SBB streichen 1400 Stellen – den Job-Killern aus den USA war das zu wenig McKinsey wollte noch brutaler zuschlagen

BERN - SBB-Chef Andreas Meyer setzt zum Kahlschlag an: Er will 1400 Jobs abbauen und 1,2 Milliarden Franken sparen. Das Drehbuch schrieb ihm die US-Firma McKinsey.

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Rund 900 Stellen werde die Sparübung in etwa kosten, kündete SBB-Chef Andreas Meyer (55) vor ­einem Jahr an. Damals gleiste er das Kostensenkungsprogramm mit dem unverdächtigen Namen Railfit auf. Doch die Fitnessübung wird zum Kahlschlag: 1400 Jobs fallen in den nächsten vier Jahren weg. Das sind mehr als vier Prozent der gesamten Belegschaft.

Allein in der Verwaltung verschwinden 500 Jobs. In der Verkehrsleitung gehen 250 Stellen verloren, im Verkauf 220 und beim Rangierpersonal 165. Die übrigen verteilen sich über verschiedene Bereiche. Im Gegenzug wollen die SBB 200 neue Jobs aufbauen.

Berüchtigte Beratungsfirma

Das Drehbuch für den Abbau schrieb die berühmt-berüchtigte US-Beratungsfirma McKinsey. Ihre Leute stehen weltweit im Sold von Grosskonzernen. McKinsey-Leute waren es auch, die der Swissair die famose Hunter-Strategie aufschwatzten. Sie führte 2001 zum Grounding.

Regierte bei der Swissair der Grössenwahn, ist es bei den SBB die Sparwut. 1,2 Milliarden Franken will Meyer mit diversen Massnahmen weghobeln. McKinsey wäre gerne noch weiter gegangen: Die Amerikaner wollten auch das Reinigungspersonal auslagern. Hier zog Meyer aber die Notbremse.

Die Bähnler-Gewerkschaft SEV ist auch so empört. «McKinsey fährt wie immer mähdrescherartig drein», sagt SEV-Präsident Giorgio Tuti (52). «Der Abbau ist ein Spiel mit dem Feuer. Man greift tief ins System ein. Das hat Auswirkungen auf Qualität und Sicherheit.»

«Die Service-Qualität bleibt unverändert»

Meyer will davon nichts wissen. «Die Service-Qualität bleibt unverändert», sagt er zu BLICK (siehe Interview unten). Und er macht ein grosses Versprechen: Dank der Sparübung würden die Billettpreise nicht mehr ständig steigen. In Zukunft könnten sie sogar sinken. 

Die Gewerkschaften werden ihm genau auf die Finger schauen. Tuti will nun die Basis befragen. «Es wird zu Protesten und Aktionen kommen», kündet er an. Von Streikdrohungen will er zumindest vorerst aber nichts wissen. Mit gutem Grund: Der SBB-GAV enthält ein Streikverbot. Im Gegenzug dürfen die SBB niemandem aus wirtschaftlichen Gründen kündigen. Auch in diesem Fall soll der gesamte Stellenabbau über reguläre Wechsel und Pensionierungen aufgefangen werden.

Dennoch gibt es Widerstand. Auch von politischer Seite: «Der Abbau gefährdet die Sicherheit», sagt der Solothurner SP-Nationalrat Philipp Hadorn (49). Wenn die SBB bei der Zugverkehrsleitung abbauten, sei dies, wie wenn im Luftverkehr bei der Flugsicherung gespart würde. «Das ist brandgefährlich.» Hadorn will am Montag einen Vorstoss im Parlament einreichen, um den McKinsey-Express zu stoppen.

«Entmenschlichung muss gestoppt werden.»

Auch der Abbau beim Verkaufspersonal kommt schlecht an. «Die Debatte um den Service public hat gezeigt, dass die SBB-Kunden von Menschen bedient werden möchten», sagt Edith Graf-Litscher (52), SP-Nationalrätin aus dem Thurgau. «Die ständige Entmenschlichung muss gestoppt werden.» 

