SNB-Direktorin über Negativzinsen «Wir haben weiteren Senkungsspielraum»

Die Schweizerische Nationalbank kommuniziert selten offensiv. Darum erstaunt die Aussage von SNB-Direktorin zu den Negativzinsen. Man sei bei einem Satz von 0,75 Prozent noch nicht am Ende der Möglichkeiten angelangt.

Äusserte sich heute in Genf erstaunlich offen zum Thema Negativzinsen: SNB-Direktionsmitglied Andréa Maechler. play

Äusserte sich heute in Genf erstaunlich offen zum Thema Negativzinsen: SNB-Direktionsmitglied Andréa Maechler.

Keystone

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Die Schweizerische Nationalbank (SNB) ist mit ihrem Negativzins von 0,75 Prozent noch nicht am Ende ihrer Möglichkeiten angelangt. «Wir gehen davon aus, dass wir, falls nötig, noch einen gewissen weiteren Zinssenkungsspielraum haben», sagte SNB-Direktoriumsmitglied Andréa Maechler (47) in Genf.

Das Potenzial für Zinssenkungen im negativen Bereich sei durch die effektive Zinsuntergrenze begrenzt, sagte Maechler in einer Rede am Geldmarkt-Apero. Diese Untergrenze werde unter anderem durch die Kosten der Bargeldhaltung bestimmt. «Wo diese Zinsuntergrenze liegt, ist nicht exakt bestimmbar.»

Die Übertragung des negativen Zinses auf die Geld- und Kapitalmärkte verlaufe bei einer Zinsänderung im negativen Bereich praktisch gleich wie im positiven Bereich.

Inländische Anlagen gesucht

Dagegen sei im Bankensystem die Übertragung des Negativzinses uneinheitlich. Da die Einlagenzinsen der Banken mehrheitlich bei null verharrten, seien auch die Kreditzinsen, insbesondere jene am Hypothekarmarkt, weniger stark gesunken als die Zinssätze am Geld- und Kapitalmarkt. «Diese unvollständige Transmission auf die Kreditzinsen ist aus Sicht der Nationalbank im aktuellen Umfeld nicht unerwünscht», sagte Maechler.

Bezüglich der Auswirkungen des Negativzinses auf die Investoren stelle die SNB fest, dass vor allem inländische Anlagen gesucht würden. Die von der Wirtschaft erzielten Leistungsbilanzüberschüsse würden nämlich meist in Franken umgetauscht und nicht, wie früher, im Ausland investiert.

«Geldpolitisch durchaus erwünscht»

«Dies trägt massgeblich zur Frankenstärke bei. Hier wäre die Bereitschaft der grossen Investoren, gewisse zusätzliche Risiken auf sich zu nehmen, geldpolitisch durchaus erwünscht», sagte Maechler. Die SNB hält den Franken nach wie vor für signifikant überbewertet.

Die geldpolitische Lockerung der grossen Zentralbanken durch ihre billionenschweren Kaufprogramme von Wertpapieren an den Finanzmärkten zeigten Wirkung. Die Programme der US-Notenbank Fed, der Europäischen Zentralbank (EZB), der Bank of England und der japanischen Notenbank dürften über die über die verschiedenen Währungsräume hinweg die Zinsen zehnjähriger Staatsanleihen im Mittel um gut einen halben Prozentpunkt reduziert haben, sagte Maechler. (pbe/SDA)

Publiziert am 17.11.2016 | Aktualisiert am 17.11.2016
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10 Kommentare
  • Schwitter  Toni aus Zürich
    18.11.2016
    Ja mit solch einer Geldpolitik bringt man jeden Staat in den Bankrott. Ich frage mich langsam woher es kommt, dass Schweizer Firmen immer mehr in Ausländer Hände gehen, ob wohl besagtes Land angeblich Bankrott sei. Beispiel Firma Vögele = Italien?
    Da wir immer die angebliche Frankenstärke vorgeschoben, dies ist NONSENS. Ich denke das die EU gerne sehen würde, wen die Schweiz Bankrott ginge, was wen es so weiter geht nicht mehr lange dauern dürfte.
  • Rolf  Hess 18.11.2016
    Die SNB ist also noch nicht am Ende der Vernichtung von Pensionskassengeld der arbeitenden Bevölkerung. Wie wir wissen, pumpt die EU monatlich EURO im zweistelligen Milliardenbereich auf den Markt, um ihre Währung zu schwächen. Es ist doch Irrsinn, wenn sich unserer Gnomen der SNB alle Mühe geben, gegen diesen Gelddruckapparat EU anzukämpfen.

    • Thomas  Stalder , via Facebook 18.11.2016
      Schöner Nebeneffekt für die SNB: Negativzinsen sind für die SNB risikolose Einnahmen. Damit können die Reserven alimentiert werden, was dringend notwendig ist. Brechen die Bond- und Aktienmärkte um 15 Prozent ein, dann macht die SNB mit einer Bilanzsumme von über 700 Mia (!) einen Abschreiber von über 100 Mia, was sie technisch in den Konkurs (Überschuldung) treiben wird. - Wer sind schon wieder die Hauptaktionäre des SNB? - Die Kantone und die Kantonalbanken... - Alles klar?
  • Reto  Derungs , via Facebook 18.11.2016
    Die Angst steht ihr ins Gesicht geschrieben. Der Chef hat sie vorgeschickt, weil er weiss, dass sie nicht die Wahrheit verkündet. Denn mit Trump haben ich die Aussichten der US-Wirtschaft verbessert, zulasten jener der EU. Widerspiegelt sich in der Entwicklung des Kursverhältnisses USD/EUR. Eine Erhöhung der Negativzinsen steht damit nicht zur Diskussion, im Gegenteil. Denn die SNB orientiert sich nicht nur am Euro, sondern auch am USD. Hat sie jedenfalls behauptet.
  • Antonio  Ceresa , via Facebook 18.11.2016
    Ich behaupte heute wie damals, dass die Aufhebnung des Mindestkurses und Einführung der Negativzinsen eine Schnapsidee war. Heute mehr denn je, in einem Umfeld der völlig verschuldeten EU und der Geldschwemme von Draghi sind die Negativzinsen kein Heilmittel für die Frankenstärke, was man heute an den Kursen von Dollar-Euro-Franken sehr gut erkennen kann. Sollte der SNB nichts besseres einfallen, werden die Grenznahen KMUs mit der Zeit nach der Verschuldung in die Liquidierung gedrängt.
  • Arnold  Sommerhalder aus Walterswil
    17.11.2016
    Die Rechnung (Fehlbetrag) zwischen Soll (realer Warenwert) und Haben (Buchungwert von Aktien) wird der ganzen Finanzwelt und leider auch dem Bürger zur Last gelegt werden. Das wird ein Desaster geben.