Schluss nach 73 Jahren Warum sich die Minibar für die SBB nicht lohnt

Das Gastronomie-Konzept der SBB muss völlig überholt werden. Die Bahn-Tochter Elvetino ist hoch defizitär. Neue Investitionen liegen nicht mehr drin.

Aktuell auf Blick.ch

Top 3

1 Grund für ein Geburtstags-Ständchen Happy birthday, Youporn!
2 SBB-Personenverkehrs-Chefin Jeannine Pilloud über ein Jahr Swisspass ...
3 Naturschützer laufen Sturm gegen den grünen Strom Windenergie im...

Wirtschaft

Immer informiert - Abonnieren Sie den Blick-Newsletter!
Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein.
Schön, dass wir Ihnen unsere BLICK News des Tages senden dürfen. Möchten Sie zusätzlich den BLICK Sport Newsletter erhalten?
teilen
teilen
39 shares
19 Kommentare
Fehler
Melden

Ein Raunen ging durchs Land, als die SBB vor zwei Jahren angekündigt hatten, dass in den ICN-Zügen die Minibars verschwinden. Schon damals zeichnete sich ab, dass die Staatsbahn Mühe hat mit ihrem Gastronomiekonzept.

Die Versorgung von Passagieren in den Zügen ist kein rentables Geschäft. Genaue Zahlen dazu geben die SBB nicht bekannt. Man weiss nur, dass die SBB-Gastro-Tochter Elvetino 2013 rund 80 Millionen Franken Umsatz gemacht hat. Der Verlust liegt angeblich im zweistelligen Millionenbereich.

Elvetino betreibt in der Schweiz neben den 121 Minibars auch 101 SBB-Restaurants und 32 Bistros. Inklusive den Niederlassungen in Paris und Mailand beschäftigt Elvetino 1050 Angestellte.

Subventionierte Nostalgie auf Rädern

Spätestens in zwei Jahren wird das letzte Wägeli verschwunden sein. Das haben die SBB heute bekannt gegeben. Die Minibars gibt es seit 71 Jahren. In den letzten Jahren waren sie nur noch subventionierte Nostalgie auf Rollen.

Auch wenn viel Geld in neue Technik investiert wurde, war den SBB längst klar, dass die Minibar kein Geld mehr einbringen wird. Das zeigt ein Blick in die Medienmitteilung vom 4. April 2014, als die neue Minibar eingeführt wurde. Sie ist voller Durchhalteparolen. Man sei «überzeugt, dass auch die Verpflegung im Zug den Kundinnen und Kunden einen Mehrwert bei der Reise bietet», hiess es da.

Personenverkehr-Chefin Jeannine Pilloud versicherte: «Bahncatering ist für unsere Kundinnen und Kunden ein zentrales Service-Element. Deshalb investieren wir jährlich einen tiefen zweistelligen Millionenbetrag.» Man habe leider in letzter Zeit die Passagiere etwas verunsichert: «Es ist heute nicht mehr klar, ob das 'Wägeli' nun kommt oder nicht. Da müssen wir jetzt rasch besser werden.»

Gebracht hats nichts. Die Zeiten der Investitionen und Experimente sind inzwischen vorbei. Weil die Bahn-Infrastruktur in den Nullerjahren völlig vernachlässigt wurde, muss jetzt in anderen Bereichen gespart werden. Unlängst wurden das Reisebüro-Geschäft abgestossen. Jetzt kommt die Gastronomie unter die Räder.

Neuer Versuch in gelb

Schlimmer als der Abbau der Minibars ist das Ende der Zusammenarbeit mit der italienischen Kaffee-Marke Segafredo. Die zwölf Standorte in Bahnhöfen verschwinden bis Mitte 2016. 65 Leute verlieren dadurch ihren Job. Ein Sozialplan steht.

Günstigere Angebote in den Bahnhöfen haben das Segafredo-Konzept überflüssig gemacht. Inzwischen gibts auch in Migros- und Coop-Filialen frischen Kaffee und ein Gipfeli zum Mitnehmen. Aus dem gleichen Grund lohnt sich auch die Minibar nicht mehr. Es ist eine Gratwanderung zwischen Mieteinnahmen von Bahnhofsläden und eigenen Gastro-Angeboten.

Zuletzt setzten die SBB auf ein neuartiges Take-Away-Konzept. Guudy wurde mit einer österreichischen Marketingfirma konzipiert. Melonen-Schnitze und Kichererbsenpüree verleihen den Sandwiches im gelben Verkaufsstand ein gesünderes Flair.

«Hinsichtlich Umsatz pro Quadratmeter ist Guudy einer der erfolgreichsten Take-Away-Newcomer der letzten Jahre», sagte eine SBB-Sprecherin letzten Sommer zur «Schweiz am Sonntag». Bislang gibts Guudy erst am Zürcher HB. Die SBB stellten eine Expansion auf andere Bahnhöfe in Aussicht. (alp)

Publiziert am 08.01.2016 | Aktualisiert am 08.01.2016
teilen
teilen
39 shares
19 Kommentare
Fehler
Melden

19 Kommentare
  • Wilhelm  Tell aus Laufen
    09.01.2016
    Wenn dann beim Lohn des CEOS auch mindestens 20 Prozent eingespart werden, wissen wir, dass die SBB effektiv sparen will. Sonst ist es nur eine Zwängerei, Abbau der Leistung bei immer höheren Preisen, da fahre ich lieber weiterhin im eigenen Wagen. Zudem kann man sich in den SBB noch immer nicht anschnallen, gespart wird auch bei der Sicherheit der Passagiere!
  • Roman  Camenzind aus Gersau
    09.01.2016
    Komischerweise wird alles im Service public abgebaut,dass gemäss diversen Managern in der Teppichetage unrentabel gemacht wurde.
    Vielleicht müsste man die Effizienz in der Teppichetage berechnen,wobei das sieht man an der Service-Abbau-Mentalität an.
  • Susanne  Reich 09.01.2016
    Für mich ist die Chose schlicht und einfach zu teuer. Der Kaffee nicht unbedingt ein Highlight. Bei einem attraktiven Angebot, mit ebensolchen Preisen hätte ich mir öfters - als bisher nur von Zeit zu Zeit - etwas gegönnt. So ziehe ich es vor, meine Sachen am Bahnhof zu kaufen oder schon vorher.
  • H.   Heller aus Zürich
    09.01.2016
    Die SBB haben den Service selbst und bewusst kaputt gemacht. Wenn man nicht mehr sicher sein kann, dass es ein Wägeli hat, bringt man Getränk und Sandwich selbst mit. Zudem wurden die Angestellten dank Fixlohn faul, unfreundlich oder einfach lustlos waren sie auch. Bei den hohen Preisen dann... kauft man besser vorher im Supermsrkt ein.
  • Paul  Meier aus Bergdietikon
    09.01.2016
    Die Frage ist natürlich was für interne Belastungen nimmt die SBB für die dieses Angebot? So kann man die Rentabilität einfach steuern. Offensichtlich wollen die SBB diesen Service Public auch noch abbauen - also belastet man etwas mehr und schon sieht die Rechnung schlecht aus. Denn bei diesen Preisen sehe ich nicht ein, warum es mit etwas gutem Willen nicht besser aussehen sollte! Aber eben, es ist eine Frage des Willens....