Steuer-Streit Schäuble kritisiert Kauf von Daten-CDs

Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble kritisiert das Bundesland Nordrhein-Westfalen für den Kauf der Daten-CD.

  • Publiziert: 16.07.2012
  • SDA
play Ist nicht einverstanden mit dem Kauf der Steuer-CD: Finanzminister Wolfgang Schäuble (Keystone)

Nach Berichten über den Kauf einer neuen Steuer-CD durch das Land Nordrhein-Westfalen hat der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble ein solches Vorgehen kritisiert. «Zufällige CD-Käufe können immer nur eine Behelfskrücke sein, sie bieten keinen umfassenden Ansatz zur befriedigenden Besteuerung», sagte er der «Bild»-Zeitung.

Mit Blick auf das bereits unterzeichnete, aber noch nicht ratifizierte Steuerabkommen mit der Schweiz, sagte der CDU-Politiker. nötig sei eine «haltbare, belastbare und langfristige Lösung des Problems der unzureichenden Versteuerung deutscher Steuerpflichtiger mit Anlagen in der Schweiz». Das Abkommen enthalte dafür eine «gute Lösung».

FDP-Generalsekretär Patrick Döring verurteilt den mutmasslichen Kauf der Steuer-CD durch die NRW-Landesregierung. Die Regierung in Düsseldorf mache damit schon während des Ratifizierungsverfahrens des Steuerabkommens mit der Schweiz deutlich, dass sie sich nicht an das Abkommen halten wolle, sagte Döring den Zeitungen der WAZ Mediengruppe (Montagausgabe).

«Der Ankauf ist der falsche Umgang mit unserem Nachbarstaat. Das wird die politischen Gespräche über ein neues Steuerabkommen stark belasten.»

Schwerer Schlag gegen Steuerabkommen

Übereinstimmenden Medienberichten zufolge zahlte das Land NRW 3,5 Millionen Euro für eine CD mit Namen und Kontenverbindungen von etwa 1000 Deutschen, die Kunden des Zürcher Ablegers der Privatbank Coutts sein sollen, einer Tochter der britischen Royal Bank of Scotland. Laut dem Magazin «Spiegel» prüft das Land zudem den Kauf von zwei weiteren Bankdaten-CDs.

Das wäre ein harter Schlag gegen das Steuerabkommen mit der Schweiz, das zum Januar 2013 in Kraft treten soll. Laut «Spiegel» stellt sich das deutsche Finanzministerium nun offenbar schon darauf ein, dass das Abkommen im November im Bundesrat scheitern könnte.

Das Abkommen sieht eine pauschale Nachversteuerung von illegal in die Schweiz transferiertem Vermögen vor. Im Gegenzug sollen Steuersünder Straffreiheit geniessen. Der Kauf von Steuer-CDs wäre damit weitgehend überflüssig. Die Opposition hält das Abkommen aber für nicht ausreichend im Kampf gegen die Steuerhinterziehung.

Kauf nicht bestätigt

Bestätigt sind die Angaben zum CD-Kauf der «Financial Times Deutschland» und des «Spiegels» indessen nicht. «Wir haben keine Anzeichen, dass dies stimmt», erklärte der Sprecher des Staatssekretariats für internationale Finanzfragen (SIF), Mario Tuor, am Wochenende auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda.

Und die Bank Coutts sagte der Nachrichtenagentur Reuters am Samstag, es gebe keine Hinweise darauf, dass Kundendaten nach aussen gelangt sein könnten. Ein Datenleck ausschliessen konnte sie aber auch nicht.