Mit Arbeitskämpfen hat Meyer Erfahrung. Als er seinen Job vor knapp zehn Jahren antrat, kündigte er schon bald den Abbau von 400 Stellen und die Schliessung der Werkstätten in Bellinzona an. Ein Streik machte den Plan zunichte. Die Werkstätten in Bellinzona gibt es noch immer.

Aus dem Debakel hat Meyer Lehren gezogen. «Er hat einen Hang zur Selbstdarstellung, der ihm in früheren Fällen zum Verhängnis wurde», sagt Patrick Suppiger (39), Präsident des Verbandes für Krisenkommunikation. Nun sei Meyer weit cleverer vorgegangen. «Er hat den Abbau angekündigt. Nun ist die Luft schon etwas draussen.» Das schliesse Proteste aber nicht aus. «Entscheidend ist, wie sich die Gewerkschaften und einflussreiche Politiker positionieren.»

Publiziert am 23.09.2016 | Aktualisiert um 08:59 Uhr
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5 Kommentare
  • Jean-Francois  Morf aus Charrat
    24.09.2016
    Mag sein, dass zwischen Genf und Lausanne die Züge voll sind, aber zwischen Martigny und Sitten sind die praktisch leer. Warum müssen alle Züge weiter fahren, wenn kein Bedarf vorhanden ist?
  • Peter  Joachim , via Facebook 23.09.2016
    Wenn man doch weiss, dass McKinsey oft mehr Schaden anrichtet, als dass sie nützen, siehe Swissair, dann frage ich mich, wo Geld fliesst, damit man sie trotzdem wieder engagiert. Können Sie mir das beanworten, Herr Meyer? Ausserdem ist es ein Hohn, wenn der Service heute vor lauter Stellwerkstörungen etc. nur so strotzt, wieder Personal abzubauen. Das stärkt das Vertrauen in die Sicherheit der Bahn nicht gerade.
  • Daniel  Knuchel aus Oensingen
    23.09.2016
    Für was zum Geier braucht es da eine ausländische Firma wie McKinsey um die Wirtschaftlichkeit zu überprüfen? Für was haben wir da eine so teure Teppichetage mit CEO Meier an der Spitze mit einem Verdienst von über 1 Million? Die SBB hat die Nähe zum Kunden schon lange verloren. Sie ist teuer, unpünktlich und hat zu viele Unfälle. Zurück zu den Wurzeln, ein wenig Demut und Kundennähe ist angesagt,vor allem bei den Managerlöhnen.Nie vergessen das zahlen die Bahnfahrer und Steuerzahler.
  • Mike  Probst 23.09.2016
    Wieso braucht ein Chef, eine sündhaft teure, externe Beraterfirma, welche ihm erklärt, wo er was und wie organisieren soll? Ein Chef, welcher seine Firma kennt und auch sonst genug kompetent ist, braucht dies wohl kaum... Als normaler Angestellter kann ich meinen Job auch nicht auf Kosten des Arbeitgebers an Externe abdelegieren und wenns gut kommt dafür noch einen Bonus kassieren, oder???
  • Domenico  Gravino aus Gordola
    23.09.2016
    Ich kann diese Vorgehensweise weder Befürworten noch Kritisieren was Mckinsey da vorschlägt, aber es wäre langsam gut und sicher wenn wir uns nicht jedesmal bei Bundes-, oder renommierten CH-Firmen, die US-Mentalität ins Land holen! Wir erlebten bei US-Investoren das Firmen innerhalb kurzer Zeit Konkurs gingen. Die US-Eigner haben defacto keine Bindung an unser Land, also ist es denen absolut egal! Was A.Meyer puncto Service-Qualität behauptet....fehlt überall, schmutzig, stinkt (z.B Urin) usw!
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