Deutscher Discounter expandiert Aber Schweizer wollen kein Billig-Brot

  • Publiziert: 04.10.2012, Aktualisiert: 05.10.2012
  • Von Ulrich Rotzinger

Bei Backwerk macht der Kunde die Arbeit. Dafür gibts Discountpreise. Schweizer Bäcker nehmen die Neueröffnung gelassen.

Das Jumbo-Gipfeli für 1.25, das Sandwich ab 6.95 Franken: Bei Backwerk lädt der Kunde die Ware aufs Tablett, zahlt und packt danach selbst ein. «Darum können wir bis zu 40 Prozent tiefere Preise anbieten als der traditionelle Bäcker», sagt Chef Dirk Schneider zu BLICK.

Nach Schaffhausen vor über zwei Jahren eröffnete der deutsche Brötchen-Discounter gestern seine zweite Schweizer Selbstbedienungs-Bäckerei in Zürich.

Grosse Pläne für die Schweiz

Dabei hatte man grosse Pläne: Drei Läden im ersten Jahr, über 20 bis 2014, der Deckel sei bei 100 Filialen in der Schweiz erreicht. «Das sind heute noch unsere Ziele», sagt Schneider, aber es gebe zu wenig Laden­lokale an hochfrequentierten Lagen. Weil die Filialen im Franchise-System vergeben werden, miete man nur, wenn der Franchise-Nehmer das Geschäft profitabel betreiben könne.

In Deutschland und fünf weiteren europäischen Ländern hatte Schneider mit seinem Billig-Brötchen-Konzept bisher Erfolg: Im 2011 setzte Backwerk 153 Millionen Euro um - ein Plus von 11 Prozent gegenüber 2010. Über 2000 Mitarbeiter arbeiten an den insgesamt 286 Standorten.

Schweizer achten beim Brot mehr auf Qualität als auf den Preis

Doch haben die Billig-Backwaren, die hinter dem Ladentisch aufgebacken werden, bei den qualitätsbewussten Schweizern eine Chance? «Schweizer sind beim Brotkauf weniger preissensibel», weiss Beat Kläy, Direktor des Bäcker-Konditorenmeister-Verbands. Discount-Bäcker hätten es darum schwer. «Die Tatsache, dass Backwerk bis heute erst zwei Läden eröffnet hat, sagt ja schon einiges.»

Backwerk-Chef Schneider will am Ball bleiben und «dem beschleunigten Lebensstil» auch in der Schweiz Rechnung tragen. Und apropos Qualität: Wie Migros verkaufe man Backwaren von Schweizer Lieferanten wie Jowa.

Migros stoppt eigene Selbstbedienungbäckerei

Auch Mitbewerber krebsten zurück: Nach nur einem Jahr gestoppt wurde das Backwerk-Konkurrenzangebot der Migros am Bahnhof in Aarau. «Wir haben das Pilotprojekt Bake-away beendet», sagt eine Sprecherin auf Anfrage. Jetzt stehe dort ein Migrolino.

In der Vergangenheit hat sich auch die französische Bäckerei-Kette Paul in der Schweiz die Finger verbrannt und 2009 alle Filialen wieder geschlossen.

 

Schauen Sie beim Brot auf den Preis?»

Beliebteste Kommentare

  • Nils  Otte , Schliengen , via Facebook
    Liebe Schweizer, lasst Euch Euer gutes Brot und die ehrlich arbeitenden Handwerksbetriebe nicht durch diese Billig-Aufback-Bäcker kaputt machen. In Deutschland schliessen immer mehr kleine Betriebe, weil sie dem Preisdruck durch die Massenfertigung nicht standhalten können. Schmecken tut dieser Billig-Mampf aber überhaupt nicht.
    Jedoch findet man in Deutschland nun kaum noch Bäcker, wo der Teig noch von Hand geknetet wird. Wieder ein Ergebnis der Geiz-ist-geil-Mentalität...
  • Karl  Kunz , Schaffhausen
    Kenne das Backwerk und finde es nicht wirklich gut.
    Auch wenn es ein paar Rappen billiger ist merkt man, dass das Brot nicht wirklich frisch ist. Aufbackware eben.
    Gebe lieber etwas mehr aus für mein sandwich was nicht mal unbedingt der Fall ist
    Nebenbei unterstütze ich 1000mal lieber den Bäcker.

Alle Kommentare (48)

  • Alan  Schmid , via Facebook
    "Sandwich ab 6.95 Franken" und das soll Billig sein?
    • 05.10.2012
    • 32
    • 1
  • Vanessa  Meier
    Backwerk ist nicht billiger als die Supermärkte. Sie sind ein nur billiger als Bäckereien. Ich war schon in einigen Filialen in Deutschland. Diese befinden sich in Innenstädte und die Getränke sind nicht billig. Die Bäckereien müssen sich also nicht fürchten, da das Sortiment bei Backwerk sehr bescheiden ist. Bei Aldi oder Kaufland bekommt man billigeres Brot und Sandwiches und mehr Auswahl. Bei Bäckereien bessere Qualität. Jeder muss selber entscheiden. Ich denke nicht, dass sich Backwerk in der CH grossflächig durchsetzen kann.
    • 05.10.2012
    • 19
    • 4
  • Peter  Meyer
    Als Student musste ich aus finanziellen Gründen auch auf das billige Coop Brot umsteigen. Heute habe ich ein gutes Einkommen und zahle gern beim Bäcker um die Ecke das dreifache gegenüber Coop um dann das fünfache an Qualität zu bekommen
  • Mario  Hölzinger
    Insgesamt 731 verschiedene Sorten Brot gibt es in Deutschland Stand: Juni 2011.Das besorgen 400 Bäckerbetriebe die auch 1200 Kleingebäckarten herstellen. Man könnte also 2 Jahre lang jeden Tag eine andere Sorte Brot essen, ohne auch nur eine einzige Brotart doppelt gekostet zu haben. Vom Angebot her ist die Schweiz wie DDR 2.0 und besser schmecken tuts auch nicht und es werden die gleichen Zutaten verwendet wie in Dland.So, habe fertig.
  • erika  muntwyler , zürich
    diese gipfelis usw. sind eh viel zu viel zu teuer. - das ist mal das eine.
    das billigste 500 gr. brot gibts bei coop 0.90 rappen. - nein diese
    bäckereiwaren - soviele sorten usw. - aber ein gipfeli für über einen franken zu bezahlen, muss ich sagen, dann gehts denn leuten ja immer noch gut.
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