So irr ist unsere Landwirtschafts-Politik: Weniger produzieren, mehr kassieren

BONSTETTEN ZH - Bauer Werner Locher wollte wissen, wie er mehr aus seinem Hof machen kann. Die Antwort der Agrarbürokraten: Will Locher mehr verdienen, muss er weniger arbeiten.

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Werner Locher (62) ist Bauer mit Leib und Seele. Vor 30 Jahren gab er den Lehrerberuf auf, um seiner Leidenschaft zu frönen: der Arbeit auf dem Acker und im Stall. Auf seinem Hof in Bonstetten ZH hält er 60 Milchkühe, pflanzt Getreide und Mais an und bewirtschaftet 300 Hochstamm-Obstbäume.

Ebenso engagiert ist Locher in der Politik. Er ist Sekretär der bäuerlichen Kampforganisation Big-M, die sich für höhere Milchpreise einsetzt. Egal, ob die Bauern in der Schweiz streiken, in Brüssel protestieren oder dem Papst ihre Anliegen überbringen: Locher ist dabei.

Gebracht hat ihm das alles wenig. Zumindest finanziell. Locher kann krampfen und kämpfen, soviel er will, seine Rechnungen kann er nur bezahlen, weil die Ehefrau als Lehrerin arbeitet. «Die Arbeit auf dem Hof ist eine Nullrunde», sagt Locher.

Das alles stört ihn nicht besonders. Dazu ist Locher zu gerne Bauer. Und es hält auch Sohn Kaspar (27) nicht davon ab, in die Fussstapfen des Vaters zu treten. Doch nur für Gottes Lohn will dieser nicht schuften. Deshalb haben die Lochers Unterstützung beim Zürcher Bauernverband angefordert. Dieser sollte abklären, ob der Hof mit einer anderen Bewirtschaftung mehr abwerfen könnte.

Zehnmal weniger Kalorien, doppelt so viel Direktzahlungen

Und siehe da: Das Potenzial für Zusatzeinnahmen ist enorm. Die Spezialisten des Bauernverbandes schlagen vor, aus der Milchwirtschaft auszusteigen, 40 der 60 Kühe zu verkaufen. Zudem soll die Ackerbaufläche halbiert und das frei werdende Land in eine Buntbrache umgewandelt werden.

Die Produktion würde eingedampft. Heute könnten fast 400 Menschen von den Kalorien leben, die Locher produziert. In Zukunft wären es noch 40. Dafür gingen die Einnahmen vom Staat nach oben: «Durch die ­Betriebsumstellung können die Direktzahlungen auf 200 Prozent optimiert werden», steht in der Analyse.

Das Ergebnis hat Locher in seinem Selbstverständnis erschüttert. «Bei einer Buntbrache reicht es, einmal im Jahr mit der Mähmaschine darüberzufahren und ansonsten die Füsse hochzulagern. Dafür bin ich doch nicht in die landwirtschaftliche Schule gegangen.» Er selber werde nichts Neues mehr anfangen, sagt er. Ob Sohn Kaspar den Betrieb optimiert, ist noch offen.

Volksinitiative soll Klarheit bringen

Locher hofft nun auf die vom Bauernverband eingereichte Initiative für Ernährungssicherheit. Sie will die Produktion wieder in den Mittelpunkt stellen und fordert Massnahmen, um die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln aus einheimischer Produktion zu erhöhen. «Es bringt nichts, wenn wir eine Landwirtschaft haben, die niemand will», sagt Locher. «Das Volk muss jetzt entscheiden.» 

Publiziert am 22.02.2016 | Aktualisiert am 16.04.2016
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32 Kommentare
  • Andreas   Müller aus Vermes
    22.02.2016
    Die Landwirte erhalten Direktzahlungen um die viel höheren Produktionskosten im Vergleich mit dem Ausland auszugleichen. Bei uns kostet Tierarzt Tierarzneimittel Spritzmittel Dünger Saatgut usw. zum Teil mehr als das doppelte. Bei den Maschinen und Bauten sieht das nicht besser aus. Zudem kommt das wir viel Strengere Tierschutzvorschriften haben und nur Wesentlich mehr für unsere Produkte erhalten wie die Kollegen im Ausland. Von den DZ profitieren alle Gewerbe Industrie & Tourismus, also jeder
  • hertig  reinhard aus GIBSWIL
    22.02.2016
    ist es wirklich eine falsche landwirtschaftspolitik? oder doch eher verfehlter Naturschutz??? vielleicht kommt wieder eine zeit, wo wir froh wären um fleisch und Kartoffeln, in der schweiz produziert. statt seltene Blumen auf den Feldern, auf den vergandeten böden. blöde Politik (er).
  • daniela  wyss aus thun
    22.02.2016
    von den bezahlten DZ profitieren/leben: maschinenindustrie, syngenta, pharma inkl.tierärzte, tierschutz, holzbau, verpackung, detailhändler, ökologie, beamtenstellen, und vile andere mehr - VORALLEM die ALV ! denn jeder arbeitslose ist ein gewinn fürs land. oder etwa nicht?
  • ernst  hofmann aus bäch
    22.02.2016
    den wirten wird auch nicht geholfen,die müssen sich auch selbst zuhelfen wissen,bei täglichen 15 bis 18 stunden und das auch bei jedem wetter.die bauern mit ihren besenbeitzen.die gastronomen können auch keine kühe usw ins rest.stellen.
    • Burkhard  Vetsch 22.02.2016
      Versuchen Sie es mal mit den Kühen.
      Landwirte haben keine Ruhetage, aber vielleicht mehr Ideen als Beizer.
    • Schaller  Heiner , via Facebook 22.02.2016
      Sehen Sie die von Ihnen erwähnten "Besenbeizen" etwa als Konkurenz an? Wenn das so ist sollten Sie Ihr Konzept überdenken.
  • Abagail  Sikes aus Fribourg
    22.02.2016
    der betrieb ist eine nullnummer, aber er macht es hat gerne und es ist sein hobby. da muss man als steuerzahlerin halt solidarisch sein und das hobby subventionieren. mir werden ja auch alle zwei jahre neue skis geschenkt vom staat - würde ich traditionelle bretter aus holz fahren sogar jedes jahr! nein im ernst, es ist absurd.. und von wegen ernährungssicherheit: der krieg ist vorbei ihr historiker, der handel ist gewährleistet und auch sicher! hauptsache das volk belästigen und abkassieren..