Schweizer bangen um 650 Lehman-Millionen

  • Publiziert: 16.09.2008, Aktualisiert: 03.01.2012

ZÜRICH – Der Kollaps der US-Investmentbank Lehman Brothers bringt auch hierzulande manchen Anleger ins Schwitzen: Hohe Investitionen könnten futsch sein.

Insgesamt 83 so genannte strukturierte Produkte der gestrauchelten Bank befanden sich hierzulande bis gestern im Handel. Dies geht aus einer Übersicht der Online-Suchmaschine für strukturierte Produkte, payoff.ch, hervor.

Finanzexperten bestätigten heute einen Bericht der «Neuen Zürcher Zeitung», wonach insgesamt rund 650 Mio. Franken in diese Produkte investiert worden sind.

Strukturierte Produkte oder Derivate sind Finanzanlageinstrumente, deren Rückzahlungswert von der Entwicklung eines oder mehrerer Basiswerte abgeleitet wird. Als Basiswerte dienen Anlagen wie Aktien, Zinsen, Währungen oder Rohstoffe wie zum Beispiel Erdöl.

50 Millionen bei Berner KB

Auch die Berner Kantonalbank (BEKB) gab drei ihrer insgesamt acht strukturierten Anlageprodukte zusammen mit Lehman Brothers «in Co-Leaderschaft» heraus.

Insgesamt liegen bei der BEKB Lehman Brothers-Anlagen mit Kapitalschutz in der Höhe von 50 Mio. Franken. BEKB-Chef Jean-Claude Nobili bestätigte heute einen entsprechenden Bericht der «Berner Zeitung».

Doch die betroffenen BEKB-Kunden können aufatmen: Für diese drei strukturierten Anlageprodukte gewährt die BEKB ihren Kunden Kapitalschutz, falls es nach Ende der Laufzeit zu einem Verlust kommen sollte. Die BEKB hatte sich bereits im Frühjahr mit einem Credit Default Swap (CDS) gegen das Ausfallrisiko bei der US-Investmentbank abgesichert.

Gegen Ausfälle versichert

Die Credit Default Swaps sind eine Art Versicherung gegen den Ausfall zum Beispiel einer Unternehmensanleihe, eines hypothekenbesicherten Bonds oder eines anderen Kreditpapiers. Der Verkäufer des CDS-Papiers garantiert dem Käufer sein Geld für den Fall eines Zahlungsausfalls des ursprünglichen Kreditnehmers und bekommt dafür eine Prämie bezahlt.

Von der Idee her bedeuten CDS mehr Sicherheit an den Märkten, weil sich Anleger vor Risiken schützen können. Die Papiere sind aber längst nicht mehr nur eine Versicherung für den konkreten Einzelfall.

Sie werden stattdessen wie viele andere hochkomplexe Finanzprodukte weitgehend losgelöst ständig wie Wertpapiere gehandelt. Der Gesamtmarkt für diese Papiere wird auf mehr als 60 Billionen Dollar geschätzt.

Wer muss dafür geradestehen?

Laut Nobili müsste eigentlich Lehman Brothers für die Strukturierten Produkte geradestehen. Doch angesichts der jüngsten Ereignisse rückt dies ohnehin in den Bereich des Illusorischen. Die Investmentbank wird wahrscheinlich liquidiert.

Neben der BEKB führt beispielsweise auch die Luzerner Kantonalbank (LUKB) strukturierte Produkte von Lehman Brothers in ihren Kundendepots. Wie hoch diese Engagements waren und was der Kollaps für die Kunden bedeutet, wollte LUKB-Sprecher Daniel von Arx nicht erläutern. (SDA/hhs)

play Lehman Brothers: Reisst der Konkurs der US-Bank auch tiefe Löcher in Schweizer Portfolios? (AP)

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