SNB hebt Mindestkurs auf: Am Bancomat gibts keine Euro mehr

Knall bei der Schweizer Nationalbank. Sie hebt den Mindestkurs auf und senkt den Zins auf −0,75 Prozent.

SNB-Chef: «Rate nicht zur Hortung von Bargeld»

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Wirtschaft

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Aktualisiert:  Uhr
23:00

Nach einem ersten kurzen Taucher heute Morgen fiel der Euro vor wenigen Minuten wieder unter die Paritätsgrenze. Um 23 Uhr notierte er mit knapp 98 Rappen.

19:23

«Die Politik wird mithelfen, die Rahmenbedingungen zu verbessern», verspricht Bundesrat Schneider-Ammann. Es sei nun noch wichtiger, die bilateralen Verträge mit der EU zu sichern. Wichtig sei ausserdem, die Unternehmenssteuerreform III voranzutreiben, um den Unternehmen einen attraktiven Steuerstandort bieten zu können. (SDA)

19:07

Auch der Internationale Währungsfonds wurde vom Vorgehen der Schweizer Nationalbank heute überrascht. Wie IWF-Chefin Christine Lagarde heute sagte, sei man von der SNB nicht kontaktiert worden. «Ich hoffe, dass das abgesprochen war mit den Kollegen von anderen Zentralbanken - ich weiss nicht, ob es das war.» (SDA)

18:28

Ein deftiger Dämpfer: Die Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich (KOF) rechnet nach der Aufgabe des Euro-Mindestkurses mit einer schwächeren Konjunktur und negativen Inflationsraten. Zudem habe der Kurswechsel hohe Kosten und einen Vertrauensverlust für die SNB zur Folge. (SDA)

 

18:22

Auch die ersten Schweizer Tankstellen machen dicht: Hier werden keine Euro-Noten angenommen.

 

17:19

Postfinance hat laut einem Leser-Reporter den Euro-Bezug an ihren Bancomaten gesperrt. Am Vormittag war der Bezug von Euro noch möglich.

16:38

In Polen hat das Ende des Euro-Franken-Mindestkurses Panik ausgelöst. Der durch die Entscheid der SNB ausgelöste Höhenflug des Frankens kommt rund 700'000 Haushalte in Polen teuer zu stehen.

Dies weil sie Immobilienkredite abbezahlen müssen, die in Schweizer Franken abgeschlossen wurden. Die polnische Landeswährung Zloty verlor im Vergleich zum Franken fast 20 Prozent an Wert. Der Leitindex an der Börse in Warschau gab am Mittag rund zwei Prozent nach.

Insgesamt wurden rund 40 Prozent der Immobilienkredite in Polen in Schweizer Franken abgeschlossen. Nach Angaben der polnischen Finanzaufsicht belaufen sie sich auf insgesamt rund 31 Milliarden Euro. (SDA)

16:27

Für alt Bundesrat Christoph Blocher war die Aufhebung des Euro-Mindestkurses nur eine Frage der Zeit. Die Konsequenzen des Entscheids seien absehbar: «Die Arbeitslosigkeit wird zunehmen, schlecht aufgestellte Firmen werden eventuell sogar verschwinden», sagte er.

«Ob der Entscheid der Nationalbank gut ist, kann ich nicht sagen», sagte Blocher. Die Auswirkungen könnten nicht heute und nicht morgen analysiert werden. Es brauche einen weiteren Blickwinkel. «Was heute auf dem Finanz- und Währungsmarkt passiert, ist ein Schock.»

Klar sei aber, dass die Aufhebung des Mindestkurses schwieriger geworden wäre, hätte man noch länger zugewartet. «Alle, die jetzt fluchen, sind die, die sich in den vergangenen Jahren zu wenig gut aufgestellt haben.» (SDA)

16:23

Jetzt hat sich auch der Industrie-Verband Swissmem in einem Communiqué zu Wort gemeldet: Der Entscheid der SNB löse in der Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie «eine grosse Verunsicherung» aus. «Eine anhaltende und spürbare Aufwertung des Schweizer Frankens gegenüber dem Euro und dem US-Dollar könnte viele Unternehmen in ihrer Existenz bedrohen. Nach den grossen Anstrengungen der letzten drei Jahre, die Wettbewerbsfähigkeit zurück zu gewinnen, könnten die Unternehmen nun gezwungen werden, neue, drastischere Massnahmen zu ergreifen.»