(SDA-ATS\/sp)
 

Beliebteste Kommentare

  • Adolf  Leemann , Altendorf , via Facebook
    Hiermit ist wieder einmal eindrücklich bewiesen , was Verträge wert sind , welche unsere Elite gegenseitig abschliessen . In der Privatwirtschaft wäre dies undenkbar .
    Es ist nur zu hoffen , das unsere politischen Vertreter die Situation mal endlich richtig erkennen und in diesem Sinne auch agiert !
    Eine Demontage der Schweiz auf Raten muss aufhören .
  • Hans >Peter  Läuchli , Vellerat
    Was EWS da verhandelt hat mag vielleicht für Felsberg taugen aber international ist die Dame noch nicht angekommen. Der passus der solche Vorfälle behandelt ist wie man in der Schweiz sagt: Birreweich". Dem Stimmbürger wird es natürlich als Erfolg verkauft und die Neosozialisten genannt "Bürgerliche Mitte", verteidigen den Mist noch. Schweiz "Quo vadis"!

Alle Kommentare (12)

  • Walter Hermann  Fröhlich-Gantenbein , via Facebook
    Schäuble soll nicht so tun als ob, - aber er kann in den nächsten Tagen noch beweisen ob er ein Ehrenmann ist und zur Vereinbarung steht und nicht auch noch der Wortklauberei zum Opfer fällt.
    • 16.07.2012
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  • Klaas  Weber , via Facebook
    Diese ganze Aufregung ist mir schleierhaft und erscheint sehr verlogen. Deutsche Gerichte haben seinerzeit entschieden, daß der Kauf solcher CDs nicht strafbar sei. Als unter der damaligen CDU-/FDP-Regierung in NRW solche CDs gekauft wurden, fand das Herr Schäuble okay. Verlogener geht es nun wirklich nicht mehr und das ist die eigentliche Schande an der Angelegenheit.
    • 16.07.2012
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  • Klaas  Weber , via Facebook
    Was Herr Schäuble da von sich gibt, ist die Meinung EINES Ministers der deutschen Bundesregierung. Im übrigen ist davon auszugehen, dass das Abkommen in dieser Form in Deutschland nie ratifiziert werden wird, da sich hierfür im deutschen Bundesrat keine Mehrheit finden wird. Ich glaube in der Schweiz ist man sich nicht einmal bewusst, dass dieses Abkommen bisher keinerlei Rechtswirkung zeitigen kann. Die deutsche Bevölkerung betrachtet die Schweizer Behörden lediglich als "Hehler" von Erträgen aus kriminellen Handlungen, vielleicht noch als Beihelfer zu kriminellen Akten. Das einzige Abkommen, dass die Mehrheit der Deutschen akzeptieren würde, wäre eins, wie es die Schweiz diesbetreffend mit den USA abgeschlossen hat. Mich wundert lediglich, dass damals kein Aufschrei durch die Schweiz ging.
    • 16.07.2012
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  • Josef  Schindelholz , Büren
    Nicht nur Steuerbehörden in Deutschland zeigen, dass Sie sich
    nicht an Abkommen halten wollen. Auch die CS mit ihrem
    Lebensversichrungssystem mit steuerfreien Erträgen beweist,
    dass das Umgehen der Acbgeltungssteuer bereits heute geübt
    wird
    • 16.07.2012
    • 7
    • 4
  • Sebastian  Kent , Zürich
    Da muss man Wolfgang Schäuble wirklich ein Kränzchen winden, einer der wenigen Deutschen Politiker, welcher in dieser Angelegenheit sachlich und ohne Emotionen argumentiert, über andere muss man ja keine Worte verlieren.
    Zudem ist das ein hausgemachtes Problem von Deutschland, wer seinen Bürger und Bürgerinnen so viel Steuern und Abgaben abknüpft, der muss sich nicht wundern, wenn das Geld ins Ausland verschoben wird.
    • 16.07.2012
    • 9
    • 10
    • Fridolin  Glarner-Walker , Genf
      Wenn die Vermögenden Ihrer Steuerpflicht nachkämen, müsste den normalen Steuerzahlern sicher auch weniger abgeknüpft werden. Es ist nicht an uns zu beurteilen wie hoch in einem demokratisch regierten Land die Steuern sein dürfen.
      • 16.07.2012
      • als Kommentar auf Sebastian  Kent , Zürich
      • 4
      • 1
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