Schweizer stürmen deutsche Apotheken «Wir sind doch nicht krank»

KONSTANZ (D) - Die Grippezeit drängt Tausende von Schweizern in die grenznahen Apotheken Deutschlands. Ihr Ziel: Nasensprays, Kopfwehtabletten und Hustensirup. Dafür zahlen sie je nach Medikament bis zu viermal weniger.

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Die Rosgarten-Apotheke in Konstanz (D) ist eine der ältesten der Stadt – und eine der beliebtesten: Noch bevor der Laden öffnet, stehen die ersten Kunden vor der Eingangstür. Fast alle kommen aus der Schweiz. Viele sind warm eingepackt, husten und sind verschnupft. Eigentlich müssten sie im Bett liegen. Doch den Weg ins grenznahe Deutschland nehmen sie trotz Kopfschmerzen und triefender Nase auf sich.

Grippemedikamente in Deutschland um ein Vielfaches günstiger

Denn hier zahlen sie für die Grippemedikamente nur rund die Hälfte. Ein Beispiel: Nasenspray gibts für unter drei Franken, in der Schweiz zahlt man für dasselbe Produkt fast zwölf Franken. 

«Da fahre ich lieber direkt nach Deutschland. Ich bin ja nicht blöd», sagt Petra Wojwodova (38) aus Münchwilen TG. Auch der pensionierte Chemiker Werner Künzi (66) aus Schönenberg ZH nimmt die 90-minütige Autofahrt gerne auf sich: «Der Preisunterschied ist derart gross, dass ich mir mit dem Geld noch das Benzin einspare.»

«Es ist unerhört, wie teuer dieselben Produkte in der Schweiz sind»

Mittlerweile stehen die Leute in der Apotheke Schlange. Sie kaufen Aspirin, Nasensprays, Fieberzäpfli und Schmerzmittel. Eine prall gefüllte Papiertasche tragen auch Erica (77) und Jan van Rhijn (80) aus Winterthur ZH. «Es ist unerhört, wie teuer dieselben Produkte bei uns sind. Hier zahle ich 60 Prozent weniger», sagt van Rhijn. 

Ein schlechtes Gewissen wegen des Fremdkaufens hat keiner. «Meine Krankenkasse ist gestiegen. Irgendwo muss ich das Geld wieder reinholen», sagt Alena Faryova (32) aus Berg TG.

Ähnlich argumentiert Mercedes Riger (69) aus Uzwil SG: «Meine AHV-Entschädigung ist tief. Ich muss sparen. Und warum nicht da, wo irgendwelche Pharmamultis Milliarden einsacken?»

Publiziert am 25.11.2016 | Aktualisiert am 16.12.2016
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100 Kommentare
  • Andreas  Studer , via Facebook 26.11.2016
    Wieso regt ihr euch so auf. Wir haben ja gerade gegen eine erhöhung unsere AHV abgestimmt. Also muss mann ja mit dem wenigen und soll ja laut Bern noch weniger werden, ins Ausland einkaufen gehen. Total daneben unsere Politiker.
  • Ulrich  Schwab 26.11.2016
    Wenn Schweizer im Ausland einkaufen gibt es ein Höllen Geschrei. Wenn jedoch ein Bundesrat seine Steuern in einem obskuren Pazifikstaat optimiert ist das völlig legal und richtig.
  • Peter  Marthaler aus Chur
    26.11.2016
    D agibt es nur eine Antwort: die Fair-Preis-Initiative unterschreiben!
  • Marcel  Plüss aus Solothurn
    26.11.2016
    Klassiker wie Ibuprofen sind noch viel billiger in D (50 Stk. à 400 mg 1.27 € rezeptfrei, max. 10 Stk. rezeptfrei in der Schweiz für 8 CHF). Trotz der dortigen 19 Prozent-Mehrwertsteuer bezahlt man meistens über 5x weniger und bekommt auch rezeptfreie Medikamente online. Diese Unterschiede haben mit den höheren Kosten in der Schweiz überhaupt nichts mehr zu tun. Die Pharma- und Apothekermafia in Bern muss endlich eliminiert werden!
  • Carina  König aus Arbon
    26.11.2016
    Was ich nur nicht verstehe: wieso lässt es der Staat zu, dass Schweizer Firmen in Indien produzieren lassen, was natürlich enorm Kosten spart und trotzdem suggeriert wird, es wurde in der Schweiz hergestellt und natürlich auch zu den teuren Preisen verkauft wird. Damit werden doch die eigenen Bürger betrogen. Logisch, dass man da lieber nach D oder F Einkaufen geht, wo ja die gleichen Marken bis zu 75 Prozent preiswerter sind (z.B. Drogerieartikel).