16:06

Der Bundesrat hat in einer ersten Stellungnahme zurückhaltend auf den Entscheid der Nationalbank reagiert, den Mindestkurs für den Euro aufzuheben. Die Regierung habe den Entscheid «zur Kenntnis genommen», sagte Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf heute Nachmittag. Sie äusserte sich zu Beginn einer Medienkonferenz, die einem anderen Thema gewidmet war. «Der Bundesrat ist der Auffassung, dass der Wechselkurs weiterhin bedeutsam ist», stellte Widmer-Schlumpf fest. Die SNB werde ihrer Aufgabe entsprechend weiterhin für monetäre Bedingungen sorgen, die eine Deflation oder Inflation verhinderten und einer stabilen Entwicklung der Wirtschaft förderlich seien.

Der Wirtschaftsausschuss des Bundesrates wird sich am Donnerstagnachmittag zu einer Sitzung treffen. Er werde den Entscheid der Nationalbank analysieren und «zu gegebenen Zeitpunkt» über die Erkenntnisse informieren, sagte Widmer-Schlumpf. Dem Ausschuss unter Leitung von Volkswirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann gehören die Finanzministerin sowie Umweltministerin Doris Leuthard an. (SDA)

16:02

Preisüberwacher Stefan Meierhans ist besorgt: «Wenn die Preise in der Schweiz nun nicht rasch sinken, werden wir den Einkaufstourismus nicht los», twittert er.

 

15:37

Auf Twitter wird nun über eine Welle von Einkaufstouristen spekuliert, die am Wochendende über Konstanz rollen könnte

15:30

Das deutsche Wirtschaftsnews-Portal handelsblatt.de zitiert einen Analysten, der vermutet, dass letztlich die Entscheidung der SNB ein Signal für eine bevorstehende grössere Aktion der Europäischen Zentralbank (EZB) sein könnte. Die europäischen Währungshüter kommen in einer Woche wieder zusammen. Seit Wochen werde darüber spekuliert, wann die EZB mit einem umfangreichen Anleihekaufprogramm zur Ankurbelung der Kreditvergabe der Konjunktur in der Euro-Zone unter die Arme greift.

 

15:27

Die Gewerkschaft Unia zeigt sich in einer Mitteilung «konsterniert über den Entscheid der Schweizerischen Nationalbank». Der Entscheid sei «völlig verfrüht und fällt in eine kritische Situation». Er gefährde Tausende von Arbeitsplätzen in Industrie und Tourismus und öffne der Frankenspekulation Tür und Tor.

15:22

Die Aufhebung des Mindestkurses besorgt die Schweizer Uhrenidustrie. Der SNB-Entscheid treffe die Branche in Europa in einer schwierigen Phase, sagt FH-Präsident Jean-Daniel Pasche der Nachrichtenagentur SDA. Die Absätze in den Hauptmärkten Deutschland und Frankreich seien bereits stark rückläufig. Und darüber hinaus hapere es auch in Asien. Die Wechselkurse seien in der Uhrenindustrie ständig ein Thema. Um den Franken gegenüber dem Euro zu schwächen, habe sich die Branche auch hinter den Mindestkurs gestellt. Was nun geschehe, drehe die Uhr drei Jahre zurück. Es sei leicht, der Industrie zu sagen, sie müsse sich anpassen, moniert Pasche. Die Produktionskosten würden aber in Franken anfallen, weil man sich für den Industriestandort und «Swiss made» einsetze. Auch wenn sich der Kurs in den nächsten Tagen etwas einpendeln könnte, befürchte er einen anhaltend starken Franken.

