Tipps beim Besuch von Bewertungs-Portalen So nutzen Sie TripAdvisor & Co. richtig

Kaum eine Reise wird mehr gebucht, ohne dass man sich vorher im Internet ein Bild verschafft. Doch wie aussagekräftig sind Bewertungen auf TripAdvisor, HolidayCheck und Konsorten? Wir haben fünf Tipps, auf was Sie achten sollten.

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Ein lauer Juniabend in Peniche, Portugal. Die Languste war köstlich, der weisse Douro wunderbar kühl, jetzt noch einen Ginjinha zum Abschluss. «Hats geschmeckt?», fragt der Lokalbesitzer. Ich nicke heftig. «Dann schreiben Sie das doch auf TripAdvisor!»

So geht das Abend für Abend. Weil ich immer ordentlich bestelle und mir fast alles schmeckt, gelte ich als idealer Kandidat, meine Erfahrungen mit der Welt zu teilen – natürlich dort, wo alle hinsurfen. Auf TripAdvisor.

Allgegenwärtig ist sie inzwischen nicht nur in Portugal, die weltweit grösste Reiseplattform. Egal, wo man hingeht: Ihr eingängiges Logo, die starrende Eule mit dem roten und dem grünen Auge, ist schon da.

TripAdvisor ist in den letzten Jahren zu einer globalen Macht im Tourismus aufgestiegen. Gnadenlos lenkt sie die Menschenmassen dahin, wo die Hotels am saubersten, das Essen am leckersten, der Service am flinksten sein soll. 340 Millionen Besucher zählt die Site – pro Monat. 225 Millionen Erfahrungsberichte haben die Nutzer schon hinterlassen, 32 Millionen Bilder gepostet. Letztes Jahr machte das an der US-Börse kotierte Unternehmen 1,4 Milliarden Dollar Umsatz – unter anderem mit Anzeigen im Reiseumfeld.

TripAdvisor sieht sich als «offene, ehrliche Plattform für den Austausch unter Reisenden», sagt Mediensprecherin Pia Schratzenstaller. Keine Bewertung gehe raus, ohne dass sie überprüft werde. Erst scannt ein Computer die Berichte der Nutzer. Schlägt das System Alarm – zum Beispiel bei Schimpfwörtern – geht einer der 2900 Mitarbeiter ran. «Betrügern sind wir einen Schritt voraus», sagt Schratzenstaller. «Denn Glaubwürdigkeit ist unser höchstes Gut.» Tatsächlich stufen Experten TripAdvisor als glaubwürdig ein. Auch Schweizer Hoteliers und Restaurants müssten sich deshalb mit der Reiseplattform arrangieren – ob sie nun wollen oder nicht, sagt etwa Monika Bandi von der Universität Bern (siehe Interview).

Einer, der sich seit Jahren jeden Tag mit dem Lob und Tadel der Gäste auf TripAdvisor & Co. beschäftigt, ist Markus Conzelmann (51), General Manager des Radisson Blu Hotel in Luzern. Geht eine TripAdvisor-Bewertung ein, piepst bei ihm das Smartphone. So kann Conzelmann sofort reagieren. Und egal, wie giftig der Kommentar des Gastes ist:  «Wir müssen daraus lernen», sagt er. Binnen 24 Stunden erfolgt eine Antwort – oft verdankend, selten entschuldigend. TripAdvisor-Nutzern rät Conzelmann, auf die Ausreisser – also Jubeleinträge und Brutalverisse – gar nicht gross zu achten. «Sie verzerren das Bild.»

Aber wie verschafft man sich ein möglichst realistisches Bild? Ein paar Kniffe gibt es durchaus:

