Rettungs-Paket gerettet!

  • Aktualisiert am 02.01.2012
Setzte sich mit Erfolg für den Rettungsplan ein: Nancy Pelosi (Demokraten), Mehrheitssprecherin im Repräsentantenhaus.- AP

WASHINGTON – Im zweiten Anlauf hats geklappt: Das US-Repräsentanten-Haus hat 700 Milliarden Dollar für die Rettung der Krisen-Banken bewilligt.

Grosse Erleichterung für Washington und die Finanzmärkte in aller Welt: Nach zweiwöchigem dramatischen Tauziehen ist der 700 Mrd. Dollar schwere US-Rettungsplan für den amerikanischen Finanzsektor unter Dach und Fach.

Nach dem Senat stimmte jetzt im zweiten Anlauf auch das Abgeordnetenhaus dem Paket zu. US-Präsident George W. Bush liess ankündigen, den Text so schnell wie möglich durch seine Unterschrift in Kraft zu setzen. Die Vorlage ermächtigt die US- Regierung zu beispillosen Staatshilfen für den Finanzsektor.

Ein erster Entwurf war am Montag im Abgeordnetenhaus hauptsächlich am Widerstand konservativer Parlamentarier gescheitert. Danach hatte der Senat die Initiative ergriffen und die Vorlage leicht ergänzt, um sie auch dem Abgeordnetenhaus schmackhaft zu machen.

Allerdings war eine Zustimmung auch zur überarbeiteten Version am Freitag noch ungewiss gewesen. Am Ende stimmten 263 Parlamentarier dafür, 171 dagegen. Beim ersten Votum am Montag hatten 12 Stimmen für eine Billigung des Programms gefehlt. Der Senat verabschiedete es am Mittwoch mit 74 zu 25 Stimmen.

«Notwendiges Übel»

Die demokratische Präsidentin der Parlamentskammer, Nancy Pelosi, hatte zuvor gewarnt, es dürfe nicht erneut zu einem Debakel kommen wie am Montag, als das Scheitern des Plans im Repräsentantenhaus eine dramatische Talfahrt der Aktienkurse an der Wall Street und an anderen Finanzplätzen ausgelöst hatte.

Auch der republikanische Fraktionschef John Boehner rief dazu auf, dem Gesetz zuzustimmen, auch wenn es nicht perfekt sei: «Nichthandeln ist keine Option.» Präsident George W. Bush selbst hatte zuvor wiederholt erklärt, dass im Fall von Untätigkeit ein Übergreifen der Kreditkrise auf alle Wirtschaftsbereiche mit Folgen für alle Bürger drohe.

In der Debatte vor der Abstimmung machte eine Reihe von Abgeordneten klar, dass sie dem Paket nur schweren Herzens zustimmen würden. Es sei kein gutes Gesetz, aber ein «notwendiges Übel», sagte beispielsweise der Abgeordnete David Dreier. Der Demokrat Charlie Rangel beklagte, das Parlament entscheide mit einer «an den Kopf gehaltenen Waffe».

Zückerchen für Steuerzahler

Das ursprünglich von Finanzminister Henry Paulson und Zentralbankchef Ben Bernanke vorgelegte Rettungspaket sieht im Kern vor, dass der Staat in Not geratenen Banken faule Kredite im Gesamtwert von bis zu 700 Mrd. Dollar abkauft.

Damit soll erreicht werden, dass die Banken wieder Kredite an Unternehmer vergeben und dadurch der Wirtschaftskreislauf nicht unterbrochen wird. In einer ersten Tranche sollen 250 Mrd. Dollar an die Banken vergeben werden.

Entgegen ersten Vorschlägen ist im Programm auch eine parlamentarische Aufsicht über die Kreditübernahme vorgesehen. Zudem sollen Manager von Banken, denen geholfen wird, keine grosszügigen Abfindungen mehr erhalten. Auch ist vorgesehen, dass der Staat nach der Rettung einer Bank später an den Gewinnen beteiligt werden kann.

Zu den Ergänzungen nach dem ersten Scheitern am Montag gehört ein verbesserter Schutz für Einlagen privater Anleger bis zu 250 000 Dollar. Zusätzlich wurden Steuererleichterungen in Höhe von insgesamt 100 Mrd. Dollar für Unternehmen und den Mittelstand aufgenommen. Damit kamen die Senatoren der Kritik entgegen, der Staat saniere die Wall Street auf dem Rücken der Steuerzahler.

Börse reagiert kaum

Die US-Aktienmärkte reagierten zunächst kaum auf die Entscheidung. Offenbar hatten die Börsianer fest mit der Zustimmung gerechnet.

Als das Repräsentantenhaus dem Paket am Montag überraschend seine Zustimmung verweigerte, verbuchte der Dow Jones einen Rekordverlust. Viele Experten an der Wall Street sind mittlerweile ohnehin überzeugt, dass der Rettungsplan die US-Wirtschaft nicht mehr vor einer Rezession bewahren kann.

