So klappts künftig mit der Bewerbung Jetzt übernehmen die Personalroboter

Swiss, Manor, die Berner Kantonsverwaltung. In immer mehr Personalabteilungen kommen Computersysteme zum Einsatz, die Bewerbungen aussortieren können.

Bewerbung: Schweizer Firmen wie Swiss setzen auf Roboter-Aussortierung play
So genannte HR-Bots führen die ersten Schritte der Personalauswahl aus. (Symbolbild) PETER NICHOLLS

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Bewerbungen schreiben kostet Zeit und Nerven, ist aber auch spannend: man kann sich und seine Talente gegenüber der Wunschfirma ins beste Licht rücken. Allerdings bekommt die Eigenreklame häufig kein Mensch mehr zu sehen, sondern nur noch ein Computerprogramm. Immer häufiger setzen Personalabteilungen auf Human-Resources-Roboter, auch «Bots» genannt.

«Selbstverständlich arbeiten wir bei der Rekrutierung mit einer IT-Lösung. Anders wäre die grosse Anzahl an Stellenbesetzungen in einer Branche mit hoher Fluktuation schwer zu bewerkstelligen», sagt etwa Manor-Sprecherin Elle Steinbrecher zu SonntagsBlick. Die Swiss benutzt ein vergleichbares System, die Berner Kantonsverwaltung ist dabei, eines einzurichten, und die Post könnte sich vorstellen, es anzuschaffen.

Kreativität bleibt auf der Strecke

Die Gefahr: Kreative Bewerbungen bleiben dabei auf der Strecke. Denn dem Computer ist Ideenreichtum egal. Peder Kerber (36), der in Chur als Bewerbungs-Coach arbeitet, stellt fest: «Die modernsten Suchfunktionen können nach bestimmten Mustern vorselektionieren. Das ist meiner Meinung nach eine sehr schlechte Entwicklung, denn so gehen jegliche Persönlichkeit und alles Zwischenmenschliche verloren.»

Yeng Chow (37), Leiter Rekrutierung beim Personaldienstleister Robert Half in Zürich, ergänzt: «In der Schweiz ist der Nutzen dieser Programme begrenzt. Wir haben Fachkräftemangel. Die Unternehmen können es sich nicht leisten, allenfalls interessante, nicht stromlinienförmige Bewerber auszusortieren.»

Sogar Benedikt Dellert, Sprecher der deutschen Software-Firma HR4YOU – sie bietet solche Programme an und stellt grosses Interesse in der Schweiz fest –, warnt: «Das rein automatische Matching birgt natürlich die Gefahr, das auch gute Bewerber ohne einen ‹Mainstream-Lebenslauf› aussortiert werden.»

Schaut ein Mensch nochmal aufs Dossier?

Alle von BLICK angefragten Firmen hingegen versichern: Keine Bewerbung wird einfach von einem Roboter definitiv aussortiert. Auf jedes Dossier schaut nochmal ein Mensch. Aber darauf verlassen kann man sich nicht. Rekrutierer Chow ist sich sicher: «Diese Programme haben Zukunft. Man muss sich dran gewöhnen.» Vor allem bei grösseren Firmen mit vielen Bewerbern.

Wer sich online bei einer grösseren Firma bewirbt, sollte laut Yeng Chow folgende Tipps beachten:

  • Auf ausgefallene Logos, Symbole und Schriften verzichten! Computer haben Mühe, sie zu entziffern. Schlimmstenfalls werden solche Bewerbungen aussortiert.
  • Alles genau aufschreiben! Jedem Menschen ist klar, dass ein KV-Angestellter mit dem Word-Programm umgehen kann. Einem Bot aber nicht.
  • Schlüsselwörter aus der Stellenanzeige verwenden! Steht in der Anzeige: «teamorientiert», «flexibel», «motiviert»? Dann schreiben Sie das hin – sofern es auf Sie zutrifft.
  • Falsche Rechtschreibung ausmerzen! Menschen verzeihen Tippfehler, ein Computerprogramm nicht. Es erkennt dann das Wort nicht mehr.
  • Das Kommentarfeld am Ende der Bewerbung unbedingt nutzen. Denn das wird garantiert von einem Menschen angeschaut.
Publiziert am 10.10.2016 | Aktualisiert am 11.10.2016
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6 Kommentare
  • Michi  Martin aus Aesch
    10.10.2016
    Ich lasse nun meine Aufforderung zur Steuererklärung und deren Rechnungen auch durch mein System laufen, ist etwas nicht korrekt, wird das gestrichen.
    • Marco  Weber 11.10.2016
      Genau machen Sie das! Immer wieder Lustig was man im Internet so von sich geben kann aber dann der erste ist der die Steuerrechnung auf die sekunde genau pünktlich bezahlt! Aber hauptsache man konnte im Internet so tun als wäre man ein wilder Rebell!
  • Roland  Benz , via Facebook 10.10.2016
    Behauptung: Es herrscht Fachkräftemangel.
    Richtigstellung: Unternehmen werden mit Bewerbungen überflutet.
    Was lernen wir daraus?
    Auch Management, Parlament und Regierung gehören durch Roboter ersetzt!
    • News  Man 11.10.2016
      Natürlich ist der "Fachkräftemangel" ein Ammenmärchen. Die Wirtschaft hat schlicht und ergreifend völlig realitätsfremde Anforderungen und Vorstellungen. Es gibt Stelleninserate für ein Praktikum (!), wofür 3 - 5 Jahre Berufserfahrung erwartet werden!
    • Meier  Ernst aus Erde
      11.10.2016
      @News Man: Natürlich, der Praktikant wird mit einem Hungerlohn abgespiesen. Die Firmen sägen zusehends den Ast ab, auf dem sie sitzen. Früher machte man eine Ausbildung, um in einem Beruf ausgebildet zu werden. Heute haben Firmen zusehends die Erwartungshaltung, potentielle Auszubildende müssten den Lehrstoff schon intus haben um sich überhaupt für einen Ausbildungsplatz qualifizieren zu können. Das funktioniert nicht und deshalb wird auch immer öfters über den "Fachkräftemangel" gejammert.
    • Marco  Weber 11.10.2016
      Herr Benz was genau hat das für einen Zusammenhang das wir Fachkräfte brauchen aber Firmen von Bewerbungen überflutet werden? Glauben Sie ernsthaft die Firmen erhalten nur Bewerbungen von geeigneten Kandidaten?