  • Absender checken! Wenn Amerikaner sich über den «weiten Weg zum Zentrum» beklagen, sind das meist kaum mehr als drei Minuten zu Fuss. Für manche indische Gäste ist schweizerische Zurückhaltung eine Provokation – dass die von ihnen im Coop selbst gekaufte Nudelsuppe nicht gewärmt aufs Zimmer kommt, gilt schon als schäbiger Service. Und Asiaten maulen gern, wenn das WLAN nicht mit Turbo-Power läuft.
  • Roman- und Frustschreiber ignorieren! Manche TripAdvisor-Nutzer meinen, uns ihr Reisetagebuch anvertrauen zu müssen. Das sind meist pingelige Möchtegern-Experten. Überlesen! Das Gleiche gilt für auffällig giftige Kommentare – sie entstehen oft im Frust. So musste sich Hotelmanager Conzelmann bei TripAdvisor schon mal gegen den Vorwurf wehren, eine Mitarbeiterin sei «rassistisch» – die Frau hatte bloss die Avancen eines Gastes zurückgewiesen.
  • Daten überprüfen! Bei jeder Hotelbewertung steht, zu welchem Zeitpunkt dieses besucht wurde. In vielen Betrieben ändern sich Gästemix und Belegungsquote übers Jahr radikal. Wer im Juni reist, sollte also vor allem Juni-Einträge lesen.
  • Fakes filtern! Auffällig überschwängliche oder kaltblütig abstrafende Einträge in der jeweiligen Landessprache machen sich besonders verdächtig. Lässt sich hier ein Restaurant-Besitzer von Freunden beklatschen? Oder versucht ein Konkurrent ihn wegzuschreiben? Solche Fake-Einträge sind auf jeden Fall problemlos möglich, auch wenn TripAdvisor gern auf seine rigorosen Kontrollen verweist. Auch hier gilt: Ausreisser weglassen!
  • Und noch ein letzter Tipp: Nicht immer scheint der Spitzenplatz bei TripAdvisor Betriebe zu beflügeln – zuletzt habe ich das wieder in Portugal erfahren müssen. Bei den Ranglisten-Ersten macht sich auffallend oft Arroganz breit. Dann gibts nur eins: Bloss weg!
Publiziert am 19.07.2015 | Aktualisiert am 19.07.2015
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5 Kommentare
  • Andrea  Feldner 20.07.2015
    Ich kann da aus eigener Erfahrung schreiben ich betreibe ein Hotel in Brasilien und eine Dame hat mir aus persönlichen Gründen einen super schlechten Beitrag eingestellt . Alle anderen sind sehr gut aber ich kann den Beitrag nicht rausbekommen obwohl er persönlich ist Soviel zu Tripadviser prüft die Beiträge. Sie hat meinen Pool eine Kloake genannt und falsche Preise eingestellt und Tripadviser meinte ich soll klagen !!!!!!
  • Georg  Ritter 19.07.2015
    Tripadvisor ist als Unternehmen unprofessionnell: Auf Beschwerden mit Belegen wird nicht eingegangen, und die angeblich sorgfältige Prüfung aller Beiträge gibts nicht. Tripadvisor als Reiseführer ist fragwürdig: Was nützt es dem Reisenden, wenn Unwissende miese Spelunken mit schlechtem Service und üblem Essen in den höchsten Tönen loben und umgekehrt? Nichts.
  • John  Doe 19.07.2015
    Ich habe bis vor ca 1 Jahr verschiedene Kommentare auf TripAdvisor abgegeben und auch die APP auf mein Smartphone geladen. Was mich in den verflossenen Monaten stutzig gemacht hat ist die Tatsache, dass ich plötzlich e-mails von TripAdvisor erhalte, welche mich auf meine durchgeführten Reisen hinweisen und fragen wie meine Erfahrungen in den besuchten Städten waren. Es scheint, dass via die APP meine Bewegungen an TripAdvisor gemeldet werden und sie so wissen wo ich war. Geht gar nicht deinstall
  • H.   Heller aus Zürich
    19.07.2015
    Dieser Beitrag bringt es auf den Punkt. Erst denken, dann urteilen. Wen sich zum Beispiel Deutsche über das mediterrane Essen beklagen, weil es nicht unter Saucen "ersäuft", heisst dies, dass hier gut italienisch gekocht wird. Und wenn sich Leute über spielende Kinder beklagen heisst dies für Eltern: da muss ich mit meiner Familie hin. Aufgepasst auch bei allzu billigen Angeboten, die hoch gelobt werden. Geiz ist nicht immer geil und meist lässt die Qualität dann zu wünschen übrig.
  • Kiruna  Jokkmok 19.07.2015
    Leider wird das Portal sehr oft als Frustbewältigung verwendet. Spreche aus eigener Erfahrung, betreibe in Skandinavien einen Campingplatz. Wenn wir einen Gast z.B. freundlich drauf hinweisen, dass er gegen die Regeln verstösst, so folgt in vielen Fällen postwendend einen Negativeintrag. Bei der Wahrheit bleiben die Leute natürlich nicht. Leider können sich die Betreiber geben solche Frust-/Uebelreden schlecht wehren. Ist die Kritik berechtigt, so lernen wir aber gerne daraus.