15:02

Der Verband der Schweizer Gastronomie, GastroSuisse, hat den Entscheid «mit grosser Sorge zur Kenntnis genommen», heisst es in einer Mitteilung. Dieser Entscheid sei sehr überraschend, da die SNB erst kürzlich unmissverständlich am Mindestkurs festgehalten habe. Die rund 20'000 Mitgliederbetriebe seien von diesem Schritt «unmittelbar und negativ betroffen».

 

14:50

Ökonom Klaus Wellershoff nennt Blick.ch die Folgen des SNB-Entscheids: «Jetzt macht wieder der Markt den Kurs. Wir müssen damit rechnen, dass der Franken stärker sein wird als vor der Aufhebung. Ob uns das zur Parität führt, hängt von der Angst der Schweizer vor dem Euro ab. Bis jetzt haben ja nur die Devisenmarktteilnehmer reagiert. Wenn in den kommenden Tagen die Unternehmen ihre Euro-Einnahmen wieder kurssichern und Schweizer Anleger sich vom Euro verabschieden, kann der Franken sogar noch stärker werden.» Sichert die SNB erneut die Kurse? «Ein neuer Mindestkurs wäre sehr überraschend. Die SNB hat ja sehr klar gesagt, dass sie das Instrument in der augenblicklichen Lage für ungeeignet hält», sagt Wellershoff.

 

14:43

Bei der ZKB können weiterhin Euro-Noten bezogen werden, wie Sprecherin Evelyne Brönnimann auf Anfrage von AWP sagte. Dies sei möglich, weil die Kurse halbstündlich aktualisiert würden. Bei Raiffeisen gibt es laut einem Firmensprecher «keine generelle Anweisung» zur Einschränkung des Euro-Bezugs: «Die einzelnen Raiffeisenbanken entscheiden eigenständig und situativ.»

14:41

Nach dem SNB-Entscheid können an den Geldautomaten von Postfinance derzeit keine Euro-Noten mehr bezogen werden. Dies sagte Sprecher Johannes Möri auf Anfrage von AWP. «Wir haben nach dem Entscheid der SNB den Devisenhandel vorübergehend ausgesetzt.» Dies gelte für die Postomaten, aber auch für Internettransaktionen. «Am Devisenmarkt findet derzeit keine adäquate Preisbildung statt», begründete Möri die Massnahme. Wann der Stopp aufgehoben wird, sei derzeit noch offen.

14:22

Nicht nur Euro und Dollar verlieren gegenüber dem Schweizer Franken an Wert, sondern auch osteuropäische Währungen. Der polnische Zloty und der ungarische Forint büssen rund 18 Prozent ein. Der Grund: In osteuropäischen Ländern gibt es viele Leute mit Franken-Hypotheken. Diese sind auf einen Schlag massiv teurer. Die Börsen in Warschau oder Prag leuchten entsprechend tiefrot. (kaz)

In einer Mitteilung schreibt die SNB: «Die Schweizerische Nationalbank hebt den Mindestkurs von 1.20 Franken pro Euro auf. Zugleich senkt sie den Zins für Guthaben auf den Girokonten, die einen bestimmten Freibetrag übersteigen, um 0,5 Prozentpunkte auf −0,75 Prozent.»

Der Mindestkurs wurde am 6. September 2011 eingeführt. Das sei in einer Zeit der massiven Überbewertung des Frankens und grösster Verunsicherung an den Finanzmärkten gewesen, schreibt die SNB.

Die Massnahme habe die Schweizer Wirtschaft vor schwerem Schaden bewahrt: «Der Franken bleibt zwar hoch bewertet, aber die Überbewertung hat sich seit Einführung des Mindestkurses insgesamt reduziert.»

Einer der Gründe ist die Tatsache, dass sich der Euro gegenüber dem US-Dollar deutlich abgewertet hat. Dadurch wurde auch der Franken zum US-Dollar schwächer.

Die SNB sei «vor diesem Hintergrund zum Schluss gekommen, dass die Durchsetzung und die Aufrechterhaltung des Euro-Franken-Mindestkurses nicht mehr gerechtfertigt sind».

