Am Industrietag in Zürich war der starke Franken das Thema. SonntagsBlick fragte Unternehmer, wie ihnen das Währungsproblem das Geschäft vermiest.
«Unser Haus steht in Flammen», sagte Präsident Hans Hess am Branchengipfel des Verbands der Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (Swissmem).
Jetzt soll der Bund zum Flammenlöscher greifen oder die Nationalbank Unternehmern Euros zum Kurs von Fr. 1.30 abkaufen, verlangt Patrick Yenni von LN Industries.
Der Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann warnte vor staatlichem Aktionismus. Doch die Politik passe die Rahmenbedingungen so gut wie möglich an: «Ich versuche, das zu beschleunigen.»
Otto Ineichen (70), Ex-Unternehmer und FDP-Nationalrat:
«Der starke Franken ist für die Exportindustrie ein Problem. Man muss die internationale Devisenspekulation begrenzen, sonst gehen Hunderttausende Arbeitsplätze verloren und es droht die nächste Finanzkrise. Die Nationalbank hat bisher einen hervorragenden Job gemacht. Der Bundesrat müsste jetzt Investitionen anstossen – und innerhalb eines Monats einen Fonds von mindestens einer Milliarde Franken schaffen. Damit sollen Innovation, Forschung und Entwicklung in der Schweiz gefördert werden.»
Thomas Nägelin (51), Chef Verkauf und Marketing, Fraisa AG:
«Wir exportieren primär in den EU-Raum. Der starke Franken drückt auf die Marge. Dank vorausschauenden Standortentscheiden können wir einigermassen damit leben. Wir müssen aber besonders effizient und kostenoptimiert arbeiten. Die Nationalbank hat einen guten Job gemacht. Ihre Handlungsspielräume sind ausgeschöpft. Es liegt nun an den Unternehmen selber, sich der Situation anzupassen, innovativ zu bleiben und nicht alle Hoffnungen in die Hände der Politik zu legen.»
Hermann Müller (78), Müller TB Technologies AG:
«85 Prozent unseres Exports gehen in den Euro-Raum. Unsere Konkurrenzfähigkeit ist stark reduziert. Wir machen ein Angebot und erhalten oftmals die definitive Bestellung erst ein Jahr später. Der Preis bleibt dann aber gleich, obwohl der Euro inzwischen stark gesunken ist. So haben wir rund zehn Prozent Verlust. Ich bin skeptisch, was die Möglichkeiten von Politik und Nationalbank betrifft. Unsere Lobby ist eben nicht so stark wie die der Bauern. Exportförderung ist heute leider nur noch ein Fremdwort.»
Herbert Wight (59), Direktor Schweizerische Exportrisikoversicherung:
«Wir versuchen, den Export zu unterstützen. Den starken Franken spüren wir noch nicht allzu sehr. Als Versicherung können wir zusammen mit Banken und Swissmem versuchen, den kleineren Unternehmen im Bereich Ausbildung zu helfen. Dort fehlen Know-how und Kapazitäten, um mit dem Währungsproblem umzugehen. Bundesrat und Nationalbank müssen jetzt versuchen, die starken Schwankungen bei den Währungen etwas abzuschwächen.»
Patrick Yenni (55), Chef LN Industries SA:
«80 Prozent unserer Produktion gehen ins Ausland, die Hälfte davon in den EU-Raum. Unser Problem ist, dass wir zu viel Euros in der Kasse haben. Wir haben viele Massnahmen getroffen, um den Verlust wegen des starken Frankens möglichst klein zu halten. Das Stichwort ist Hedging, also Währungsspekulation. Wir werden regelrecht dazu gezwungen, machen es aber sehr ungern. Die Nationalbank müsste unsere Euros zu einem Wechselkurs von Fr. 1.30 abkaufen. Das würde helfen.»