Auch auf internationaler Ebene gingen die Sondierungen zur Lösung der Finanzkrise weiter. Am Samstag sollte ein Gipfeltreffen in Paris die Differenzen der Europäer über das weitere Vorgehen in der weltweiten Finanzkrise ausräumen.
(SDA/snx)

Rettungsplan gerettet: Und jetzt?

Die «Katastrophe für die amerikanische Wirtschaft» ist erst einmal vermieden worden. Im zweiten Anlauf stimmte das Repräsentantenhaus dem gigantischen Finanzplan zur Stabilisierung des angeschlagenen US-Finanzsektors zu.

Nachdem fast die gesamte politische Elite der USA, angefangen von US-Präsident George W. Bush bis zum demokratischen Präsidentschaftskandidaten Barack Obama den Kongress beschworen hat, das 700 Mrd. Dollar schwere Rettungspaket zu verabschieden, kam am Freitagnachmittag das ersehnte Ergebnis.

Allerdings weiss niemand, ob das bei den Amerikanern höchst unpopuläre Paket wirklich ausreicht, den Zusammenbruch von US- Banken und eine schwere Wirtschaftsrezession zu verhindern. Zumindest aber ist erst einmal gesichert, dass Geschäftsleute und Unternehmer mit Krediten versorgt werden können und die Banken etwas Luft bekommen.

Und mit 400 zusätzlichen Gesetzesseiten soll auch verhindert werden, dass Finanzminister Henry Paulson unkontrolliert Gelder verteilen kann.

Die halbe Welt hatte den US-Kongress gedrängt, das Hilfspaket zu verabschieden. Der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean- Claude Trichet, nannte es unumgänglich, dass die US-Banken von den faulen Hypothekenkrediten befreit werden.

Auch der Internationale Währungsfonds (IWF) begrüsste die Regierungsmassnahmen, warnte aber, dass ohnehin die US-Wirtschaft nun von Stagnation und Rezession bedroht sei.

Die US-Abgeordneten konnten sich aber nur schwer dazu durchringen, der Staatshilfe für den Finanzsektor zuzustimmen. Schliesslich bombardierten Tausende empörter Bürger die Volksvertreter wegen ihrer Absicht, den «Spekulanten von der Wall Street» Geld hinterherzuschmeissen.

Selbst die konservative republikanische Kandidatin für das Amt des Vizepräsidenten, Sarah Palin, formulierte den Volkszorn und sprach von der «Gier und der Korruption» an der Wall Street.

Für die US-Bürger mag es absurd erscheinen, dass mit Steuergeldern eine Branche gerettet werden soll, die sich mit höchst riskanten Spekulationen selbst fast ihr Grab geschaufelt hat – nicht ohne zuvor irre Summen an Gehältern, Prämien und Abfindungen an Spitzenleute verteilt zu haben.

Es wird nicht einfach für die amerikanischen Politiker sein, die Zusammenhänge zwischen der Finanzwirtschaft und der Börse, dem wirtschaftlichen Wachstum und den Arbeitsplätzen zu erklären – oder schlicht die Tücken des Kapitalismus, der in seiner Erfolgsgeschichte stets auch von gravierenden Krisen geprägt war.

Tatsache aber ist, dass ein Zusammenbruch des Finanzsektors Millionen kleiner und mittlerer US-Betriebe in grosse Gefahr gebracht hätte – und das ganze Land in den Strudel einer tiefen Wirtschaftskrise reissen könnte.

Einen wirklichen politischen Sieger gibt es nach den Dramen im US-Kongress nicht. Der republikanische Präsidentschaftskandidat John McCain jedoch muss sich am ehesten als Verlierer fühlen.

Bei dem jetzt beschlossenen Rettungspaket gab es einen über 100 Mrd. Dollar schweren Anhang, von dem Rumproduzenten in Puerto Rico ebenso profitieren wie Eisenbahnen, psychisch Kranke und Indianer-Stämme.

Für finanzkonservative Kreise ist das ein unverzeihlicher politischer Sündenfall – der ausgerechnet von dem Republikaner unterstützt wurde, der landauf landab verkündet, er werde als Präsident mit solcher Spendierfreudigkeit Schluss machen. (SDA)

Bush hat schon unterzeichnet

Kurz nach Annahme des Wall-Street- Rettungspakets durch den US-Kongress hat Präsident George W. Bush das Gesetz unterschrieben. Das teilte das Präsidialamt in Washington mit. (SDA)

Was bringts?

Verrückt: Da kämpfen die Politiker eine Woche um dieses sogenannte Rettungspaket, das die Krisen-Banken angeblich unbedingt brauchen. Und dann wird es beschlossen. Und dann? Dann geht die Börse erstmal runter! Und warum? Weil die Politiker die Sache verpatzt haben, so der Börsenexperte von SF1 direkt von der Wall Street. Die Chance, ein Zeichen der Entschlossenheit zu setzen, hätten die US-Politiker verpasst. (snx)

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