Sex-Affäre bei der Unia Personal meutert gegen Chefin

ZÜRICH - Die Unia-Personalkommission wirft der Geschäftsleitung Fehlverhalten in der Affäre Burger vor. Sie hat «die konstruktive Zusammenarbeit» aufgekündigt.

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Roman Burger (39), Leiter der Unia-Region Zürich-Schaffhausen, wird nicht mehr für die Gewerkschaft arbeiten. Dies gab die Unia am Freitag bekannt.

Burger soll eine Mitarbeiterin per SMS wochenlang sexuell belästigt haben, eine weitere warf ihm vor, sie körperlich bedrängt zu haben. Die Gewerkschaft liess den Fall von einer externen Stelle abklären, Burger wurde ermahnt.

Doch der öffentliche Druck nahm zu. Burger habe «gravierende Fehler» begangen, räumte Unia-Präsidentin Vania Alleva (47) am Freitag vor den Medien ein. «Ich bin erschüttert, dass bei einer Unia-Führungsperson ein solches Verhalten festgestellt werden musste.»

Mit Burgers Freistellung ist die Affäre aber offenbar nicht ausgestanden. Wie interne Dokumente zeigen, die SonntagsBlick vorliegen, ist die Gewerkschaft in der Frage des Umgangs mit dem Fall Burger tief gespalten.

Bereits am 8.September erreichte der Konflikt eine neue Dimension: An diesem Tag kündigte die Personalkommission (Peko), welche die Arbeitnehmer der Unia selbst vertritt, «die konstruktive Zusammenarbeit mit der Geschäftsleitung» auf.

Begründung: Die Geschäftsleitung um Vania Alleva habe der Personalkommission das Gespräch zum Fall Burger verweigert. Zudem, so die Vorwürfe weiter, sei die Geschäftsleitung nicht auf die Forderungen der Personalvertreter eingegangen.

Zum einen verlangte die Peko Einblick in das Ergebnis des Untersuchungsberichts und in die vorgeschlagenen Massnahmen. Die zwei betroffenen Frauen unterstützten dies. Die Geschäftsleitung aber verweigert die Freigabe des Berichts, er enthalte «höchstpersönliche Informationen».

Zum andern forderte die Personalkommission, die Verwarnung eines Mitglieds aufzuheben.

Sie hatte im Juni von der Affäre um Roman Burger erfahren und sich an Nico Lutz (45) gewandt, dessen damaligen Vorgesetzten. Kurz danach bekam der Personal-Vertreter selbst eine Verwarnung seiner regionalen Geschäftsleitung, also eine schärfere Sanktion als die Ermahnung von Roman Burger.

«Offenbar will man die Personalkommission mundtot machen, weil diese am Fall rüttelt», vermutet ein Insider. Unia-Chefin Vania Alleva versuchte an der Pressekonferenz, solche Vermutungen zu zerstreuen. Der Personalvertreter sei zuerst ermahnt worden. Er habe im Umgang «mit besonders schützenswerten Informationen» einen Fehler gemacht. «Als es wieder vorgekommen ist, also keine Besserung stattgefunden hat, wurde er verwarnt», so Alleva.

Allerdings hatte Burger zum Zeitpunkt der Verwarnung seine Mitarbeiter bereits persönlich informiert – von Geheimnisverletzung könne demnach keine Rede sein, empört sich der Insider. Zudem habe die von Alleva angesprochene Ermahnung des Personalvertreters einen ganz anderen Fall betroffen. Alleva hingegen habe den Eindruck erweckt, Ermahnung wie auch die Verwarnung bezögen sich auf den Fall Burger.

Die Geschäftsleitung rudert jetzt zurück. Niemand habe behauptet, dass sich Ermahnung und Verwarnung auf denselben Fall bezögen, wie Unia-Sprecher Pepo Hofstetter auf Anfrage mitteilt. Das Peko-Mitglied sei wiederholt unkorrekt mit vertraulichen Daten über Drittpersonen umgegangen.

