Sogar Giacobbo ist genervt: Darum hängt Netflix bei Swisscom

Swisscom-Kunden haben zur Zeit Mühe, Filme über die US-Streamingplattform Netflix anzuschauen. Lösungen liegen parat, doch die passen nicht allen Beteiligten. Jetzt wollen die beiden Unternehmen das Problem gemeinsam lösen.

Die Abonnemente des Stremaingdienstes Netflix werden teurer. (Archivbild) play
Netflix läuft bei Swisscom-Kunden schlecht. KEYSTONE/AP/PAUL SAKUMA
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Swisscom-Kunden sind genervt. Grund ist Netflix. Der US-Streamingdienst läuft seit ein paar Tagen mehr schlecht als recht. Im schlimmsten Fall können Serien oder Filme gar nicht abgespielt werden.

Im Netz tobt seit Wochen ein Shitstorm. Und weil's übers Wochenende wieder besonders arg war, meldete sich auch Fernseh-Komiker Victor Giacobbo über Twitter zu Wort - und droht mit dem Wechsel zu Konkurrenz.

Bei Swisscom ist das Problem bekannt. «Wir haben bereits am Wochenende festgestellt, dass Netflix die Transitkapazitäten massiv reduziert hat. Damit nimmt Netflix Qualitätseinbussen bei der Nutzung ihrer Dienste in Kauf», sagt Swisscom-Sprecher Armin Schädeli zu BLICK

Bei der Konkurrenz klappts

Allerdings: Bei der Konkurrenz läuft alles wunderbar. Warum? Bei Sunrise, Quickline und Co. werden die Netzflix-Streams direkt ins eigene Netzwerk eingespeist. Das geht zügig. Nicht aber beim blauen Riesen. Die Netflix-Videos machen einen Umweg über einen so genannten Transitprovider. Der leitet das Video an die Swisscom weiter. Bisher klappte das recht ordentlich. Doch kürzlich hat das US-Unternehmen den Provider gewechselt. Seither laufen die Streaming-Videos harzig. 

Auch die Swisscom könnte die Netflix-Streams direkt ins Netz einspeisen. Laut dem «Swiss ISP Blog» macht der blaue Riese das bei Anbietern wie Zattoo nämlich auch. Doch die müssen dem Unternehmen Geld dafür zahlen, dass die Daten direkt ins Netzwerk laufen. 

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Auch Cablecom hatte mal einen Hänger, handelte aber (lila Linie).

Netflix macht da nicht mit. «Netflix wird die Swisscom dafür niemals bezahlen», sagt Fredy Künzler. Der Geschäftsführer des Internetproviders Init7 beruft sich dabei auf Kreise des US-Streaminganbieters. 

Theoretisch gibt es eine Lösung. Die Swisscom könnte die Netflix-Streams trotzdem direkt ins Netz einspeisen lassen. Kostenlos. Nur: Das würde heissen, dass auch Zattoo und Co. gratis aufs Swisscom-Netz weitergeleitet werden müssten. 

Auch UPC kennt das Problem

Die UPC hatte kürzlich das gleiche Problem. Doch der Provider hat nachgegeben. Seit dem 9. Februar kommen die Netflix-Streams direkt auf das UPC-Netz. Das hat der Streaming-Geschwindigkeit einen massiven Schub verliehen (siehe Auswertung Netflix oben).

Die Swisscom verhandelt aktuell mit Netflix. «Wir sind in Gesprächen mit Netflix und optimistisch, dass wir zeitnah eine Lösung finden», sagt Schädeli.

Jetzt ist klar: Seit Montag arbeiten die Unternehmen an einer Lösung, wie die Swisscom per Tweet mitteilte.

 

Bis wann die Kunden weiter mit lästigen Unterbrüchen und schlechter Bildqualität leben müssen, ist weiter unklar.

Update: Swisscom und Netflix haben sich geenigt. «In der Zwischenzeit konnte Swisscom in Zusammenarbeit mit Netflix eine Lösung im Sinne der Kunden finden – der Dienst steht im Swisscom Netz wieder uneingeschränkt zur Verfügung. Die Lösung funktioniert bisher gut. Swisscom und Netflix warten aber noch die Datenspitzenlast heute Abend ab, bevor die Stabilität der Lösung endgültig bestätigt werden kann», sagt Schädeli.

Publiziert am 22.03.2016 | Aktualisiert am 22.03.2016
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14 Kommentare
  • martin  roth 22.03.2016
    Es liegt doch irgendwie auf der Hand, dass Swisscom kein grosses Interesse hat, dass Netflix sich einer grosser Beliebtheit erfreut, da Netflix den SwisscomTV-eigenen Filmverleih direkt konkurenziert. Dass sich Swisscom damit aber selber einen Bärendienst erweist, wurde glaub ich ein bisschen spät realisiert...
  • Ruedi  Minder , via Facebook 22.03.2016
    Netflix musste in den USA auch an comcast zahlen, damit sie ihren streaming dienst ruckelfrei verteilen können. Auch in Europa sollen sie zahlen, alle grossen Provider wollen etwas für den Netzausbau! Wäre es ok, wenn ich mir dein Auto ausleihe und sage, ich bezahle ja schon für die Straße, also fahre ich gratis mit deinem Wagen. Netflix gibt den Content, Swisscom die Infrastruktur und beide wollen Cash.
    • Ben  Stark 22.03.2016
      Nur bezahle ich für die Strasse (Swisscom Abo) und für das Auto (Netflix Abo) also sollte es gehen, Aber jetzt will der Strassenanbieter Geld vom Mietwagenhändler? Ihr Vergleich ist falsch.
  • Daniel  Gerber aus Zürich
    22.03.2016
    Netflix soll noch dafür bezahlen, dass Swisscom ihren Kunden eine passable Qualität an Geschwindigkeit liefern kann? Das Swisscom-Kader scheint an einem Gotteskomplex zu leiden. Auf der ganzen Welt funktioniert das wunderbar. Hier scheint ein massiver Interessenkonflikt zu bestehen.
  • Kevin  Beck 22.03.2016
    Bei 1,3Mrd Reingewinn dürfte man eine Einwandfreie Performance von allen Diensten erwarten. Vor allem wenn man für Internet/TV pro Monat über 100.- berappen darf. Mir ist eigentlich egal, wer schlussendlich die Schuld dafür trägt. Aber einen Konflikt auf dem Rücken der zahlenden Kundschaft auszutragen ist eine Frechheit.
  • Marcel  Frey 22.03.2016
    Weshalb sollte Netflix nicht ruckeln - Swisscom TV ist ja auch nicht besser. Das Netz ist einfach nicht gut genug um all diese Streamings zu bewältigen.