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Rendite mit hungernden Kindern

ZÜRICH – Nahrungskrise rund um die Welt. Das kümmert die UBS wenig. Sie sucht Anleger, die daran Geld verdienen wollen.

Von Daniel Meier | Aktualisiert um 08:35 | 16.05.2008
UBS: Die Tragödie ist ein Geschäft. (Keystone)
UBS: Die Tragödie ist ein Geschäft. (Keystone)
Die Bilder erschüttern uns täglich. Menschen, die auf der Stras¬se protestieren. Weil sie sich kein Essen mehr leisten können. Und Kinder, die verhungern. Weil Reis, Weizen oder Mais immer teurer werden.

Unglaublich, aber wahr: Die UBS macht aus der Tragödie ein Geschäft. In ganzseitigen Inseraten wirbt sie für «ETCs auf Agrarrohstoffe und Lebendvieh». ETC steht für Exchange Traded Commodities: Anlageprodukte, über die sich Investoren an den Rohstoffmärkten beteiligen können.

Die Bank verspricht im Werbetext «eine attraktive Einstiegsmöglichkeit». Um aufzuzeigen, wie hoch die Rendite sein könnte, listet die UBS im Inserat die Preisentwicklung der wichtigsten Grundnahrungsmittel auf, z. B. Mais: plus 35,6 % seit Anfang Jahr.

Peter Ulrich vom Institut für Wirtschaftsethik an der Uni St. Gallen kritisiert die Werbung: «Ich finde es fragwürdig, dass die UBS derart unbedarft versucht, eine Renditeerwartung auf der Basis der aktuellen globalen Lebensmittelverknappung anzupreisen.»

Der Professor hat kürzlich in einem Manifest jegliches Profitstreben über steigende Nahrungsmittelpreise scharf verurteilt: «Eine Spekulation mit Grundnahrungsmitteln, welche in Kauf nimmt, die Versorgungsnot anderer Menschen zu verschärfen, ist unerträglich.»

Die Bank versucht sich herauszureden. Für die hohen Preise gebe es andere Gründe: steigende Nachfrage der Schwellenländer, hohe Energiepreise, schlechtes Wetter sowie mehr Bio-Treibstoffproduktion.

Richtig. Aber treiben nicht auch Spekulanten die Preise nach oben? UBS-Sprecher Serge Steiner weicht aus: «Das ist nicht die zentrale Ursache für die Krise.» Das behauptet niemand. Aber die Spekulation spielt eine Rolle. Zwar basieren Anlageprodukte auf Terminbörsen und nicht direkt auf den Rohstoffbörsen. Also spekuliert man nicht unmittelbar mit Esswaren, sondern mit deren Preisschwankungen.

Doch laut Ulrich ist klar, dass der Anstieg im Termingeschäft auch die Preise für reale Werte nach oben zieht. «Deshalb trägt man mit einer solchen Anlage eben doch dazu bei, dass die Preise weiter steigen.»

Wegen diesem Zusammenhang sind Spekulationen auf Nahrungsmitteln in Verruf geraten. Wer in nachhaltige Anlagen investieren will, verzichtet drauf – genauso wie auf Aktien von Firmen, die Waffen, Tabak oder Alkohol produzieren.

Besonders ärgerlich findet Ulrich, dass die UBS im Inserat mit dem Satz wirbt: «Eine Trendwende ist nicht absehbar.» Das sei «zynisch», offensichtlich sei eine Trendwende gar nicht erwünscht: «Im Gegenteil. Man hofft ja, dass die Preise weiter steigen – und die Hungerkrise noch schlimmer wird.»

Zynische Werbung

(Keystone)
(Keystone)

Noch schamloser als die UBS versucht die Deutsche Bank aus dem Hunger Profit zu schlagen. Um für ihren neuen Agrar-Fonds Investoren anzulocken, warb sie im April in Frankfurt ausgerechnet auf Brot-Säcken von Bäckereien. Dort stand: «Freuen Sie sich über steigende Preise?» Und dazu ein Werbespruch für die attraktiven Aussichten bei den Nahrungsmittelmärkten. Den Zynismus fanden die Globalisierungskritiker von Attac gar nicht lustig. «Das ist ein Schlag ins Gesicht der Ärmsten, die schon beim Brot sparen müssen.» Darauf stoppte die Bank ihre Kampagne. Joe Ackermann (60, Bild) sorgt sich jetzt sogar um den Kapitalismus. Aber nicht wegen seinem geschmacklosen Brot-Sack-Slogan. Der Schweizer Chef der Deutschen Bank sagte gestern am St. Gallen Symposium: «Nach der Finanzkrise ist es nötig, das Vertrauen in das kapitalistische System wieder zu stärken.» Daraus lässt sich folgern: Wenn die Leute vom Kapitalismus langsam genug haben, sind die Banken selber schuld.

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