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Überbordender Optimismus sieht anders aus: Von SonntagsBlick befragte Konjunkturexperten rechnen damit, dass der Aufschwung andauert. Doch ihre Schätzungen zum Bruttoinlandprodukt (BIP) schwanken zwischen mageren 0,6 und 1,9 Prozent Zuwachs. Das reicht pro Kopf gerade mal für die Bewahrung des um gut zwei Prozent gesunkenen Niveaus im Krisenjahr 2009.
Solche Wachstumsraten werden nicht ausreichen, um die Beschäftigungsquote zu stabilisieren, geschweige denn zu heben: Die Experten rechnen mit einem Anstieg der Arbeitslosigkeit auf rund fünf Prozent – das wäre der höchste Wert seit 2004!
Dass so keine grossen Lohnerhöhungen zu erwarten sind, darüber sind sich die Experten einig. Nur in einigen Branchen – Banken, Detailhandel oder Pharma – liegen bescheidene Reallohnerhöhungen drin. Und das auch nur wegen der geringen Teuerung von etwa einem Prozent.
Wer sein Einkommen mit Aktiengewinnen aufmöbeln will, sollte rechtzeitig wieder verkaufen. Denn von den Börsen erhoffen sich unsere Experten nicht allzu viel.
Ihre verhaltene Stimmung hat einen Grund: Das aktuelle Aufschwüngchen stützt sich auf staatliche Konjunkturprogramme und entsprechend steigende Staatsschulden.
«Was das bedeuten kann, sieht man am Beispiel Griechenlands, das nah am Kollaps steht», meint CS-Chefökonom Martin Neff. Jan Poser von der Bank Sarasin warnt: «Die Wirtschaft ist noch sehr fragil, Zentralbanken und Staaten haben alles getan, was in ihrer Macht stand», so der Chefökonom. «Wenn das nicht reicht, sehe ich schwarz.»
Wer sonst soll die Wirtschaft ankurbeln, wenn nicht der Staat? Die Arbeitnehmer haben angesichts stagnierender Löhne und steigendender Arbeitslosigkeit noch weniger Reserven und wenn, brauchen sie die, um Schulden abzustottern. Von den Konsumenten ist also wenig zu erwarten. Und von den Unternehmen? Sie machen weltweit wieder mehr Gewinne und könnten dank der Tiefzinspolitik aller Zentralbanken locker auch mehr Geld aufnehmen, um Investitionen zu tätigen. Doch das tun sie nicht. Warum auch, solange die Konsumenten so zaghaft konsumieren? Wie die US-Zahlen zeigen, nutzen Unternehmen und Banken das Zwischenhoch lieber, um Geld zu bunkern.
Fazit: Es herrscht eine Patt-Situ-tion: Niemand macht den nächsten Schritt. Statt die Wirtschaft treibt das billige Geld der Notenbanken einen Börsen- und Rohstoffboom an. Es wäre nicht das erste Mal, dass die Euphorie auf dem Aktienmarkt auf die Realwirtschaft zurückwirkt. Dazu braucht es aber ein Leitthema. Nach Dotcom und Immobilien drängt sich jetzt die Umwelttechnologie als Treiberin eines neuen Booms auf.
Damit könnten wir nach der Konjunktur nebenbei auch noch die Welt retten.