Das heisseste Gerücht im kalten Davos Schiro für Ospel?

  • Aktualisiert am 20.01.2012
  • Von Christian Dorer und Marc Walder

Wenn sich die mächtigsten Wirtschaftsführer der Welt treffen, dann brodelt die Gerüchteküche. Heiss diskutiert: Ersetzt Zürich-Chef James Schiro scbald Marcel Ospel?

Ganz so locker wie sonst am WEF war UBS-Präsident Marcel Ospel (57) diesmal nicht. Kein Wunder: Die Bankerszene diskutierte in Davos, wann er wohl abtritt. Und wer ihm nachfolgen könnte. Ospel ist angeschlagen, seit die UBS 16 Milliarden Franken abschreiben musste. Ein Top-Banker, der anonym bleiben will: «Egal, ob Ospel persönlich schuld ist oder nicht – ohne neuen Chef ist der Imageschaden nicht zu beheben.» Und ein anderer: «Ospel wäre einer der wenigen Grossbanken-CEOs, der nicht ausgewechselt würde.»

Ein Neuer müsste vor allem das Vertrauen von Kunden und Anlegern zurückgewinnen. In den informellen Runden am Rande des World Economic Forums tauchte deshalb immer wieder ein Name auf: James Schiro (62), seit 2002 Chef von Zürich Financial Services. Der US-Amerikaner bringt alles mit, was die grösste Schweizer Bank jetzt braucht:

• Er hat bewiesen, dass er einen angeschlagenen Konzern zum Erfolg zurückführen kann.

• Er ist Spezialist für Risikomanagement.

• Er kennt den harten US-Markt à fonds.

• Er weiss um die Eigenheiten eines Schweizer Konzerns.

Was Schiro auch zugute käme: Er wäre – altersbedingt – ein Übergangspräsident und könnte ohne Rücksichten auf seine Nachfolger das tun, was getan werden muss.

Als Schiro am Rande einer WEF-Veranstaltung darauf angesprochen wird, lächelt er, schweigt einen Moment und sagt dann: «Ich höre zum ersten Mal von diesem Gerücht.» Mehr ist ihm nicht zu entlocken. Auch kein Nein.

Schiro hat allerdings ein grosses Handicap: Er ist gar kein Banker. Das kann trotzdem gut gehen, muss aber nicht. Lukas Mühlemann (57) etwa war als Chef von Swiss Re ein Star, mit der viel komplexeren Credit Suisse jedoch komplett überfordert.

Am Donnerstag nannte der «Tages-Anzeiger» Philipp Hildebrand (44) als möglichen Ospel-Nachfolger. Der Vizepräsident der Nationalbank gelte als Kandidat, weil er das Bankgeschäft bestens kenne. Hildebrand arbeitete bei Vontobel, bei der Union Bancaire Privée und bei einem Hedgefonds in London.

Denkbar wäre auch, dass Hildebrand als vollamtlicher Vizepräsident zur UBS wechselt. Der jetzige Vize Stephan Haeringer (61) ist eine schwache Figur. Hildebrand wäre dann zwar formell in derselben Position wie bei der Nationalbank. Doch ein zehn bis zwanzig Mal höheres Salär dürfte den Wechsel versüssen.

Er könnte als Nachfolger aufgebaut werden, falls Ospel bleibt und am 23. April von der Generalversammlung wiedergewählt wird. Offiziell wollte sich bei der UBS niemand äussern. Intern aber, so ist zu hören, würden viele diese Lösung bevorzugen. Ein neuer Chef könnte noch mehr Unruhe verursachen. Die selben Signale erhält Ospel auch von Grosskunden und Investoren, die er in Davos gezielt danach gefragt hat. Die meisten schätzen es, dass er sich nicht einfach davonmacht. Und auch Wirtschaftsministerin Doris Leuthard (44) sagt im SonntagsBlick: «Marcel Ospel soll mithelfen, die UBS wieder auf Kurs zu bringen. Man muss anerkennen, dass der neue Investor auch wegen Marcel Ospel bei der UBS eingestiegen ist.»

ERNST
UBS-Präsident Marcel Ospel im «Morosani Posthotel», wo er während des WEF wohnte.- Foto: Karl-Heinz Hug

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