Die SNB will «bei Bedarf» am Devisenmarkt aktiv bleiben, um die monetären Rahmenbedingungen zu beeinflussen. Der Markt reagierte sofort. Der Kurs kennt nur eine Richtung: Nach unten. Der Euro kostete zunächst 1.16 Franken, um 11.30 Uhr notierte er bei 1.05.

Aber auch alle anderen Währungen notierten gegenüber dem Franken deutlich im Minus: Der US-Dollar sackte um 12 Prozent auf 89 Rappen ab, der japanische Yen brach zwischenzeitlich gar um 30 Prozent ein.

Daniel Kalt, Chefökonom von UBS Schweiz, ist «total überrascht». Für die Exportindustrie sei die Aufhebung der Untergrenze «ein kleiner Schock».

Auch die Nationalbank selber gehört zu den Verlierern. Er rechnet vor, dass die SNB innert weniger Sekunden 20 Milliarden Franken auf ihren Devisenreserven verloren hat. Das ist die Hälfte des SNB-Gewinns, der vor wenigen Tagen kommuniziert wurde.

Erste Politiker kommentieren den Schritt auf Twitter:

 

 

(alp)

Publiziert am 15.01.2015 | Aktualisiert am 15.01.2015
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Kurz nach der Ankündigung tauchte der Euro-Kurs auf 1.10. play

Kurz nach der Ankündigung tauchte der Euro-Kurs auf 1.10.

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Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hebt den Mindestkurs nach drei Jahren auf. play
Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hebt den Mindestkurs nach drei Jahren auf. Keystone
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71 Kommentare
  • Willi  Schlumpf 16.01.2015
    Der Euro und der US$ sind bald wertloses Geld, die BRD will
    auch raus aus dem Euro, DM haben die schon gedruckt und
    koennen sofort handeln.
  • Ralf  Felten aus Basel
    16.01.2015
    Zur Beruhigung...Es gibt überall Auszahlungen an Automaten ind Schweiz in Euro und CHF in Frankreich und Deutschland in Euro. Keine Panik für die stabilste Währung und die sicherste Demokratie der Welt. Hopp Schwyz
  • Hertzog  Adrian 15.01.2015
    ui, jetzt lupft es ein paar hüte... ich finds, bei allem respekt, sehr amüsant die ganze story. die kleine schweiz, nicht mal in den g20 staaten... aber diese eine entscheidung nun. milliarden wert. also ja, wert, villeicht eher verlustreich...

    ...to be continued...
  • jürg  frey aus teufen
    15.01.2015
    Der Teuro macht dem Rubel Konkurrenz. Wer ist nicht auch ein bisschen Stolz auf Helvetia! Die Kritik aus dem Euroraum wird nicht lange auf sich warten lassen. Deutschland muss vermutlich wieder Grenzkontrollen einführen, damit nicht alle Autos überladen heimkehren vom Einkaufen! Ehrlich, irgendwie hab ich ein bisschen Schadenfreude die ich nicht verkneifen kann. Fehlt noch der Austritt aus der Union von GB.
    • Peter  Inder Schroten 15.01.2015
      Verstehe ich nicht. Wieso sollte Deutschland sich gegen mich mehr einkaufende Touristen wehren?? Und die Euro-Schwäche ist gewollt. So kann der Euro-Raum mehr exportieren!
  • jürg  frey aus teufen
    15.01.2015
    Für mich zeigt das Ganze nur eines und das ganz deutlich: Was für eine Sch.... Währung in der Union gehandelt wird, die so über alles gelobt wird. Gut haben wir unser Fränkli, auch wenn es die Wirtschaft und den Tourismus im Moment schwächt, wir sind ein sicherer Hafen. Was für ein Desaster, wären wir zu einem Zeitpunkt in dieser Währung € beigetreten. Gott sei Dank nicht und ich hoffe das bleibt so. Tschau Griechenland, andere werden folgen!