Schneller zum Eigenheim Banken wollen leichter Hypotheken vergeben

Nicht alle kriegen eine Hypothek. Grund ist unter anderem eine Hürde, die sich die Banken selber aufgebunden haben. Doch einige Geldhäuser wollen diese jetzt lockern.

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Zinsen für Festhypotheken sind gesunken. Keystone

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Viele Schweizer träumen von den eigenen vier Wänden. Doch dieser Traum bleibt für viele ein Traum. Grund sind die Anforderungen: Einen Kredit fürs Eigenheim kriegt nur, wer auch dann nicht mehr als ein Drittel seines Einkommens für die Zahlung der Hypothek aufwenden muss, wenn die Zinsen auf 5 Prozent steigen (BLICK berichtete). Für viele eine unüberwindliche Hürde – selbst wenn die Eigenmittel ausreichen würden.

Der sogenannte kalkulatorische Zinssatz ist eine Selbstregulierungsmassnahme der Banken. Doch einige wollen diese Hürde jetzt senken. 

Etwa die Raiffeisenbank. Deren Chef Patrik Gisel hält die Richtlinien zur Vergabe von Hypotheken für übervorsichtig. Die Bank arbeitet darum an einer Lockerung ihrer Praxis. Ziel sei es, dass mit einem kalkulatorischen Zinssatz von weniger als 4 Prozent gerechnet werde und eine langjährige Festhypothek das tiefe Zinsniveau sichern solle, sagt eine Sprecherin dem «Tages-Anzeiger». 

Starker Wachstum

Die Raiffeisenbank setzt voll aufs Hypo-Geschäft. Dies zeigen Zahlen der Schweizerischen Nationalbank (SNB). Demnach hat bei allen hiesigen Geldinstituten das Volumen der Hypothekarkrediten seit 2010 im Schnitt um 28 Prozent zugenommen. Bei der Raiffeisen sind es 46 Prozent. 

Auch die Migros-Bank überprüft zur Zeit eine Anpassung. Die Finanzkraft jedes Kunden könnte zum Beispiel durch Prüfung der familiären Situation, der Karrieremöglichkeiten und der persönlichen Lebenshaltungskosten berechnet werden, heisst es. Bis dahin gelte weiterhin der kalkulatorische Zinssatz von 4,5 Prozent.

Höheres Risiko

Bei anderen Banken kommen die Pläne schlecht an. «Je tiefer der kalkulatorische Zinssatz, desto grösser ist das Risiko einer Insolvenz», sagt ein UBS-Ökonom dem «Tages-Anzeiger». Schon bei der Ausreizung der heute geltenden Regeln würde ein Zinsanstieg um 2 Prozent laut der Grossbank 10 Prozent des Einkommens eines durchschnittlichen Haushaltes wegfressen. 

Ins gleiche Horn blasen die Credit Suisse und die Zürcher Kantonalbank. Und die SNB betonte in der Vergangenheit immer wieder, dass auf dem Schweizer Hypothekenmarkt nach wie vor Risiken bestehen. (bam)

Publiziert am 11.10.2016 | Aktualisiert am 11.10.2016
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17 Kommentare
  • Anders  Denker 12.10.2016
    Ich erinnere mich, dass die UBS mal über 2Mia in eine marode russische Firma investiert und verloren hat. Wenn sie in solchen Fällen nur auch so vorsichtig wären!
  • Markus  Hofer 12.10.2016
    Seit Jahren hören wir das Gejammer, was alles passieren könnte, sollten die Zinsen ansteigen. Tatsächlich kannten die Zinsen seit der Finanzkrise nur eine Richtung: nach unten. Der kalkulatorische Zins von 5 Prozent entspricht längst nicht mehr dem 20jährigen Durchschnitt. Weshalb wird man bei den Kalkulationen nicht etwas flexibler? Man könnte z.B. den kalkulatorischen Zinssatz mit der Belehnung koppeln. D.h. je höher der Fremdkapitalanteil, desto höher der kalkulatorische Zinssatz...
  • Silvie  Vetter , via Facebook 12.10.2016
    Ich habe es mal kurz durchgerechnet. Mit dem kalkulatorischen Zins von 5 Prozent kämen wir auf rund 2000 Franken für eine schöne grosse 4 1/2-Wohnung in der Agglomeration von Zürich. Bitte zeigen Sie mir eine gleichwertige Wohnung zu diesem Zins. Mieten käme uns teurer, aber das ist in diesem Fall ja egal.
    • Pascal  Müller 12.10.2016
      Rechnung? Eine SCHÖNE GROSSE 4,5 Zi-Wo. in der Agglo Zürich kostet schnell mal 1 Mio.! Aber gehen wir mal von 800000 aus. Heisst also 160000 Eigenmittel mindestens; was schon mal nicht sooo einfach ist für Ottonormalbürger! 5 Prozent Zins für die Hypothek von 640000 entspräche rund 2600 pro Monat, dann kommt die Amortisation von rund 600 p.M. dazu, ergibt über 3200 CHF monatlich und dies noch ohne Nebenkosten welche wohl auch mit mind. 400 p.M. kalkuliert werden müssen! Vergiss CHF 2000!
  • Patrick  Smart 12.10.2016
    Es ist sowieso schade, dass Eigenheim "bestraft" wird und Hyposchulden oder Vermieter belohnt werden. Es wäre schön, dass Schweizer, später im Alter das Eigenheim praktisch abbezahlt haben uns so fast "gratis" wohnen. Die Schweizer ein Volk von Mietern, statt Eigentümer!
    Das mit dem Hypozins ist sowieso Schwachsinn. Der Bund und die Banken könnten ja eine Flatrate von 1.5 Prozent - 2.5 Prozent einführen und den Eigenmietwert endlich weglassen? Dann könnten sich viele ein Eigenheim leisten!
  • Urs  Saladin , via Facebook 12.10.2016
    Gegen die horrenden Mieten, die teilweise mehr als das halbe Einkommen wegfressen, wird nichts unternommen. Wohneigentum wäre wesentlich günstiger, aber da werden grosse Steine in den Weg gelegt! Wenn die Zinsen steigen, steigen auch die Mieten. Das mit der Tragbarkeit hinkt deshalb sehr! Welche Lobby ist in diesen Bereichen so aktiv? Geht es nur darum, mit stetig steigenden KK-Prämien, Mieten und anderen Gebühren den Mittelstand finanziell ausbluten zu lassen?