Bei Backwerk macht der Kunde die Arbeit. Dafür gibts Discountpreise. Schweizer Bäcker nehmen die Neueröffnung gelassen.
Das Jumbo-Gipfeli für 1.25, das Sandwich ab 6.95 Franken: Bei Backwerk lädt der Kunde die Ware aufs Tablett, zahlt und packt danach selbst ein. «Darum können wir bis zu 40 Prozent tiefere Preise anbieten als der traditionelle Bäcker», sagt Chef Dirk Schneider zu BLICK.
Nach Schaffhausen vor über zwei Jahren eröffnete der deutsche Brötchen-Discounter gestern seine zweite Schweizer Selbstbedienungs-Bäckerei in Zürich.
Grosse Pläne für die Schweiz
Dabei hatte man grosse Pläne: Drei Läden im ersten Jahr, über 20 bis 2014, der Deckel sei bei 100 Filialen in der Schweiz erreicht. «Das sind heute noch unsere Ziele», sagt Schneider, aber es gebe zu wenig Ladenlokale an hochfrequentierten Lagen. Weil die Filialen im Franchise-System vergeben werden, miete man nur, wenn der Franchise-Nehmer das Geschäft profitabel betreiben könne.
In Deutschland und fünf weiteren europäischen Ländern hatte Schneider mit seinem Billig-Brötchen-Konzept bisher Erfolg: Im 2011 setzte Backwerk 153 Millionen Euro um - ein Plus von 11 Prozent gegenüber 2010. Über 2000 Mitarbeiter arbeiten an den insgesamt 286 Standorten.
Schweizer achten beim Brot mehr auf Qualität als auf den Preis
Doch haben die Billig-Backwaren, die hinter dem Ladentisch aufgebacken werden, bei den qualitätsbewussten Schweizern eine Chance? «Schweizer sind beim Brotkauf weniger preissensibel», weiss Beat Kläy, Direktor des Bäcker-Konditorenmeister-Verbands. Discount-Bäcker hätten es darum schwer. «Die Tatsache, dass Backwerk bis heute erst zwei Läden eröffnet hat, sagt ja schon einiges.»
Backwerk-Chef Schneider will am Ball bleiben und «dem beschleunigten Lebensstil» auch in der Schweiz Rechnung tragen. Und apropos Qualität: Wie Migros verkaufe man Backwaren von Schweizer Lieferanten wie Jowa.
Migros stoppt eigene Selbstbedienungbäckerei
Auch Mitbewerber krebsten zurück: Nach nur einem Jahr gestoppt wurde das Backwerk-Konkurrenzangebot der Migros am Bahnhof in Aarau. «Wir haben das Pilotprojekt Bake-away beendet», sagt eine Sprecherin auf Anfrage. Jetzt stehe dort ein Migrolino.
In der Vergangenheit hat sich auch die französische Bäckerei-Kette Paul in der Schweiz die Finger verbrannt und 2009 alle Filialen wieder geschlossen.
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