Reiche Pärchen haben neuen Trick Steuern sparen mit Schein-Scheidung

ZÜRICH - Rund 800 Ehepaare lassen sich jedes Jahr scheiden um Steuern zu sparen. Der Trick lohnt sich vor allem für Gutverdiener.

Kleine Vereine werden von den Steuern befreit play
Paare lassen sich scheiden, um Steuern zu sparen. Keystone

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Nicht nur die Hochzeit ist teuer, sondern auch danach die Steuer. play
Nicht nur die Hochzeit ist teuer, sondern auch danach die Steuer.

Ganz knapp ist letzten Sonntag die CVP-Initiative «gegen die Heiratsstrafe» an der Urne abgelehnt worden. Das könnte einen bekannten Steuertrick beflügeln: Ehepaare lassen sich scheiden, obwohl sie weiterhin zusammen leben. 

«Ich schätze, dass rund 5 Prozent aller Scheidungen und Trennungen, mit denen ich zu tun habe, aus steuerlichen Gründen erfolgen», sagt der Anwalt Franck Ammann zur «Sonntagszeitung». 

2014 sind 16'737 Ehen geschieden worden. Stimmt Ammans Schätzung, so würden sich über 800 Paare scheiden lassen, nur um Steuern zu sparen. 

Lohnt sich für Gutverdiener

Als Beispiel nennt die Zeitung eine Unternehmensberaterin. Wie auch ihr Mann hat sie einen Kaderlohn. «Wir haben Kinder und damit hohe Ausgaben. Wegen des erdrückenden Gewichts der Steuern können wir fast nichts ansparen», klagt sie. Laut eigenen Berechnungen kann sie bei einer Trennung 10'000 Franken Steuern sparen. Darum hat sich das Paar scheiden lassen – obwohl sie noch immer glücklich zusammen leben.

Auch der Steueranwalt Roger Groner kennt das Phänomen. Er hat schon viele Paare beraten, die sich aus steuerlichen Gründen haben scheiden lassen. Der letzte Fall war ein kinderloses Ehepaar aus dem Kanton Zürich. Er ist Börsenhändler und verdient 250'000 Franken, sie ist Bank-Angestellte und verdient 160'000 Franken im Jahr. «Sie waren es leid, immer mehr Steuern zu zahlen», sagt Groner. Nach drei Jahren Ehe liess sich das Paar scheiden. Ersparnis: mehr als 20'000 Franken im Jahr. Laut dem Anwalt lohne sich der Schritt nur bei Paaren, bei denen beide gut verdienen. 

Nicht nur Vorteile

Doch eine Scheidung birgt auch Risiken: Denn wer sich scheiden lässt, verzichtet auf erbrechtliche Ansprüche, wenn der Partner stirbt. Zudem können, je nach Kanton, Erbschaftssteuern anfallen. Unter Umständen erlöschen auch Ansprüche auf die Hälfte des Pensionskassenguthabens des verstorbenen Partners. (bam)

Publiziert am 06.03.2016 | Aktualisiert am 06.03.2016
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33 Kommentare
  • Daniel  Weilenmann aus Zürich
    06.03.2016
    Natürlich lohnt sich das für Vermögendere mehr. Aber das geschieht auch beim Sozialamt. Dann wird ein Zimmer gemietet, nicht regelmässig bewohnt, und dann ist man trotzdem "zusammen". Da dann jeder einen höheren Lebensbedarf als "Einzelperson" erhält als zu zweit!
  • Martin  Weber 06.03.2016
    Hahaha, finde ich lustig. Da verdienen 2 kinderlose Paare 410000 im Jahr und lassen sich scheiden wegen lächerlichen 20000 ? Vermutlich wechseln sie auch jedes Jahr die Krankenkasse, um Prämien zu sparen. Das ist, wie wenn ich einen Ferrarie kaufen würde und mich dann über den Preis der Vignette beklage. Einfach nur peinlich.
    • Daniel  Weilenmann aus Zürich
      06.03.2016
      Ich weiss nicht wie alt sie sind, aber ist ihnen noch nicht bekannt, dass man von den Reichen sparen lernt! Traurig aber wahr!
    • Toni  Brunner aus Dasmarinas/Cavite/Philippines
      07.03.2016
      Fast perfekt auf den Punkt gebracht. Das war auch mein Gedanke.
      Und den Ferrari bringt man dem "Hinterhof-Türken" für Service und Reparatur, weil der Markenvertreter so saumässig hohe Stundenansätze hat.
  • Lorenz   Müller 06.03.2016
    Ich sage schon seit Jahren, dass das normale Volk um einiges intelligenter ist als unsere Chefbeamtinnen und Chefbeamten, welche unser Land von Jahr zu Jahr schneller an die Wand fahren. Die Geschichte wiederholt sich. Eines Tages werden sie aus ihren Schlössern und Tempeln vertrieben. Sie hoffen einfach immer, es treffe dann sicher erst ihre Nachfolger.
    • Thomas  Goetz 06.03.2016
      @Müller - Das normale Volk ist intelligenter? Also wenn man sich die Abstimmng ansieht, stimmt die Aussage wohl nicht, denn das Volk hat dem Beschluss der Beamten keine Abfuhr erteilt.
  • Heinrich  Zimmermann aus Fulenbach
    06.03.2016
    Als alleinstehender Rentner hätten sie gem. Steuerveranlagung das Recht auf EL. Da sie nun verheiratet sind mit einer Frau die noch nicht im Rentenalter ist, die bis anhin immer den Haushalt geführt hat wird gezwungen sich beim RAV zu melden. Ein hypothetisches Erwerbs-Einkommen von Fr. 38000.- wird hochgerechnet, das empfinde ich mehr als eine Heiratsstrafe.
  • Ernst  Rietmann aus Weinfelden
    06.03.2016
    Das Problem bei den Steuern, beim Erbrecht und bei den Sozialversicherungen ist, dass wichtige Grundsätze immer noch auf einem Jahrzehnte alten Familienbild basieren. Dieses besteht immer noch auf Basis verheirateter Paare, obwohl die Anzahl Verheirateter und weitere Familienformen sich seit Jahren massiv verändert hat. Die Gesellschaft hat sich verändert. Leider weigert sich aber die bürgerlich beherrschte Politik, dieses neue Gesellschaftsbild den alten Gesetzen anzupassen.