Ruf nach Unterstützung und Regulierung: Die Wirtschaft schreit plötzlich nach mehr Staat

Ein Jahr nach dem Frankenschock ist in der Schweizer Wirtschaft noch immer keine Ruhe eingekehrt. Im Gegenteil: Jetzt fordern immer mehr Köpfe finanzielle Hilfe und neue Gesetze.

Frische Papierrollen in der Fabrik der Chemie+Papier Holding in Perlen im Kanton Luzern. play
Frische Papierrollen in der Fabrik der Chemie+Papier Holding in Perlen im Kanton Luzern. KEYSTONE/URS FLUEELER

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Nächste Woche jährt sich die Aufhebung des Euro-Mindestkurses durch die Nationalbank (SNB). Für die Ökonomen der drittgrössten Schweizer Bank Raiffeisen ist klar: Die Schweizer Wirtschaft wird die Folgen erst in diesem Jahr richtig zu spüren bekommen.

«Es besteht die Gefahr, dass die Schweiz einen Teil ihrer industriellen Basis endgültig verliert», warnt Chefökonom Martin Neff in einer Mitteilung. Die Wirtschaft drohe, abgewürgt zu werden. Darum müsse nun «der Bund die Wirtschaft gezielt selektiv unterstützen, bis der Anpassungsprozess aus eigener Kraft fortgesetzt werden kann», heisst es weiter.

Das soll in Form einer Wechselkursabsicherung geschehen, was faktisch auf einen Mindestkurs von 1.10 Franken hinaus läuft. Profitieren sollen aber nur die fitten Firmen. Wer ohnehin nur knapp über die Runden kommt, soll nichts erhalten.

Ruf nach strengeren Regeln

Der Ruf einer Bank nach Staatshilfe für die Wirtschaft ist relativ selten. Überhaupt die Tatsache, dass Unternehmen nach staatlicher Hilfe oder Regulierung rufen, löst normalerweise bei wirtschaftsliberalen Menschen einen Würgereflex hervor.

Raiffeisen-Neff ist nicht der einzige Unheilsprophet für den Liberalismus. Erst von zwei Wochen forderte Investor und Denner-Erbe Philippe Gaydoul neue Regulierungen im Detailhandel. Der «Schweiz am Sonntag» sagte er: «Man muss sich fragen, ob es nicht wieder einen gesetzlich geregelten Ausverkauf bräuchte, so wie früher, als nur zwei Ausverkaufsphasen pro Jahr bewilligt wurden. Ich meine Ja.»

Gaydoul gehört unter anderem die Schuhmarke Navyboot und der Kleiderhändler Jet Set.

Thomas Herbert, Chef der Globus-Gruppe, simmte ihm sogar zu: «Alle Händler wären froh, wenn der Ausverkauf reguliert würde wie früher.» Die ständige Aktionitis würde den Unternehmen die Marge schmälern.

Schlechtwetterhilfe vom Staat?

Auch Bergbahnen sind nicht vor Sonntagsliberalen gefeit. Ein schlechter Winter reicht schon, um nach dem Staat zu rufen. Kurz vor Weihnachten kündigte Egon Scheiwiller, Direktor der Bergbahnen Motta Naluns, in der «Tagesschau» an, Kurzarbeit einzuführen. Das beabsichtigten offenbar auch andere Bergbahnen.

Dumm nur, dass sie darauf keinerlei Anspruch haben. Kurzarbeit kann laut Seco nur beantragen, wer wegen ungewöhnlicher Wetterbedingungen 75 Prozent weniger Umsatz gemacht hat, als im Durchschnitt der letzten fünf Jahre. Scheiwiller kalkulierte lediglich 30 Prozent Einbussen über Weihnachten und kritisierte, die Hürden bei der Kurzarbeit seien zu hoch.

Die Antwort dazu vom Seco: «Es geht nicht darum, Unternehmen schadlos zu halten und das unternehmerische Risiko abzudecken.» (alp)

Publiziert am 06.01.2016 | Aktualisiert am 06.01.2016
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  • Marion   Jost aus Schönenwerd
    07.01.2016
    Tja, welcome to the SVP kann ich da nur sagen! Das ist deren Politik und die hat man gewollt und gewählt! Und schon sieht man, dass all zu wirtschaftsfreundliche Politik mit zuwenig Regelung schädlich ist, der Arbeiter darf es ausbaden während sich die Manager höhere Löhne, Boni und goldene Fallschirme geben!! Hoffentlich kapieren das in 4 Jahren auch die hörigsten Fans der bürgerlichen Parteien, im übrigen sollten die das bürgerlich definitiv abgeben und wirtschaftlich hinschreiben!
  • Lorenzo  Cuna aus Derendingen
    07.01.2016
    Alle jammern, wenige unternehmen etwas. Ich mach mich unbeliebt das ist mir bewusst aber auch gleich, wollen wir das die Schweiz eine Zukunft hat wie wir es uns wünschen, dann muss alles runter. Preise, Löhne, Steuern, Mieten, eben alles. Dann können wir mit der EU mithalten nicht in der EU eintreten.Das sage ich als Italiener secondo und KMU Inhaber. Machen wir in der Schweiz nicht den gleichen Fehler wie in Italien: Augen zu und durch das funktioniert nicht.
  • alois  Leimgruber aus Villmergen
    07.01.2016
    Das ganze Jahr haben wir das Gejammer vom Frankenschock oder Stärke gehört. Der Grund ist der schwache Euro, die SNB kann sich einen Mindestkurs gar nicht mehr leisten da ihre Devisen mittlerweile auf 570 Mrd. angestiegen sind.
  • Mike  Egger 07.01.2016
    Es wird immer gejammert, dass der Umsatz heute tiefer ist als im letzten Jahr. Der Gewinn in vielen Unternehmen hat sich aber gesteigert. Was viele vergessen ist, dass zwar der Verkauf nicht mehr die Preise wie vor 2 Jahren herausholt aber der Einkauf auch um gute 30 Prozent günstiger geworden ist.
  • Armin  Bruesch aus Thusis
    06.01.2016
    Immer das Gleiche . Die Wirtschaft schreit nach Liberalisierung, untergräbt alle Reformen, will alles Soziale abschaffen und keine Regulierung. Man hat die Wirtschaft zu lange machen lassen und geglaubt, dass die Freie Wirtschaft sich selbst regelt. Weit gefehlt!! Die Wirtschaft will nur Maximierung, Liberalisierung und Profit. Die Rechnung ist nicht aufgegangen und nun schreien und jammern sie wieder nach mehr Staat. Unglaubwürdiger kann man nicht daherkommen.
    • Rolf  Hess 07.01.2016
      Slogan des Freisinns. "Mehr Freiheit, weniger Staat"