Die Personalkommission ist jedoch nicht nur empört, weil eines ihrer Mitglieder verwarnt wurde. Sie kritisiert vor allem den milden Umgang mit Roman Burger. Dass ein «hochrangiger, leitender Kollege von euch» wegen sexueller Belästigung nur ermahnt werde, zeige für viele, «dass mit zweierlei Mass gemessen wird und man sexuelle Belästigung wohl als Kavaliersdelikt ansieht».

Stelle man Burgers Vergehen anderen Delikten gegenüber, sei dies «frappierend», heisst es weiter im Mail der Peko-Vertreter: So sei zwei anderen Kollegen fristlos gekündigt worden – ohne dass es in ihrem Fall jemals eine Untersuchung gegeben habe. In jedem anderem ­Betrieb würde eine sexuelle Belästigung durch eine Führungskraft massiv geahndet und hätte entweder eine fristlose Kündigung oder sofortige Suspendierung zur ­Folge, heisst es in dem Mail an ­Alleva. «So anscheinend nicht bei der Unia. Das ist mehr als unglaubwürdig.»

Die Geschäftsleitung erklärt, sie könne den Vorwurf, der Peko keine Gespräche angeboten zu haben, nicht nachvollziehen. Sie habe dem dreiköpfigen nationalen Peko-Auschuss mehrmals ein Gesprächsangebot gemacht – letztmals für Freitagnachmittag. Da war die Situation aber schon längst eskaliert, der Bruch schon über eine Woche alt.

Die Unia-Chefin bemüht sich nun um Aussöhnung mit der Personalkommission. Alle Mitglieder sind zu einem Workshop für nächste Woche eingeladen.

Publiziert am 18.09.2016 | Aktualisiert am 29.09.2016
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24 Kommentare
  • Sandra  D. aus VS
    19.09.2016
    und wiedermal wettern hier alle gegen die gewerkschaft. das tut doch hier nichts zur sache. für burger eine fristlose kündigung, etwas anderes gibt es nicht. und das eine präsidentin wie vania aleva das quasi noch unter den teppich kehren will, rücktritt per sofort. sowas geht doch gar nicht.
    ich sage ja immer, als arbeitgeber ist die gewerkschaft alles andere als vorbildlich.
  • Bruno  Janthiang aus Nong Prue
    19.09.2016
    Jetzt stellt euch vor, eine Firma hätte dieses Problem. Die Uni würde Proteste organisieren, wenn die Geschäftsleitung so vor gehen würde wie sie selbst.
  • Fritz  Blasimann 18.09.2016
    Ist nur mir augefallen, dass in Gewerkschaften oft Leute sitzen mit italienischen Nämen. So wie z.B. auch der schweizerisch-italienische Doppelbürger, Gewerkschafter und SP Nationalrat Pardini?
    Italienische Gewerkschaften sind ja dafür bekannt, dass sie den Arbeitsmarkt im eigenem Land zerstört haben. Dank den Gewerkschaften erhalten heute viele Italiener gar keine Festanstellungen mehr.
    • Jürg  Brechbühl aus Eggiwil
      19.09.2016
      Viele sind gleichzeitig Mitglied in der K0mm1nistischen Partei Italiens.
  • gregor  Surer aus ebikon
    18.09.2016
    ... ein Workshop solls richten - was für eine Handhabe ist das denn? Eine Sekte kommt dem Verhalten des Vorstands am nähesten. Ich sehe auch keinen Unterschied mehr ...
  • Renato  Tivoli aus Luzern
    18.09.2016
    Ich gebe Ihnen absolut recht: Ich machte eine Massenentlassung mit. Solange die Medien vor Ort sind, standen die Gewerkschaften mit ihren Fahnen schön bereit. Unia und Syna bekämpften sich gar, wer denn nun in der ersten Reihe schön medial sich ins Szene setzen konnte (Protestmarsch) ... Lächerliches und peinliches Schauspiel. Gebracht hat es null und nichts. Und als die Medien verschwanden, war von den Gewerkschaften nichts mehr zu hören und zu spüren. Mei, war das enttäuschend!