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Marathons läuft Patrik Stöckli (49) nicht mehr. Das halten seine Knie nicht aus. Jetzt golft er wie besessen. Gut möglich, dass sich der Branchenleader im Pornogeschäft in Zukunft weniger Zeit für sein Hobby nehmen kann. Der Besitzer von 16 Erotikmärkten hegt hochfliegende Pläne. Im Visier hat er niemand Geringeres als den deutschen Branchenriesen Beate Uhse, der seit 1999 an der Börse kotiert ist. Stöckli: «Ich will Uhse kaufen – zusammen mit potenten Finanzinvestoren. Klappt es, übernehme ich die operative Leitung des Unternehmens.» Damit drehe er den Spiess um, sagt Stöckli: «Uhse hatte Interesse signalisiert, meine Erotikmärkte zu übernehmen.» Darüber habe er in den letzten Monaten mit Uhse-Vertretern verhandelt.
Jetzt ist der Zeitpunkt für einen Angriff auf Beate Uhse günstig. Die Börsenkapitalisierung des deutschen Sex-Händlers brach auf 241 Millionen Franken ein (siehe Box). UIrich Rothermund (57), Sohn der verstorbenen Firmengründerin Beate Uhse, wäre bereit, seinen Anteil von 26 Prozent zu verkaufen, wenn sich ein passender Investor findet. Auch die Nummer zwei der Konzernleitung, Gerard Cok (59), möchte sich zurückziehen. Er ist über seine Consipio Holding, die 23 Prozent der Aktien hält, der zweitgrösste Aktionär.
Uhse Deutschland muss sich neu erfinden. Deshalb will die Firma wegkommen vom Image des Pornohändlers und neu erotischen «Lifestyle» an bester Lage verkaufen. Konkret heisst das: mehr Liebeshilfen und sexy Dessous statt Pornos.
Genau dieses Konzept hat Stöckli in seinen Erotikmärkten längst umgesetzt. Damit habe er den um zehn Prozent geschrumpften Absatz von Porno-DVDs kompensieren können, sagt Stöckli: «Das Geschäft ist zwar härter geworden. Dennoch sollten wir 2007 einen Umsatz von 24 Millionen Franken erreichen.» Erreicht er sein Budgetziel, beläuft sich sein Gewinn auf stolze 1,5 Millionen Franken.
Was er unter dem neusten Uhse-Stichwort «Wellness» im Sexgeschäft versteht, demonstriert Stöckli in seinen neuen Clubs namens Cruising World in Egerkingen SO, Littau LU und Mels SG. In diesen bis zu 670 Quadratmetern grossen, ganz in Schwarz ausgestatteten höhlenähnlichen Räumlichkeiten können sich «aufgeschlossene Paare» und Singles – egal mit welcher sexuellen Präferenz – auf Liegeplätzen, in abschliessbaren Suiten und der Sauna austoben.
FKK ist erlaubt, wenn man sich aufs Tüechli setzt. Schlarpen können gemietet werden. Verhüterli sind im Eintrittspreis von 30 Franken für Einzelpersonen und 40 Franken für Paare inbegriffen. Überall flimmern Pornos auf grossen Bildschirmen. Dazu gibt es auch Mineralwasser, Bier und Cüpli. Zwei Millionen Franken hat Stöckli investiert. «In Egerkingen und Littau vergnügen sich bereits täglich zwischen 60 und 100 Gäste», sagt der zum Saunabetreiber mutierte Pornokönig.