Ruedi Noser (55) fordert Anpassung des Bildungssystems «Keine devoten Angestellten ausbilden»

ZÜRICH - Ruedi Noser (55) hält nichts von den Studien, die behaupten, dass die Digitalisierung 100’000 KV-Jobs bedroht. Der Zürcher FDP-Ständerat nimmt jedoch die Banken in die Pflicht.

Der Zürcher FDP-Ständerat Ruedi Noser (55). play
Der Zürcher FDP-Ständerat Ruedi Noser (55). Keystone

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Wirtschaft

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Herr Noser, laut KV Schweiz sollen wegen der Digitalisierung bis zu 100’000 Angestellte ihren Job verlieren. Was halten Sie von dieser Rechnung?
Ruedi Noser: Die Studien überraschen mich nicht. Schon vor 30 Jahren sind mit Aufkommen von Computern und Internet 100’000 Jobs verschwunden. Aber es wurden neue geschaffen. Die einzige Konstante in der Wirtschaft ist der Wandel.

Sie fordern im «Digitalen Manifest für die Schweiz» (BLICK von gestern) einen Verzicht auf die Unterscheidung zwischen selbständig und unselbständig Erwerbenden. Warum?
Diese Grenze wird sich künftig aufweichen. Es wird immer mehr Mischformen geben. Man wird vielleicht für zwei, drei Firmen gleichzeitig tätig sein. Die heutigen Regelungen, wer für die Sozialleistungen aufkommt, sind nicht mehr zeitgemäss. Mit der Digitalisierung hat das aber nichts zu tun. 

Werden wir dann alle zur Ich-AG?
Nein, sicher nicht. Es wird auch künftig noch ganz normale Festangestellte geben.

Mit der Digitalisierung verlieren Schwächere den Anschluss!
Schwächere hatten es schon immer schwer. Die Jungen werden das schaffen, keine Frage. Wir müssen das Bildungssystem anpassen. Und nicht mehr devote Angestellte ausbilden, sondern Junge, die einen Job annehmen oder selbständig eine Idee umsetzen können.

Ein schwacher Trost für eine 50-jährige KV-Angestellte, die arbeitslos wird. Sie kann man nicht mehr zur IT-Spezialistin umschulen.
Unser Ziel muss sein, dass sich das nächste Google in der Schweiz ansiedelt. Wenn wir erfolgreiche Firmen im Lande haben, die Jobs schaffen, kann man auch einem 55-Jährigen helfen, mit Anstand zu seiner Rente zu kommen.

Sie fordern, dass ein privater Zukunftsfonds Kapital für Jungunternehmer zur Verfügung stellt. Wer soll da einzahlen?
Wir müssen etwa die Banken an ihre Verantwortung erinnern. Der Finanzplatz soll nicht nur Leute entlassen, sondern auch Fonds schaffen, mit denen junge Leute ihre Ideen umsetzen können. Das ist besser als Sozialprogramme zu schaffen.

Publiziert am 30.11.2016 | Aktualisiert am 30.11.2016
Ulrich Rotzinger, Stv. Leiter Wirtschaft
Das meint BLICK

Die Chance packen!

Seien wir ehrlich: Die Digitalisierung trifft alle Arbeitnehmer. Wann, wie und in welchem Mass sich die Berufe ändern, weiss heute noch keiner. Aber die Gefahr, dass Sie oder ich bald einem Automaten Platz machen müssen, ist real.

Arbeitszeitreduktion, Weiterbildung und Umverteilung – das ist die Antwort der Gewerkschaft Syndicom auf die Digitalisierung. Sie greift zu kurz und scheint etwas sehr defensiv. Denn die Berufsleute kommen so nicht aus der Sackgasse heraus.

Der kaufmännische Verband (KV) Schweiz nimmt eine zweckoptimistische Haltung ein. Im Fokus steht weniger die Fortbildung im eigenen Beruf, sondern die lebenslange Erweiterung von Sozial- und Selbstkompetenz. Die eigenen Fähigkeiten und der Umgang mit anderen werden wichtiger. Neue Jobs bauen darauf.

In den eigenen Fähigkeiten liegen Chancen, die man jetzt packen muss!

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6 Kommentare
  • Bruno  Meier aus Urdorf
    01.12.2016
    Aha. Laut dem Freisinnigen Noser werden im KV und in anderen Lehrberufen devote Angestellte ausgebildet. Gut, dass er das weiss. Vielleicht war es ja damals so, als er bei Rieter die Lehre gemacht hat. Allerdings ist eher zu befürchten, dass er - der ewige Abnicker vor "Autoritäten" wie der EU oder den USA - von sich und seinem Charakter auf andere schliesst. Zu unrecht, aber das merkt er wohl nicht.
  • Peter  Joachim , via Facebook 30.11.2016
    In den meisten Unternehmen und Institutionen wird "Management by Champignonzucht" betrieben. Wer den Kopf aus dem Dreck hebt, wird abgesäbelt, da ändern auch die schönen Worte aus der Politik nichts, denn auch da geht es nicht anders zu und her!
  • Keller  Mike 30.11.2016
    Ich glaube, dass 50jaehrige was Bildung und Ausdauer betrifft problemlos mit den Jungen mithalten koennen. Das wirkliche Problem ist die Altersdiskriminierung betr Angabe des Alters und Altersvorsorge. Die Schweiz hat hier wirklich ein kulturelles Problem mit dem Umgang des Altern.
  • Michael  Tomov aus Koror
    30.11.2016
    Die Voten von Noser sind schon recht, aber sie nicht mehr als schöne Worte. Wer heute nicht wieder extrem devot ist, wie vor 1980 auch, der riskiert den Job und macht bestimmt keine Karriere. Heutzutage muss man nur einmal nicht lachen, wenn der Chef einen schlechten Witz macht, und schon ist man erledigt. Mit 50 sowieso. Meinungsäusserungsfreiheit gilt nicht einmal für Angestellte der öffentlichen Hand, im Gegenteil. Nur noch toter Buchstabe in der Verfassung. "Polit. Korrektheit" killlt alles.
  • Philipp  Rittermann 30.11.2016
    "starke" vorgesetzte rekrutieren "starke" mitarbeiter. gerade weil konstruktive kritik geschätzt- und das unternehmen weiter - bring. das wäre die theorie. die praxis zeigt leider vielfach und exakt das gegenteil. die heutige manager-kultur hat zu einem leider grossen teil verlernt nachhaltig zu denken und zu handeln. profite nur einseitig zu verteilen, schadet auf dauer der gesamten volkswirtschaft. wir müssen wieder hin zu einer "unternehmer-kultur".
    • Fritz  Blasimann 01.12.2016
      Keine Angst, das kommt wieder. Wenn man die neusten Wirtschaftstheoriebücher liest, wird da langsam aber wieder ein Rückbau des Managertums propagiert. Auch die Gebildeten merken langsam, dass zuviele Gebildete mehr schaden als nutzen. Es dauert vermutlich noch 10 bis 15 Jahre bis es endlich so weit ist, aber es kommt wieder. Denn es sind die Aktionäre die Regieren. Die werden auch merken, dass zuviele Manger bloss die Dividende dratisch reduzieren ;-)