Sie will peitschen, er will denken

  • Publiziert: 31.01.2009, Aktualisiert: 02.01.2012

BERN – Der Druck auf die UBS wegen ihrer Boni nimmt zu: Bundesrätin Doris Leuthard will, dass die Bank die Zahlen schon jetzt offenlegt. UBS-Chef Kurer denkt darüber nach, hält aber vorerst am Fahrplan fest.

«Wir haben die Position von Frau Leuthard zur Kenntnis genommen und werden es sicher nochmals diskutieren», sagte Kurer heute dem Schweizer Fernsehen (SF) in Davos. Er gehe aber vorderhand davon aus, dass die UBS wie angekündigt am 10. Februar informieren werde.

Das hänge auch mit börsenrechtlichen Vorschriften zusammen, sagte Kurer. Es sei niemandem gedient, wenn man die Dinge nun überstürze, nur um sie später wieder korrigieren zu müssen. Die UBS könne die internen Prozesse «nicht ad hoc derart beschleunigen».

Leuthard hatte der «Berner Zeitung» gesagt: «Ich bin der Meinung, dass die UBS rasch Transparenz schaffen muss, nachdem der Verwaltungsrat die entsprechenden Entscheide gefällt haben wird.» Diese Information sollte noch vor der Bilanzkonferenz vom 10. Februar erfolgen. «Dann wird vielleicht auch alles erklärbarer und transparenter.»

Das sei in einer solchen Situation wichtig. «Die Leute auf der Strasse müssen wissen, wie viel die UBS-Banker an Fixlöhnen und an variablen Entschädigungen bezogen haben. Und zwar schnell», sagt Leuthard.

Nur ein kleiner Teil der variablen Entschädigung seien Boni im klassischen Sinn, also eine Gewinnabschöpfung. Im variablen Lohnanteil enthalten seien beispielsweise auch die dreizehnten Monatslöhne, Dienstaltersentschädigungen oder umsatzabhängige Entschädigungen.

Kurer: Milliardenreduktion bei Salären

Kurer betonte, die variablen Lohnkomponenten seien für die UBS sehr wichtig. Denn sie ermöglichten es, in einer Krise die Lohnkosten rasch stark zu reduzieren.

Zudem solle man jetzt nicht zurück-, sondern vorwärtsblicken. «Wir werden unsere gesamten Saläre – Fixsaläre und variable Lohnkompenenten – in einem Beitrag reduzieren, der Milliarden höher ist als die sechs Milliarden, die die Schweizer Regierung in die UBS einbezahlt hat».

Die UBS habe die Bonuszahlungen in der gesamten Industrie am stärksten heruntergefahren. Sie verfolge die aggressivste Politik im Salärbereich. Er habe aber Verständnis dafür, dass die Bonuszahlungen für Diskussionen sorgten.

Gegen Lohnobergrenzen

Leuthard sprach sich in dem Interview gegen Obergrenzen für Banker – wie überhaupt für alle Wirtschaftsbereiche – aus. Allerdings sagte sie auch: «Für mich ist klar, dass die Lohnunterschiede zwischen dem Bankensektor und den übrigen Bereichen zu gross geworden sind. Die Löhne der Banker müssen sinken, das steht für mich fest.»

Allerdings sei es «nicht die Sache des Staates, festzulegen, wie hoch die Löhne des Managements sein dürfen». Dafür seien die Aktionäre zuständig, sagt Leuthard. Deshalb wolle der Bundesrat auch die Rechte der Aktionäre stärken. Mehrere ausländische Regierungen hingegen hatten jenen Banken, denen der Staat zur Hilfe eilen musste, Obergrenzen für Managerlöhne auferlegt.

Aufspaltung als Option

Zur weiteren Zukunft der angeschlagenen beiden Schweizer Grossbanken, für die im Bundesrat direkt Finanzminister Hans-Rudolf Merz zuständig ist, sagte Leuthard, UBS und Credit Suisse stellten von ihrer Grösse her tatsächlich «ein Klumenrisiko» dar.

Die beiden Grossbanken überlegten sich deshalb, wie sie ihre Strukturen anpassen können. «Eine Option ist hier eine Trennung der Geschäftszweige Private Banking und Investment Banking.» Der Staat könne einer Bank aber nicht einfach befehlen, dass sie gewisse Unternehmensteile verkaufen muss.

«Dies hätte überdies den Verlust von Arbeitsplätzen und Steuereinnahmen zur Folge». Zudem verweisen Experten darauf, dass spätestens seit dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers im September kaum ein vernünftiger Verkaufspreis erzielt werden könnte.
(SDA/gux)

play Mahnt die Banken: Bundesrätin Doris Leuthard. (Keystone)

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