bahn-Zug Flirt verkauft. Die meisten davon ins Ausland. Und das in nur fünf Jahren.

Nun will Stadler-Chef Peter Spuhler (48) diese Erfolgsgeschichte verdoppeln.

Erstmals bewirbt sich Stadler um einen Doppelstock-Auftrag. Und was für einen: Für 1,3 Milliarden Franken bestellen die SBB demnächst 60 Doppelstöcker für die Zürcher S-Bahn.

Im Werk in Altenrhein SG tüfteln Spuhlers Ingenieure. Natürlich hinter verschlossenen Toren. Doch BLICK verrät schon heute, wie der Doppel-Flirt aussehen könnte (siehe Bild).

Bekommt Stadler den Zuschlag, knallen in Altenrhein die Korken. Dort wo Schindler Waggon einst Eisenbahngeschichte schrieb. Dort wo später der Niedergang einer ganzen Industrie zu bedauern war. Genau dort würde Spuhler die neue Flirt-Fabrik bauen. Ein schönes Comeback.

Dank dem SBB-Auftrag könnte Stadler ins lukrative Doppelstöcker-Geschäft einsteigen. Auch anderswo will man solche Züge anschaffen, etwa in Holland und Frankreich. Diese Kunden gewinnt man leichter, wenn man schon ein Vorzeigeprojekt hat. Auch der eingeschossige Flirt wurde 2002 zuerst von den SBB bestellt. Bevor er zum Welterfolg wurde. Daran hat die Schweiz ein Interesse: Eine hiesige Firma würde für den globalen Markt gestärkt. Stellen würden geschaffen.
Doch bei Ausschreibungen dürfen weder Industriepolitik noch Standortförderung eine Rolle spielen.

Entscheidend ist vor allem, wer den tiefsten Preis offeriert. So schreibt es die Welthandelsorganisation WTO vor.

Gerade für Exportnationen wie die Schweiz ist das sehr wichtig. Denn: Wählt man immer nur jene Firma, die vor Ort produziert, kommen die ausländischen
Bieter gar nie ins Geschäft.

Spuhlers Konkurrenten haben also eine faire Chance. Ganz vorne dabei ist sicher Siemens. Der deutsche Konzern hat schon die aktuellen Doppelstöcker geliefert. Für den neuen Mega-Auftrag spannt er mit Bombardier zusammen. Beide Firmen haben bereits heute viele Beschäftigte in der Schweiz. Auch sie würden ausbauen – wenn sie den Zuschlag erhielten. Genauso wie der französische Alstom-Konzern, der sich ebenfalls beworben hat.

Noch brütet der SBB-Verwaltungsrat über den Offerten. Spätestens im März fällt der Entscheid.

Wie stellt Rat der neun die Weichen?

BERN – In welchen Zügen wir in die Zukunft fahren, bestimmt der neunköpfige SBB-Verwaltungsrat. Ihm gehören neben Präsident Thierry Lalive d’Epinay (63) an: Ex-SP-Chefin Christiane Brunner (60), Ex-Sabena-Chef Paul Reutlinger (64), Ex-Leica-Präsident Mario Fontana (61), Banker Olivier Steimer (52), Unternehmensberater Andreas Hunziker (49), Buchprüfer Paul E. Otth (64), Anwalt Ulrich Sinzig (64) und als Personalvertreter Hans Bieri (54).
play Stadler-Chef Peter Spuhler.

Top 3

1 156-Mio-Busse! Weil BMW die Schweizer Kunden benachteiligtebullet
2 Grösser, besser, billiger? Rabatt-Schlacht im TV-Geschäftbullet
3 Wegelin-Fall US-Richter nimmt Raiffeisen ins Visierbullet

Wirtschaft