Sämis virtuelle Praxis

  • Aktualisiert am 20.01.2012
  • Von Marcel Odermatt

Statt am Fernsehen will TV-Doktor Samuel Stutz (46) seine Patienten jetzt per Internet heilen.

Die Internet-Seite «www.doktorstutz.ch» hat er bereits für das Projekt reservieren lassen, im Herbst soll es starten. Samuel Stutz plant jetzt eine Praxis ohne Wartezimmer und Sprechstundenhilfe: «Ich baue in den nächsten Monaten ein Gesundheitszentrum im Internet auf», sagt der bisherige Fernseh-Doktor. Nächsten Sonntag wird er seine letzte «Gesundheit Sprechstunde» moderieren – im Auftrag von Ringier, dem Verlagshaus, das auch den SonntagsBlick herausbringt.

Die Idee einer virtuellen Praxis ist in der Schweiz bisher einzigartig: Wer die Website anklickt, wird von einem virtuellen Doktor Stutz empfangen. Der fragt den Besucher, welches Problem ihn zu ihm führt und leitet ihn an die entsprechende Klinik weiter (siehe Grafik). Je nach Wunsch kann der Patient nicht nur mit künstlichen, sondern auch mit realen Ärzten, Psychologen und Ernährungsberaterinnen interaktiv in Kontakt treten. Zudem gibt es einen 24-Stunden-Notfalldienst per Telefon.

Offen ist, wie Stutz sein Projekt finanzieren will. Der volle Ausbau der Praxis wird mehrere Millionen Franken kosten. «Die Dienstleistungen sind für die Patienten kostenlos», sagt Stutz. Deshalb kommen auch die Krankenkassen nicht ins Spiel. «Medizinische Internet-Dienste können heute nicht abgerechnet werden», erklärt Peter Marbet (39) vom Branchenverband Santésuisse. Einnahmequellen der Stutz-Klinik im Internet sollen deshalb Werbung und Sponsoring von Kliniken, Krankenkassen und Pharmafirmen sein. Beim Aufbau des Online-Gesundheitsangebots will der Moderator auf sein Beziehungsnetz zurückgreifen, das er sich in seiner zwölfjährigen Tätigkeit als TV-Arzt der Nation aufgebaut hat.

Stutz will sich mit dem Projekt einen Lebenstraum erfüllen: «Wenn die junge Generation ihren Lebensstil nicht ändert, werden viele weniger alt werden als ihre Eltern.» Das sei in der Geschichte einmalig und dagegen wolle er mit seinem Online-Gesundheitszentrum Gegensteuer geben. Für den TV-Moderator ist das Internet heute das Medium, mit dem man am meisten Menschen ansprechen kann. Es sei immer verfügbar und erreiche insbesondere auch die Jungen. «Im Fernsehen ist das anders, hier spricht man fast ausschliesslich ein älteres Publikum an», sagt Stutz.

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