Frauenquote – ja oder nein? Selbst Frauen sind nicht einig

  • Publiziert: 10.02.2011, Aktualisiert: 02.01.2012
  • Von Irène Harnischberg

Brauchen Frauen Quoten, um ganz an die Firmenspitze zu kommen? Auch Frauen sind sich nicht einig.

Nach der hitzig geführten Debatte über Frauenquoten in Deutschland ist das Thema jetzt auch in der Schweiz angekommen. Einer der Gegner von Quoten ist Gerold Bührer (62), Präsident des Wirtschaftsdachverbands Economiesuisse. «Frauen müssen gefördert werden, wir haben einen grossen Nachholbedarf», räumt er BLICK gegenüber ein. Aber er halte überhaupt nichts von einer Quote. Für ihn sei klar, dass es in den kommenden Jahren auch ohne eine solche Regelung mehr Frauen in Managementpositionen geben werde. «Es gibt immer mehr Frauen, die wirklich auch an die Spitze wollen», sagt Bührer. Er selber hat als Präsident von Economiesuisse seine Worte bereits in erste Taten umgesetzt.

SBB-Spitzenfrau ist dafür

In der Geschäftsleitung und im Vorstand sitzen jeweils drei Frauen. Eine davon ist Isabelle Welton (48), CEO von IBM Schweiz und eine Befürworterin von Frauenquoten. Skeptischer zeigt sich dagegen Carolina Müller-Möhl (43), erfolgreiche Unternehmerin. Für die Nestlé-Verwaltungsrätin ist eine Quote «Ultima Ratio». Quoten hätten für Frauen einen negativen Beigeschmack. Eine klare Befürworterin dagegen ist Jeannine Pilloud (46), ab April die neue Leiterin Personenverkehr und erste Frau an der Führungsspitze der SBB. Eine Quote sei ein notwendiges Übel, um etwas in Bewegung zu setzen.

Man könne noch so viel über die Vorteile der Vielfalt schreiben, wenn es ernst gelte, besetze ein Manager eine freie Stelle am liebsten mit einer Person, die ihm ähnlich sei, sagte die künftige Chefin von 13 000 Angestellten in Interviews.

Eine Umfrage der Beratungsfirma McKinsey zeigt übrigens, dass 90 Prozent der Frauen, die vor fünf Jahren noch gegen Quoten waren, heute zu 90 Prozent dafür sind. Und zwar aus dem einfachen Grund, weil sich zu wenig bewegt hat in den Führungsetagen.

Isabelle Welton, Country General Manager IBM

«Unternehmen müssen sich Quoten setzen – nur was gemessen wird, wird auch umgesetzt. Ohne Druck geschieht nichts. Eine Frauenquote in Firmen muss keinesfalls zu Quotenfrauen führen – ich sehe mich nicht als Quotenfrau.»

Carolina Müller-Möhl, Unternehmerin

«Wissenschaftliche Studien, Zahlen und Fakten beweisen uns schon seit langem, dass gemischte Teams erfolgreicher sind. Entsprechend hat die Einführung von Quoten vor allem für uns Frauen einen negativen Beigeschmack. Sie ist Ultima Ratio. Schade, wenn wir zu solchen Mitteln greifen müssten. In der Schweiz gibt es nämlich qualifizierte und kompetente Frauen. Auf dieses wertvolle ‹human capital› zu verzichten, sollten wir uns schlichtweg nicht leisten. Denn: Frauenkarrieren zu fördern, bedeutet, unseren wirtschaftlichen Wohlstand langfristig zu sichern. Begabung kennt schliesslich kein Geschlecht!»

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